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Jeschurun · 1884-05-01 · Heft 18 (1.5.1884) · p. 281

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 18 (1.5.1884)
Article
Der Klesmor
Date
1884-05-01
Page
281 (sequence 1)
Language
German
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M 18. Jeschnrnn. 281 Der Klesmor. Von Jcoldjah. II. Ans dcia Felsen. Rüstig schreitet durch den Morgen Zu der Stadt ein Wandrer hin; Sein Gesicht verrat!) uns Sorgen, Und sein Blick betrübten Sinn. Auf die Höh' der Pfad sich windet, — Steil hinan der Klesmor steigt — Noch das Dunkel nicht verschwindet, Nicht der nächtlich' Schleier weicht. Von dem hohen Felsen schauet Jetzt der Klesmor in die Nacht, Harret, bis der Morgen grauet, Die Natur vom Schlaj erwacht. Da — ein btutig-rothcr Streifen Zuckt empor am Horizont; Da — noch einer — Wölkchen schweifen Roscnroth vom Strahl besonnt. Glühend sich die Landschaft röthet, Schon der Flor der Nacht verschwand, — Und der Klesmor oben betet, Jndah's Schmuck an Haupt und Hand. Und voll Inbrunst sieht er leise, — Doch im Herzen schallt cs laut -- Betend nach der Väter Weise Zu dem Gott, dem er vertraut. Zu dem Schöpfer und Erhalter, Zu dem Schutzherrn Israels, Zum Befreier, zu dein Walter, Der Bedrängten starkem Fels. Da — welch' Lärm durchdringt die Stille — Mcnscheustimmcn — lauter Sang — Näher konnnt'S — Geschrei — Gebrülle — Nah schon ist der rohe Klang. Schau, da biegen um die Ecke Schwankende Gestalten — drei. Tobend schwingen sie die Stöcke, Jodelnd, jauchzend, mit Geschrei. Und von Branntwein zeugt ihr Schwanken, Auch ihr Blick ihn klar verrüth — Arm in Arm sie taumelnd wanken, Da — der Klesmor ist erspäht. ״Heda! Bruder! — Hast du Fieber? Freundchen, hör' doch! — Bist du taub? Seht, er schwankt nach vorn hinüber — Bist besoffen, wie ich glaub'. Schäku' dich, Jüngling, so zu saufen! Bleib' doch nüchtern, Kerl, wie wir — Kannst ja kaum mehr richtig schnaufen — War cs Schnaps denn oder Bier? Komm' doch her, zieh' mit uns Allen! Dann erst lernst du Mäßigkeit, — Teufel, war' beinah' gefallen — Kerl, du thust mir wirklich leid!" Doch der hört nicht, flehet eben: ״..Gott, errette du mein Kind!"" ״Bruder, sauf' nicht!" schallt's daneben, ״Merkst denn nicht, daß wir hier sind?" Da entdecken sie die Flöte — ״Ha! wie wir, ein Musikant! Juchhe, Bruder! — dumme Kröte, Komm' und reiche uns die Hand!" Das Gebet hat er beendet, Leget die Tephillin ab, Dann sich zu den Burschen wendet: ״״Geht ihr auch zur Stadt hinab?"" ״Er ist nüchtern! — Bist vernünftig? Bruder, komm, gieb' mir den Arm! Sanft nicht so viel mehr künftig. Sonst wird wieder dir so warm. Sag' einnial, was macht'st du, Bester?" ״״Hab' gebetet."" ״Wie? — Wo? — Was? Schaut mir doch die Kirchenschwester, Schäme dich — solch' dummer Spaß! Bess're dich — na, Jung, erst sauft, Komm dann mit als viertes Blatt, Vorwärts! so — so geht'S — nicht laufe — Juchhe! jetzt hinab zur Stadt!" Kimchoildcirzcil nnd Nachrichten. Deutschland. -a- Berlin, 29. April. Unsere theure Freundin, die ״Neue Preußische Zeitung", welche in ihrer wahr-! Haft rührenden Zuneigung für die Menschenfamilie,! welcher auch der Mann angehörte, den sie als Heiland j verehrt, nicht genug zu thun weiß, um der Liebe und; Sorge stets und in jeglicher Weise einen Ausdruck zu! verleihen, hat sich die Mühe nicht verdrießen lassen,! schon seit längeren Monaten in London einen Korrcl spondenten anzustellen, welcher unter dem 6״."-Zeichen j sich der englischen Juden in kreuzzeitungslicher Zärtlich- , (eit annimmt. Es ist natürlich, daß er im hohen! Grade darüber erfreut ist, in dem verstorbenen Premier-

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