Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1884)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1884-05-01
- Page
- 282 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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282 minister Lord Bcaconssield den ehemaligen Benjamin Dioraeli zu entdecken und in ihm dem Stammcsgcnossen dce Stifters des Ehristernhums zu verehren. Es ist freilich ein eigener Kau; dieser Herr Z.-Korrespondent; seine Verehrung und Liede zeigt sich in eigenthümlicher Weise. Er meint, dag Tieraeli eigentlich das Vertrauen der Engländer niemals besitzen konnte, weil er hauptsächlich ״semitisch" war. Merlwürdig! Tie Engländer sind doch sehr gute Ehristen und lieben die : Semiten der Bibel nicht mir, sondern hegen auch gegen; die lebenden Semiten leine Äbueigung; ja, cs stört sie : auch nicht, von der Königin dis zum Arbeiter, daß Beaeonssield ein Semite war, und daß Montcsiore ein Semite ist und viele, viele andere, die in Staat und Gemeinde angesehen und verehrt werden. — Derselbe Herr B. hat auch in Betreff des kleinert Krawalls in Limerick ganz absonderliche Gedanken. Er kalkulirt, daß man gefürchtet habe, durch die Aushebung der irischen Landgesetze von 1881 werde der Baucrstand das ״Pachtrecht" verpfänden oder hypothezircn. Nun hätten die Juden möglicherweise Lunte gerochen und sich in Limerick auf ihre zukünftigen Opfer festgesetzt — aber am irischen Volk die schlimmste Sorte aller Kunden gesunden, mit denen sie jemals zu thun hatten. — Ist das nicht originell? Ach nein; — es ist nur eine Kopie von alten Vorbildern — wo? sagt die Reda!non der ״Neuen Preußischen Zeitung." Msha. W״rgb׳׳rg, 28. April. Seit vier Jahren besteht für die drei fränkischen Kreise Bayerns ein israelitischer Lchrcrverein, der sich die Ausgabe gestellt: ״die Interessen des israelitischen Lchrerstandes zu vertreten, dicnstunsähige, ordentliche Mitglieder und die Hinterbliebenen ordentlicher Mitglieder zu unterstützen, gleichzeitig auch durch gegenseitige Anregung auf Schule und Lehrer bildend cinzmvirken." Nach dem in dieser Woche erschienenen Jahresbericht besteht der Verein aus 04 ordentlichen und 135 außerordentlichen Mitgliedern, die 1000,J£ beisteuerten und eine saft eben so grose Summe au Spenden und Geschenken von Gemeinden und Vereinen bei Feierlichkeiten und verschiedenen Veranlast'nugcn im letzten Jahre cingingen. Der Vermögensstand weist eine Summe von 7223 V\L aus. Man sicht tviedcrum, was vereinte Kräfte zu leisten im Stande sind. Es wird ferner mitgerheilt, daß in der jüngsten Generalversammlung die Lcrcinssatzungcn rcvidirt und einsliimnig beschlossen wurde, daß der Verein mit Anfang 1884 über die Grenzen der ״fränkischen Kreise" heraustreten und sich ״Israelitischer Lchrcrverein für das Königreich Bayern" nennen werde. Die Genehmigung hoher König!. Negierung ist bereits eingetrosfen. Durch diejen Beschluß ist manchem Wunsche der Herren Lehrer entsprochen und der Beitritt vieler wackerer Standes- . genossen ermöglicht, welche nunmehr die Segnungen des Vereins mitgenießen können, durch Selbsthülfe für die eigene Zukunft und die der geliebten Angehörige» zu sorgen. Auch ans dem geistigen Gebiete ist der Verein nicht minder rhätig, so werden die Vereinsmitg'.ieder ersucht, sie ntöchten für die nächste Generalversatnntlung, welche am 12. August d. I. stansiudet, über die Frage: ״In welcher Weise sind die in den ureislen Gemeinden zu den Obliegenheiten der Lehrer gehörigen sabbaty-!ichen Schinr-Lorträge abznhaltcn, daß sie ans die religiöse Bildung der reiferen Jugend fruchtbar ein;»- wirken geeignet sind?" eine theoretische, sich über Form, Inhalt und brauchbare Literatur aussprechende Abhandlang ausarbeilen und zur Debatte bringen. Schließlich soll nicht unerwähnt bleiben, daß die ehrwürdigen Herren Nabbiner der verschiedenen Distrikte sich um dm Verein durch Wort und Thar viele Verdienste erworben haben. Die derzeitige Borstandschast besteht aus folgenden Herren: L. Stern, Schuldirektor, als Vorstand, N. E s ch w ege, Schriftführer, Dr. V r a 1111 s ch wcig e r, Kassircr. Die Anmeldung zum Eintritt in den Verein als ordentliches Mitglied ist bei dem Vorstände einznreichen. *|| Neuste ttiu, 22. April. Daß die Exzesse gcgen die hiesige Iudcnschaft nicht so unbedeutender Art waren, wie von gewisser Seite mit größerer Kühnheit als in genauer Uebcreinftimmnng mit der Wirklichfeit behauptet wird, erhellt auch ans dem Umstande, daß der Magistrat einen Antrag dem Stadtverordnetenkollcginm zu unterbreiten in der Lage war, nach welchem für die Vergütung der den jüdischen Eimvohuern zugefügten Beschädigungen die Summe von 750c/£ ans der Sladlkassc gezahlt werden sollte. Die Väter der Stadt glaubten in ihrer Majorität zuerst diesen Antrag ablehnen zu sollen und zwar ans der Erwägung, daß die Exzedenten zur Tragung des von ihnen angerichtcten Schadens ohne Zweifel im Wege des Gerichts neben der Slrase für die Friedensstörung augehalten werden würden. Das Mitglied des Kollegiums, Herr Di׳. Reclam, aber machte darauf aufmerksam, daß die alsdann entstehenden Prozeßkosten eventuell auch der Stadt ausgebürdet werden möchten, da die Unruhestiftcr und Zerstörer gutwillig nicht zahlen würden und auch schließlich theilwcise nicht zahlen könnten. Es würde also die Belastung des Stadtsäckels noch größer werden, als wenn jener Antrag des Magistrats zur Ausführung gelange. Dieses leuchtete denn auch ein und der zuerst abgclehntc Antrag wurde schließlich angenommen. -11 Leipzig, im April. Professor 1)1. Neklam sprich! in der Zeitschrift ״Gesundheit" über das Schächten in folgender Weise: ״Die Talmudisten waren nicht Mitglieder eines Thicrschntz-Vercins, aber sie gehörten einer Nation an, welche jedem ihrer Mitglieder die