Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1884)
- Article
- Österreich-Ungarn : Krakau [Nachricht]
- Date
- 1884-05-01
- Page
- 285 (sequence 2)
- Language
- German
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285 isl aber eine Armut h erzeugt und von Generation ]\\ Generation vererbt worden, die bei Ihnen unbekannt ist, cs sei denn, daß Sie solche bei den armen Ein- Wanderern jetzt kennen gelernt baben. lieben Sie einmal hinein in die engen Jndeiigasscu Galiziens lind schauen Sic das Elcitd und die Oi'otl) nnd — ich darf und will es nicht unterdrücken — auch die Genügsamkcit, Emsigkeit und Tugend dieser armen Glaubensgenossen. Wohl hat die Gegenwart die Sünde der Vergangenheit, so weit es an ihr war, gesühnt, und das Joch des Druckes von dem Nacken der galizischen Inden genommen, aber dadurch ist der Arme nicht mit einem Male von seinem Elende erlöst. Wohl haben viele Inden cs zum Wohlstände gebracht, aber die große Masse ringt noch immer den harten Kamps ulil's Dasein im buchstäblichen Wortsinne, llebrigeits sollte, nach der Ansicht vieler Eiltsichtigen, zur Hebung des Wohlstandes. unter der erschreckend aruren hierländischen jüdischen Bevölkerung mehr geschehen, als geschieht, und zwar atich veritünstiger und zweckmäßigerer als bisher. Man meint nämlich, daß cs an der Zeit wäre, die geeigneten Borkehruugeit .zu treffen, um einen größeren Theil der Juden dem Ackerbau znznführcn, wozu sic sich atlßerordeittlich eignen nnd wofür auch unser meistens auf Landwirthschajt hiugewieseitcs Krönlaitd vortrefflich Gelegenheit bietet. Es sollten Ländercicn angetanst tvcrdeit, die man jüdischen Männern in Pacht giebt, man sollte jüdische Muster,virthschastcn anlcgeu, umden Betrieb in der Praxis m lehrer. Wir besitzen ja schon jetzt tüchtige jüdische Landwirthc. Außerdem aber ließe sich auch für die Berbreitnitg lohnender Handwerke unter den Inden mehr thnn als bisher. K. Ungar. Brvd (Mähren), 7. April. Die hiesige Gemeinde hat durch den Heimgang des in weilen Kreisen rühutlichst bekannten Hebraisten Herrn Joachim Singer einen herben Verlust erlitten. Nach täugereni Leiden ist er am Freitag Abend in ein besseres Sein hinübergeschlnnnnert. Unter außerordentlicher Betheiligung wurde dieser Edle, die Zierde unserer Gcnteinde, gestern unter eitlem zahlreichen Gefolge zu Grabe getragen. Der Stadtrabbincr Herr M. D. Hoffmnuu, der -ans weiter Ferne hierher geeilte Eidam des Verklärten, Herr Rabbiner A. Singer ans Var-Palota, nnd ein Schüler des Verblichenen, Herr H. Schön, widmeten demselben ehrende Nachrufe mtd haben die großen Verdienste hcrvorgchoben, die der Heim gegängelte als Mensch nnd Jude sich erworben. Wehnittthsvoll rufen wir ihm nach: הגל על דאבדין ולא נויגתנהין. England. ׳{־■ Sinterif (Irland), 24. April. Der Pöbelaufruhr, welcher rasch unterdrückt wurde, wendete sich auch gegen ein zu gottesdienstlichen Zwecken der wenigen hier wohnhaftctt Inden bcilntztes Gebäude. Es wurden sechs Personen verhaftet, ,velche sich atich an einen Jttdcn thätlich vergriffen hatten. Ein plaufibter Grund liegt für diese Erzesse in keiner Weise vor. es sei denn die irische 'Jiaufluft. Bor dem Polizeigericht wttrde die Albernheit augeiührt, ein Jude habe Hühnern das Blut bei lcb'.'ndigeut Leibe abgezapst und sie dann auf seinem Hofe herumlaufen lasscit. Darüber seien die in der Nahe Wohnenden so empört getvesen, daß sie eine Indenschlacht in Szene zu setzen gedachten. Der Polizeirichter wies aber diese närrische Ansflticht zurück und verurtheiltc die Angeklagten zu einer einmo!tatlichcn Gefäugnißstrafc. Man sieht, daß die Söhne der Grünen Insel doch noch weit in der Kultt!r zurück sind, sonst hätten sic statt zu Hühnerblntabzapfungen zu den! Märchen von Menschenblut ihre Zuflucht geiwninieu. Ucbrigcns ist es noch gar nicht ausgeschlossen, daß sich nicht diese Exzesse detnnächst einmal wiederholen. Die heißblütigen Iren stehen gegen LandlordS Mtd Polieemen aus lind die Inden werden bei dieser Gelegenheit zur Abwechselung mit gehetzt. Nnmänien. .../. Bukarest, 25. April. Das neue, namcnt-!ich gegen die jüdische Bevölkerttng sich ivendende Hansirgesetz, soll, dem. Vernehmen nach, schon in allerkürzester Frist in Kraft treten. Es haben sich etwa 350 Hausirer zu einer Kollektivpctition an den König vereinigt, um einen Anssehub von sechs Monaten zu erlangen, während welcher Zeit sic (Gelegenheit finden könncit, sich ihrer bereits angekansteit Waaren zu cntänßern. Amerika. * Dem Berichte der ״Alliance israeiite universelle" cntnchnten wir die folgende LNitl Heilung über die in ]‘ohit,(■(! Woods (NOititcsola) ctaldirtc russische Kolonie, welche von Herrn Dr. Wechsler, Rabbiner in St. Paul, geleitet wird. Sie bestand ursprünglich atis dreißig Familien, Diese Familien, welche sich allinählich eine gewisse landwii thschaftlichc Erfahrung äugeeigner und durch ih c Arbeit ihren Lebeitsnntcrhalt verdienten, haben ihre Ver,׳sandten und Frcnnde atts den verschiedcitsten Theilcit der Bereinigten Staaten nnd Kanadas hcrangezogeit. Heute besteht die Kolonie zu Poiiitod Woods ans 71 Männern, 52 Frauen nnd ungefähr 00 Kindern. Die neuen nnersahrcnen und unbemittelten Ankömmlinge sind eine schwere Last für die Kolonie geworden, deren Lage hellte weniger befriedigend ist wie bisher. Anbei die sehr interessanten Mittheilnugen, welche diesbezüglich von Herrn Dr. Wechsler an das ZeiurabKomitd gemacht worden sind: ״Oie rllssischeit Flüchtlinge, welche sich in IKnntwä Woods niedergelassen, gehören der ärmsten Klasse unserer Glanbcttsgenosscn an; sie besitzen lticht alle die