Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1884)
- Article
- Amerika [Nachricht]
- Date
- 1884-05-01
- Page
- 286 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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286 erforderliche Kraft und Energie, 11m sich durch Arbeit! ihren stebensimtcrhalt;11 verdienen lind sich selbst zu! erhallen. Nichts ist leichter als in Amerika Grund j und Boden;11 erlangen, man mnß ihn nur;u de-! bauen verliehen. Selbst bei persönlicher Tüchtigkeit : und einiger Kenntnis der Bodenkultur, must der Kol lonist mindestens 7<»0 oder 811(» Dollars besitzen, 11m,; falls er Familie hat. seine Bedürfnisse bestreiten;u ' können. :",00 Dollars würden für jede Familie ge-; nügen, wenn zwei Familien;nsammen auf ein und : dieselbe Konzession arbeiteten; jedoch;eigen sich diese : Flüchtlinge einem Zusammenwirken nicht geneigt.!Fs : flieht jetzt in der Kolonie von Poiiiird Woods nnge- 1 fahr 80 Familien, von denen eine Anzahl noch nicht ' etablirt ist, wodurch die Fortschritte der .Kolonie ans-! gehalten werden. Als die ersten Kolonisten erkannten, > das! sic große Aussicht auf Gelingen hatten, haben sic : einer bedeutenden An;ahl ihrer in den verschiedensten; Theilcn der Bereinigten Staaten und Kanadas befind-! lichen Freunde geralhen, ihnen nachznfolgen. Biele 1 sind gekommen und haben Boden erhalten, aber sie * hatten nicht die geringsten Mittel, und die Meisten j von ihnen nicht die mindeste Begabung zur Boden- 1 knltur. Bald nach ihrer Ankunft verhungerten die Familien, nachdem die Häupter derselben sich anderweitig um Stellung oder Beschäftigung bemühten. Unter solchen Umstanden sah sich die Niederlassung wohl gezwungen, diese unglücklichen Frauen und Kinder zu unterstützen, was ihr schwere Opfer anserlegte. Es mnß hinzngefügt werden, daß die Kolonie ",00 Meilen von St. Paul cntfernl lieg: und daß cs außerdem keine näher wohnenden Israeliten giebt. Zudem ist die letzte Saison nicht güitslig gewesen, da die Ernte durch übermäßige Trockenheit fast vollständig verloren ging. Ohne diesen bedauerlichen Zwischenfall hätte eine gewisse An;aht der Kolonisten sich Hallen können. Noch ein anderes Unglück hat die Auswanderer bctroffen. Das Feuer der Prairien hat eine große Menge Den und Ackcrwerkzengc zerstört. Große Ausgaben waren erforderlich. 11111 diese Berlnslc zu ersetzen und Wintcrnahrnng für das Rindvieh;u beschossen. Der Winter in dieser Region ist sehr lang mid sehr streng, und matt kann sich dort in dieser Jahreszeit keinerlei Arbeit verschaffen. Da die Ernte mißlungen, mußte man den Kolonisten zu Hülse kommen, und während mehrerer Monate ungefähr 280 Menschen erhalten. Das eine Familicnhanpt ist im Krankenhaus an. der Schwindsucht gestorben; es hat eine zahlreiche Familie hintcrlasscn, welche die Kolonie gezwungen war, zu unterstützen. Ein anderes ist von derselben Krankheit befallen und hat keine Aussicht auf Wiedererlangung seiner Genesung, was die bereits so zahlreichen Schwicrigkeitcn der Kolonie noch erhöht. Herr Dr. Wechsler har Pomted Woods vor einigen Wochen besucht und hat die Kolonisten mit den allernöthigsten NahrungS- Mitteln und Kleidungsstücken bis zmn nächsten Frühfahr versorgt. Da die Mittel, welche Herrn Dr. Wechsler für diese Kolonie zu Gebote standen, erschöpft waren, wandte er sich an Herrn Baron von Hirstp. Dieser großmüthige Menschenfreund übersandte ihm Umnn Franks. Der Board von New-Dork, welchem die Alliance de Wien für die Kolonien der Bereinigten Staaten eine Subvention von lüüoo Frks. bewilligt hatte, sandle gleichsfalls einen Theil dieser Summe, nämlich 3000 Frks. an Herrn Dr. Wechsler. Jedoch sind diese Mittel, wenn auch genügend für die äugenblicklichen Bedürfnisse der Kolonisten, nicht hinreichend genug, um ihnen die erforderlichen Samen, das Rindviel), die Wagen, die Ackerbauwerkzeuge in größerer Anzahl, iowic eine Menge unentbehrlicher Gegenstände zu beschaffen. Herr Dr. Wechsler ist der Ansicht, daß eine Subvention von ungefähr 5000 Dollars und zwar vor der Zeit der Staat geboten sein wird, um die Einwanderer in den Stand zu setzen, sich künftig durch ihre Arbeit zu erhallen, ohne neuer Snbvenlion zu bedürfen. Einige der jetzigen Kolonisten, welche niemals als Ackerbauer rcnssircn werden, müssen anderweilig als Handwerker nntergedracht werden, den übrigen muß bedeutet werden, daß sie fernerhin zum NNen nur ans sich selbst angewiesen sein werden, und. da in Postttod Woods der Boden ein sehr fruchtbarer ist, darf man sich der Hoffnung hingeben, salls dieser Niederlassung jene neue. Beisteuer von 5000 Dollars bewilligt wird, sic einer gedeihlichen Zukunft entgegengeht." Die Kolonie Pomtod Woods hat bereits verschicdcuc Subventionen erhalten. Außer den looOO Frks., welche Baron Hirsch dieser Niederlassung gewähr! hat, den :>00ח Frks, ivelche der Board von New-Hork entnommen, um sie •ocrni Dr. Wechsler;11 überweisen, hal das Zentral-Komite der russischen Juden zu Berlin in verschiedenen Raten eine Gesamnttsnmme von 3 700 Dollars gespendet, das Komitö des Mansion-Honsc^u London eine Gesamnttsnmme von l 20U Psd. St. (30 000 Frks.), das Zentral - Komitö der Alliance 50<>0 Frks. und das Oomttö s^öoial do socours l>onr los israrlites russos zu Paris, desgleichen 50000 Frks. Ju Folge der erneuten Bitte um Subvcntion, welche Herr Dr. Wechsler an das Zentral- Komitö zu Gunsten der Kolonie von Pomtod Woods gerichtet, hat dasselbe nochmals einen Kredit von 5000 Frks. und das Komitö des Mansion-Honse einen Beitrag von 300 Pfd. St. (7 500 Frks.) votirt.