Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 16-17 (24.4.1884)
- Article
- Deutschland : Elberfeld [Nachricht]
- Date
- 1884-04-24
- Page
- 265 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M 16 n 17. Jeschnrnn. ' 265 Korrcspoildeilzcn uiib Nachrichtcil. Deuts chland. -r- (Elberfeld, im Avril. Oleftattcu Sic, geehrter Herr Redakteur, folgender Geschichte, welche, wie der ״Elberf. Ztg." berichtet wird, bei den letzten Ans- Hebungen sich ereignete, einen kleinen Raum, wenn sic vielleicht auch nicht ganz in den ״Jeschnrnn" paßt. Wenn sie sich auch vielleicht wirknch nicht ganz so zngetragen hat, so ist sic für Ihre vCfcr doch immerhin amüsant: ״Dem Vorsitzenden General war es anfgc׳ fallen, daß beinahe sämmtlichc Israeliten nntatiglich erklärt winden. Eben trat wieder ein Gestcllnngspflichtiger dieser Religion unter die Mcßmaschinc, im G׳׳sühle — nicht seiner Größe, sondern gerade seiner Kleinheit, im voraus vergnügt schmunzelnd. Der General, welchem dieses Triumphlächeln nicht entgangen war, flüsterte dem Beisitzendcn zu: ״Dem Herrchen wollen tvir cinnial einen gehörigen Schrecken cinjagen." — Nichtig, so kam es. Der messende Unteroffizier meldete das Maß. ״Also für die Armee zu klein," sagte ruhig der General. ״Notircn Sie den Mann zu dem Tancherbataillon." — ״Zn Befehl, Herr General," erwiderte der Beisitzcnde. ״Zweites Pioniertancherbataillou in Wilhelmshasen." — ״Was befehlen der Herr General? Entschuldigen Sic, ich habe nicht gut verstanden!" — ״Sie kommen zum Taucherbataillon nach Wilhelnishafen. Dort genirt Ihre zu klein gerathene Körperoeschasfenheit nicht," klärte ihn der General ans. — ״Tancherbataillon? Was ist das? Was habe ich da zu thnn, Herr General?" — — ״Nun, das sagt Ihnen doch schon der Name! zu tanchen!" — ״Aber ich kann nicht cinnial schwimmen, Herr General! Ich habe nie das Wasser vertragen können." — ״Werden Sie schon lernen." — ״Aber tauchen, Herr General. Gott, mir wird schon schlecht, wenn ich daran denke!" — ״So machen Sie, daß Sie in die freie Luft konimen. Der Nächste vor!" — ״Karl Schulze. 1 m 83 cm," meldete der Unteroffizier, der sich kaum das Lachen verbeißen konnte. — Der arme ״Taucher" verließ unterdes; laut klagend ״das Lokal" und wird sich wohl erst wieder beruhigt haben, nachdem er erfahren hatte, daß das Taucherbataillon einstweilen noch nicht cpistirt." Sollte diese ganze Geschichte nicht vielleicht nur zu dem Zwecke erfunden sein, um die Israeliten wegen ihrer angeblichen Schwächlichkeit rc. lächerlich zu machen? Es dürfte unter vielem Anderen denn doch auch ganz besonders unwahrscheinlich sein, daß beinahe sämmtliche Israeliten für untauglich erklärt wurden. 11p. Kaiserslautern, 18. April. Eine aufregende Szene, welche sich am zweiten Pcßachtage während des Mincha-Gottcsdicnstcs in der Synagoge zu Wencrswcilcr absviclte, bewegte noch hellte die Gemüther. Ein Geisteskranker, Namen- Blum, feuerte nämlich mehrere Revolverschlisse ab, wodurch drei der Anwesenden schwer verwundet wurden. Frankfurt a. M., im April. Zn den herrlichsten Schöpfungen, welcher sich unsere Zeit zu erfreuen hat. zählen sicherlich die Untcrrichlsanstalten der hiesigen israelitischen Religionsgescllschaft. Wie der zukünftige Schreiber der inneren jüdischen Geschichte in dem Erstehen dieser Gemeinde einen bedeutsamen Wende- Punkt in derselben zu rcgistrircn haben wird, ebenso wird er in der Errichtung der Schulen das wirksamste Mittel für die Sicherung des erhabenen Prinzips erkennen, auf welchen jene basirt. Die Untevrichtsaustaltcn sind die reife Frucht und die fruchtbringende Saat des in der Neligionsgcsellschaft lebenden Geistes. Dieser Geist aber ist kein anderer, als der Lcbensodem des Iudenthums, als der Geist, welcher in dem großen Manne den mächtigen Verkünder hat, dem die Gemeinde und die Schulen ihr Entstehen verdanken. Ein Rechenschaftsberichts dieser Uuterrichtsstätteu ist deshalb immer von großer Bedeutung und zwar um so mehr, als das Beispiel Frankfurts in weiten Kreisen maßgebend ist und bereits au vielen Orten Nachahmung gefunden. Der jüngsten Einladnngsschrift zu den diesjährigen öffentlichen Prüfungen entnehmen wir folgende Einzelheiten. Die Anstalten zerfallen in drei Schulen: eine dreiklassige Vorschule, eine Realschule von sieben Klassen und eine höhere Töchterschule, welche neun Klassen unifaßt. Die Vorschule zählt!)1 Schüler, die Realschule 189 Schüler, die höhere Töchterschule 213 Schüleriuncn, welche von 20 Lehrern und 5 Lehrerinnen unterrichtet werden. Außer den allgemeinen Bildungselementen, in welcher! die Schulen den anderen deutschen Anstalten vollkommen ebenbürtig sind, wird die jüdischc Wissenschaft in einem Grade gepflegt, daß die Knaben bis zum selbstständigen Erfassen des Talmud ..nt Kommeularen (Naschi, Tosaphot, Rasch) gebracht, die Mädchen aber gleich den Knaben in den Stand gesetzt werden, die Bücher der Propheten und Hagiographen nicht nur in der Ursprache zu verstehen, sondern auch deren Inhalt zu erfassen. -- Wie diese Schulen aus der opferfreudigsten und opferwilligsten Begeisterung der Gemcindemitglieder hervorgegaugen sind und erhalten werden, also mögen sie in ihrem Wirken vom Segen Gottes allezeit begleitet werden, damit sie eine Pflanzstatte bleiben für den echten jüdischen Geist, der, mit der allgemeinen Bildung vermählt, den alten Sehersprach verwirkliche: יפת אלוד׳ ליפת וישנן באהלי שם. * Meiseuhcim, 14. April. Die ״Saar- und Mosel-Ztg." berichtet: ״Heute Morgen bemächtigte sich der Einwohner unseres Städtchens eine kleine Auf-