Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1884)
- Article
- Deutschland : Leipzig [Nachricht]
- Date
- 1884-05-01
- Page
- 283 (sequence 2)
- Language
- German
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283 größte Humanität gegen alle!ebenden Wesen zur Pflicht machte, wie;. B. aus der Borschrift hervorgeht, daß nicht eher eine Mahlzeit gehalten werden soll, bis die Thicre gefüttert sind. Die Vorschriften für das Schlachtverfahren hatten den Zweck, dasselbe so weit als möglich .,eit», tuto et jucundr*“ zu gestatten, unb bestehen I in der Hauptsache in Folgendem: 1) Hede Unter- ' brcänmg, welche das Veiden des Thieres verlängert, mad)t dessen Fleisch ungenießbar; — V) der Einschnitt soll durch eine hin- und hergehende Bewegung ausgeführt werden; — 3) der Hantcinschnilt soll den Umsang der tieferen Wunde nicht übersteigen, da die Haut sehr empfindlich ist und jede unnörhige Verwundung derselben vcrinieden tverden soll; — 4) die Wunde soll nicht sa hoch gemacht!verden, daß das Messer in Berühruug mit den Knochmthcilen über bem Ningkuorpcl der Trachea kommt; — 5) kein Gewebe darf zerrissen werden. Um letzterer Vorschrift nachznkoinmcn, darf daß Messer nicht die geringste Scharte haben, und diese Forderung wird noch heute mit größter Strenge durchgeführt. Der Schlächter hat eine längere Lehrzeit und am Ende derselben eine Prüfung zu bestehen. — Nachdem die Thierc gelobtet sind, findet eine sorgfältige Untersilchnng des (Gesundheitszustandes derselben statt; die diesbezüglichen Vorschriften sind wahrhast bcwunderungsivürdig. — Es ist schwierig fcstzustellen, inwieweit die einzelnen Vorschriften d>!rch physiologische Erkemuuiß bedingt waren. Wir sehen, daß der Genuß von Blut sorgfältig vermieden ward, lange bevor man mit Hülfe des Mikroskopcs das häufige Vorkommen von Krankheitskeimen in demselben nachgewiesen hatte.!>. Livnel Beate ist der Ansicht, daß die Keime erst dann krankmachend wirken, wenn sie in das Blut cingcdrnngen sind. Hallier fand im Blute Scharlachkranker stets zahlreiche Mikrokocken, und neuere Untersiichungen haben in! Blute der an der sogenannten Wollsortirer-Kraittheit Leidenden einen Bacillus nachgewiesen, welcher mit dem bei Karbunkel und Milzbrartd der Thicre aufgeftindcnen übereinsiinnnt. Wie tnerkwürdig erscheint demnach die Verordnung, daß gewisse Gesäße von den für die Mahlzeit bestimmten Fleischstücken abgerrcnltt und letztere vor dem Kochen eine halbe Stunde in Wasser und eine halbe Stunde in Salz gelegt werden. I)!׳. Ferricr fand, daß die Zersctzung immer von den Blutgefäßen ihren Ausgang nimmt, und erblickt in dem Vorhandensein des Blutes bei zu Tode gehetzten Thiercn die Ursache der schnellen Verwesung ihres Fleisches. — Mannigfach sind die Vorschriften bezüglich der Verwundungen und Krankheiisjymptome, welche das Fleisch ״unrein^'(?) machen; aber keinem Organ ist dabei eine so eingehende Vcachtnng zu Thcil geworden, wie den Lungen, welche so genau umersucht wurden, daß das Vorhandensein, von Lungenkrankheiten schwerlich übersehen werden konnte. Auch diese Verordnung finde! durch die Wissenschaft ihre Rechtfertigung, da die Luftwege wahrscheinlich den Kranlheitskeimen Eingang in den Organismus gestatten, wenn sie nicht gesund und widerstandsfähig sind. Auch wirb jedes Thier verworfen, in welchem ein erkranktes Organ vorgefnnden wird. — Alle Vorschriften dos Talmud scheinen ans Grund, eingehender Beobachtung und Untersuchung todter wie lebender Thicre zu beruhen. Nab, einer der hervorragendsten Talmudisten, begab sich achtzehn Monate lang zu einem Schäfer, um die heilbaren von. den unheil-barm Krank- Heiken unterscheiden zu lernen. Der Talmud spricht von einer Sektion einer Francnleiche, welche von den Schülern des Rabbi Israel vorgcnommen wurde, wobei die Bezeichnung der einzelnen Organe und Knochen nahezu der heutigen entsprach. In allen Fällen, wo besondere ärztliche Kenntnisse bei Aufstellung der diätetischeu Verordnungen erforderlich waren, wandten sich die Talmudisten an die Aerzte um Rath." OArrs Westfalen, 28. April. Die ״Germania" läßt sich ans der hiesigen Provinz, bezw. dem Kreise B r i l o n, einen Artikel schreiben, welcher nichts Geringeres zur Folge haben könnte, salls die in den Spalten des Zentrnmblattcs enthaltenen Ausführungen sofort die .Klinke der Gesetzgebung in Bewegung zu setzen oder hunderttausend Fäuste mit Knitteln zu bewaffnen im Staude wäre, als die Juden in die Acht zu erklären und ein wenig ansznrotten. Wenn das in der ״Germania" Berichtete wahr und in der ausgesprochenen Allgemeinheit der Wirklichkeit gemäß sein sollte, dann wärm die westfälischen Inden nicht ein Gottlob chrcnwerLher und nützlicher Thcil der Bevölkerung, sondern Vampyre, welche das Blut der Landcseinwohncr aussaugteu, und Hyänen, die heimtückischer Weise selbst den Leichnam nicht schonen. Ich sollte glauben, daß die ״Germania" unter allen Organen des ösfeullicheu Worts vor Allem Ursache hätte, in ihrem Urtheile vorsichtig zu sein und sich aller Verdächtigungen eines ganzen Aürgcrkreises zu enthalten. Hat doch gerade die Partei, in deren Dienst sie sich gestellt, vollauf gekostet, was es heißt, als Ambos zu dienen, wie schmerzlich es thnt, sich verdächtigen, verleumden und schmähen zu lassen, und wie ungerecht cs ist, die Vergehen des Einzelnen als einen Vorwurf für die Gcsammtheit ertragen zu müssen. Oder sollte die ״Germania" sich bereits als Hammer suhlen und die Lust verspüren, mit auf den Juden wacker losznhauen. auf den Juden, der ja wehrlos und ohnmächtig sich nicht wehren kann, wenn man ihn als Ambos zu benutzen den heroischen Mnth besitzt? - - Har sie cs schon vergessen, was ihre Parteiführer ob der Schmähung und Bedrückung ihrer Genossen klagend in die Welt hineii'.gernftn? — Was wirft sie