Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 16-17 (24.4.1884)
- Article
- Österreich-Ungarn : Krakau, 16. April [Nachricht]
- Date
- 1884-04-24
- Page
- 268 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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268 Kennt!! iß. verhaftete die jugendlichen Mörder und! lieferte sic den! Gerichte ein.! W. Prag, 20. April. Der ״Jeschurnn" (viele j Nr. 11) berichtet, Dr. Rohling Hobe seine Resignation auf z die Professur an der hiesigen theologischen Fakultät j cingedracht und einen Ruf an die theologische Fakultät : in Münster erhalten. DaS letztere, auch ^fast von ׳. allen hierländischcn Blättern seinerzeit gebracht, wird! vom ״Wests. NUnknr" demcntirt. Das Dementi mag wohl seine Richtigkeit haben, zumal man erwägt, daß; Dr. Rohling schon einmal als Professor an der alnia. |!natvr zu Munster fungirr hatte. Wie dem auch immer sei, im österreichischen Unterrichtsministerium weiß man, einen! Wiener Telegramm zu Folge, von einer Zurücknahme, wie!!tauche hiesige Blätter wollen, der cingebrachtcn Resignation seitens des Dr. Rohling leine Silbe. Wie könnte auch der Herr Professor anders thun — sollte er nicht von seinen Leibknappen, Stöcker, Henrici, Jstoczy und Bcrhavay^ciner Unthäligfeit geziehen werden, — als seine Abdankung aufrecht zu halten, um auch anderen Landern die Denationalisirnng des jüdischen Stammes predigen zu können. Denn hier zu Laude keinit schon, dank seinem unverdrossene!! Fleiße, seine ausgcstrentc Saat, mag man sie nur iulmcr in den höheren Kreisen und Schichten belächeln, gar üppig. — Ans $0 1110tan wird berichtet: Wie bekannt sein dürfte, ist die Schwester des wegen des großen Zigarrendiebstahls bei Herrn Keller verhafteten Kommis seit dessen Gcsangennahine spurlos verschwunden und daher der Mitschuld dringend verdächtig. Zum nicht geringen Erstaunen der friedlichen Komentaucr verbreitete sich nun vorgestern die Nachricht, daß der Schwager des verschwundenen Mädchens bei der k. f. Staatsanwaltschaft in B r ü x ernstlich die Strafanzeige e!stattete, die verschwundene Verkäuferin sei entweder einem rituellen Morde zum Opfer gefallen, oder werde in Absicht eines solchen noch gefangen gehalten. Nun freue Dich und frohlocke, großer Rohling, Dein Werk ist vollbracht, nicht umsonst hast Du hier gearbeitet, Du kannst ruhig Deines Weges ziehen. Der hohen Negierung möchten!vir aber rathen, nicht mit vcrschränkten Armen solchen Kleinigkeiten gegenüber zu stehen, will sie die Reputation der Wenzelskrone auch fernerhin wahren. Italien. 40- Nom, im April. Durch den Kulturkampf sind bekanntlich der katholischen Kirche!nieder Anhänger zugeführt, welche sich derselben abgewandt hatten; u!an hätte meinen sollen, daß Achuliches auch bei dem Kampfe, welcher bei Ihnen in Mitteleuropa gegen die Juden entbrannt ist, der Fall wäre, daß Biele, welche sich dem Judcnthnme entfremdet hätten, demselben sich wieder, fest anschlössen aus Zusammengehörigkeitsgefühl, denn extfTnus timor summum coiieonliae vincnlum est -- es scheint aber gerade umgekehrt zu sein. Dieses beweist ein Fall, welcher in den hiesigen katholischen Kreisen viel freudige Erregung verursacht. In der deutschen Nationalkirche bell’ Reima in Rom fand nämlich die Taufe des Wiener Rentiers M. Adler und Frau statt, den Schwiegereltern eines Sektionsrathes in! österreichischen Ministerium des Innern. Mit dem größten Pompe wurde die Taufe vollzogen. Die Täuflinge empfingen sofort doS Abendmahl und spendeten den römischen Kirchen reiche Geldgeschenke. — Ob sic wohl aus Ueberzcugnng sich bekehrt Haber!'? (?) Jedenfalls wirft dieser Fall ein grelles Streiflicht auf die Anschauungen ״gewisser" jüdischer Kreise. England. London, 18. April. Am Mittwoch, den ll. d. Mts.. Abends — also am 1. Seder-Abend — fand in der Synagoge Old Castle Street, Whitechapel, eine Gasexplosion statt. Glücklicherweise befand sich zu derselben Zeit Niemand mehr im Gebäude, da der Gottesdienst einige Minuten vorher beendet war. Der Almemor und die Borstehersitze wurden zertrümmert. Das Oberlichtfenster wurde zersplittert und der Fußhoben völlig ansgcrissen. Die Trümmer wurden weit songeschlcndcrt. Merkwürdigerweise blieben die מנורה über dem ארון הקודש, sowie sämmtliche ספרים nuverletzt. Die Synagoge war unglücklicherweise nicht versichert. * Der ״Hannov.Kourier" meldet: ״In Liminerick (Irland) gab es am Sonntag Abcnd eine Juden- Hetze. Der Pöbel stürmte einige der von Inden bcwohnten Häuser und steinigte die Einwohner, als diese die Flucht ergriffen. Ein Kind ist schwer verletzt. Der Polizei gelang es, die Ruhe wieder hcrznstcllcn und mehrere Exzedenten zu verhaften." Ein Opfer will jeder haben. Die Engländer prügeln die Irländer und diese lassen ihre Wuth an den Juden ans. So geht die Stufenleiter, ״denn ich bin groß und du bist klein." R ußlaud. * Petersburg, l 8. April. Der ״Times" wird von ihrem Berichterstatter ans Petersburg mitgctheilt: Dr. Harkavy, von der kaiserlichen Bibliothek zu PeterSbürg, zeigte mir Pergamentrollen, mehr als 40 an der Zahl, welche Fragmente deS Alten Testaments enthalten und zu deren Untersuchung er ausgcfordert worden ist. Das Pergament erscheint sehr beschädigt und entstellt, und die Schrift ist dadurch stellemveisc ganz unleserlich gemacht, wenn nicht irgend ein RestaurirungS-Prozeß angewende׳ wird. Bor einer eingehenden Untersuchung des Inhalts der Rollen lehnte es Dr. Harkavy ab,