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Jeschurun · 1884-04-24 · Heft 16-17 (24.4.1884) · p. 270

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 16-17 (24.4.1884)
Article
Rußland : Warschau [Nachricht]
Date
1884-04-24
Page
270 (sequence 2)
Language
German
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270 diesem Umstande zu Grunde liegen. Dazu komnrt.! daß unter den ihrer Dienstpflicht genügenden Inden fast ausschließlich die allcrärmstcn Mitglieder dieser Rasse vertreten sind. Wo bleiben die Söhne der reichen jüdischen Handels- und Finauzwclt? Aber nicht nur wegen der jüdischen Militärpflichtigen verdienen die Vorgänge bei der NckrulcnauShcbung die! größte Aufmerksamkeit, sondern auch wegen der sonstigen dienstpflichtigen Jugend Rußland zieht im Verhältuiß! zu seiner Bevölkerung eine so geringe jährliche Rekrutenguotc ein, daß mau cmnchmcn müßte, dieselbe könne! nur auS den allergcsündesten und kräsrigsten jungen Leuten bestehen. Das ist aber durchaus nicht der i Fall. Todesfälle sowohl, wie Entlassungen wegen ' Körperschwäche und chronischer Krankheiten sind unter j den Rekruten der Garde, die doch bekanntlich besonders; ausgesucht werden, ebenso!häufig wie in der Armee,! und wenn mau die Ntckruten aus dem Innern hier! auf den Bahnhöfen eintreffcu sicht, die vielen blassen,! tnagercn, schtualschnllrigen und engbrüstigen Gestalten! sieht, so fragt man sich unwillkürlich, ob cS denn nicht möglich sei, in den! weiten Rußland ausschließlich kräftige und wohlgenährte junge Leute auSznhcbcn. Wohlhabende Rekruten sind, selbst unter denen, welchen ihre wissenlschafitiche Bildung das Recht auf kürzere Dienstzeit verleiht, eine Seltenheit. Wer weiß, ob nicht einschlägige Untersuchungen, auch in anderen Militärbezirken, dasselbe Resultat ergeben würden, wie im Warschauer Militärbezirk. — Wie dasselbe Blatt meldet, erledigte die Juden Kommission einen Thcil ihres ProgramtucS, nämlich die Sammlung und Sichtung aller in Groß-Nnßland, Klein Rußland und Littancn erlassenen Gesetze über die Inden aus dcut siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert. Nunmehr werden die modernen Gesetzbcstimmungen Rußlands und der übrigen Länder Europas zusammengestellt werden Den dritten Theil des Programms bilden dann die Beleuchtung und Begutachtung des gesaminten Materials und die Motivirnng der anzucmpfehlcnden Maßregeln. E. Ep. Jekatcriuoslaw, 8. April. Von den Tumultuanten, welche sich im vorigen Jahre an den Inden-Exzessen bethciligtcn,- wurden neun Bauern cinS dem Dorfe KarabinowSka (Kreis NowomoSkowsk) wegen Widerstandes gegen die Amtsgewalt dem Ge schworenen-Gcrichtc übergeben. In nächster Zeit wird die Urtheilssprechung erfolgen. Also nicht deshalb, weil sie die Inden mißhandelten, bestraft man sic, sondern weil sic sich der Obrigkeit widersctzteu. Künftighin wird der ״Mujchik" nicht mehr den Beamten trotzen — aber die Juden ungestraft todtschlagcn! Sic werden sich ein paar Tage ruhig halten, einen Tag wieder loSziehcn, dann wieder dem Befehl gehorchen und so abwechselnd weiter. So wird das Programm der Exzcdcutcn lauten. Palästina. * Der ״Berl. VolkSztg." entnehmen wir folgende Notiz: ״In St. Petersburg erstattete in der letzten Sitzung der orthodoxen Palästina-Gesellschaft -Herr Ehitrowo einen interessanten Bericht über die AuSgrabungcn aus dem der russischen Negierung seit 1858 gehöreudeii Bauplatz in Jerusalem. Auf Initiative des Großfürsten Sjcrgei, welcher der erwähnten Gesellschaft präsidirt wurden im Jahre 1881 die dortigen Ausgrabnugcn begonnen, die bald glänzende Resultate ergaben. Gegenwärtig ist der ganze Platz (200 Quadratfaden) genau untersucht. Die gefundenen Alterthümer tragen theilS den Karaktcr altjüdischcr Kunst, theils! gehören sic der römischen Kaiscrzeit an. Besonderes! Interesse beansprucht eine al!jüdische 'Wand und Ucber-; vefte von Bauten Konstantins dcö Großen, welche zum! Tempel der Auferstehung gehörten, von!dem ver-! schiedene Forscher Pläne entworfen haben. Der im! vergangenen Jahre von K. Schick entworfene Plan! weicht von dicscn bedeutend ab, da er auch die Ergeb-! nissc der russischen Ausgrabungen berücksichtigt, die zum : ersten Male die Möglichkeit gaben, ein Bild der Pro-! pylüen des Tempels zu entwerfen. Dieser Ban wurde! im Jahre 333 ansgcsührt und 614 zerstört."! Amerika. * §§ Neiv-Vork, 23. März. Von den Thorheitcn,; welche amerikanische Nabbinen sich erlauben dürfen,; wird man schwerlich in der ahen Welt sich eine Vor-! stellnng machen können. ES hat vielleicht für Ihre! Leser ein Interesse, eine kleine Probe davon kennen zu; lernen. Vor mehreren Jahren kam ein junger Mann : anS Deutschland, wenn ich nicht irre. auS der Provinz! -Hannover, nach. Nochestcr (New-Iork) als Rabbiner. Er heißt Dr. Max Landsberg und soll das Breslauer Rabbiiierseminar allerdings besticht haben, aber ohne! ein Zengniß seiner Befähigung für das Rabbincramt! entlassen worden sein. Nachdem er sich in der englischen j Sprache eine ziemliche Fertigkeit erworben, hat er ein! neues Gebetbuch für seine Gemeinde in dieser Sprache; verfaßt und das hebräische gänzlich aus dein Gottes-! dicnste verbannt. Außerdem zählt er mit zu den j PrüsniigSkonmnssären der famosen Nabbincrschnle in! Eincinnati, deren erste Entlassungsfeier bekanntlich niit ' einem solennen trefenen Mahle begangen wurde. Eine hicrländischc jüdische Zeitung nannte kürzlich dicscn ■ Rabbi von Nochester von höchst zweifelhaften Kennt- ׳ nissen einen der bedcntcndstcn Rabbiner der Gegenwart.; Diese Auszeichnung ist ohne Zweisel dem Reverend j selbst höchst sonderbar vorgckommcn, und er hat sich

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