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Jeschurun · 1884-04-24 · Heft 16-17 (24.4.1884) · p. 262

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 16-17 (24.4.1884)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn
Date
1884-04-24
Page
262 (sequence 2)
Language
German
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262 Die autonome orthodoxe jüdische Gemeinde zu! Pest hat vor mehreren Jahren dem seither leider j Heimgegangenen Cberrabbincr aus Krakau das Nabbiuat '! in ihrer Mitte angeboren, in der Absicht und Er- : Wartung, mit ihm ein ״tfanbrabbinat" zu inauguriren. : Der Verewigte hatte allerdings edle Tugenden von jcinctn großen Vater geerbt und hätte zwciselsohnc den Posten zum Heile und Wöhle der ungarisch-jüdischen Orthodoxie ausgcfüllt —; in ihm war die Eignung zu diesem hohen Berufe vollkommen vorhanden, aber ihm fehlte etwa das, was die minder oder gar nicht Geeigneten im vollen Maße besitzen, nämlich: der ׳Wille, in Ungarn als Laudrabbiucr ztt fungiren. — Er hat dem ehrenden Rufe keine Folge gegeben, und seither j wird die Berührung dieses Punktes ängstlich gemieden. Fazit: Wir stimmen mit Ihrem Pcster Di׳. W.־ Korrespondenten vollkommen überein, daß diese Frage noch lange nicht spruchreif sein wird, — erst müssen .הרכסים לבקעד die vielen Krümmungen zur Ebene werden, dann erst kann man daran gehen, diese Frage zu ventilircn. Der königlich ungarische ״Landrabbiner" müßte die seltenen Eigenschaften besitzen, allen Parteien, den Ehassidim, orthodoxen, konservativen, Fortscbrittlern, Ncsormcrn und Reologcu zu genügen, der für die Orthodoxen allein zu bestellende?andrabbincr müßte cs sich zur Lebensaufgabe machen לקרב את המרוחקים ולהשוות המחלוקות, es will uns aber schier bedünken, daß ein solcher Mann erst geboren werden müßte. Zur Abstellung und Beseitigung des mit Recht gerügten Unfuges bei Ertheilung von Rabbiner - Befähiguugszcngnisscn sollten allerdings schnellstens die energischsten Maßregeln getroffen werden, und wollen wir :ul voemn die Aufmerksamkeit auf einen Beschluß der Pakser Nabbiner-Bcrsammlnng im Jahre 1844 lenken. — Der Rabbiner Feiwel Horowitz ans Papa, dem das Präsidium angetragen wurde, und der eigent-!ich derjenige war, der die Rabbiner-Versammlung einbernfen hatte, erösfnetc die Sitzung am 2l. August 1844 mit folgender Ansprache: ״Der tiefste Schmer; müsse den wahren Sohn Israels ergreifen, sieht er nach allen Gegenden der Erde hin die Sünde immer tiefere Wurzel schlagen; schon ist leider der הלול שבת eine ganz gewöhnliche Sache geworden n. s. w. Daher müssen sämmtliche Lehrer Israels wie Helden die Lenden gürten, um zu kämpfen den Kampf des Herrn 11. s. w. Man erwähle zwölf Männer aus der Mitte der größten Gelehrten Israels, und ihrer Weisheit vertraue man, und ihnen allein sei das Recht, Rabbinerbefähigungszeugnisse zu ertheilen, eingeräumt. Zn diesem Behufe haben wir uns hier c-ingefunden, dainit wir unter einander unter Gottes Schutz und Hülfe berathen, wie man die heilsame Unternehmung recht bald in's Leben ein führe." Der Antrag wurde mit Akklamation angenommen, nur der Rabbiner Schwab mit einer kleinen Fraktion stemmten sich dagegen und vereitelten die Nealisirung. Wenn aber die heutige Orthodoxie an diesem sehr zwecklichen Beschlüsse fcsthalten wollte, hätte sie von keiner Seite Widerstand zu befürchten, — die KongresUcr und Konsorten hätten uns nichts drein zu reden — und viele liebet könnten beseitigt werden. — Aber zwölf der größten אתים" wählen, wo sich jeder Einzelne für den größten גאון hält, das und nur das ist die Klippe, an der so vieles scheitert!! Dm! David Kalker. Bon Anstalt Ämon. Alle Rechrc t1orl'0!:nlun. (Forlsctzimg.) David traute seinem Gehöre nicht, als er diese Auseinandersetzung vernahm. Wie? Die Tanaim hätten die Thora willkürlich interprctirt und dic Amoraim die von jenen tradirtcn Halachoth? Und aufgehoben könnte Alles werden, was im Volke nicht mehr lebendig ist? Demnach wäre doch das Iudenthnm einem nuaufhörlichen Wechsel unterworfen, und es hinge von dem Volke ab, was es von den Gesetzen desselben noch zu beachten Willens sei? Ihm war bis jetzt etwas ganz Anderes gelehrt worden und aus den Büchern des Talmud und der späteren Gesetzeslehrer hatte er eine ganz anderslautende Doktrin entnommen: Die Tana im wären die Träger der von Gott dem Moses geosfenbarten mündlichen Lehre und die Amoraim die Schüler derselben. Auf Grund dieser göttlichen Lehre wären die aus die Verhältnisse des Lebens sich beziehenden Entscheidungen getroffen, außerdem aber noch Verordnnngen im Geiste des sinaitischcn Gesetzes und zum Schutze für dessen Uebertretnng. Für diese letzteren gelte der Satz, daß sie nur dann unverbrüchliche Verpflichtnngskrast besäßen, wenn sie vom Volke äugenommen, daun aber wären sie ebensowenig aufzuhebcn, wie das göttliche Gesetz, cs sei denn, daß ein au Zahl und Wissen dem verordnenden Kollegium überlegenes Beth-Din unter gewissen Voraussetzungen es beschließe. Burgwald bemerkte das Erstaunen seines Schülers und fuhr deshalb fort: ״Ich behalte mir vor, dic Äegrundung für das eben Ausgesprochene später zu geben. Wir müssen dazu eingehendere Studien bereits gemacht haben. Ich weiß sehr wohl, daß Ihnen, lieber Haller, manches höchst ausfällig erscheinen muß, weil cs mit den gewohnten Lehren und Anschauungen im Widersprach steht. Bescheiden Sic sich aber, Ihnen werden

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