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Jeschurun · 1884-04-24 · Heft 16-17 (24.4.1884) · p. 257

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 16-17 (24.4.1884)
Article
Der Klesmor
Date
1884-04-24
Page
257 (sequence 1)
Language
German
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Jeschirr,rrr. M* 16 11.17. 257 Jer Kkesmor.I Von Jedidjah. I. Der Abschied. Noch l)i't(lct der Schleier der finsteren Nacht Die Erde in Nutze und Schweifen, Noch funkeln die Sterne in goldener Pracht, Noch ist die Natur nicht vom Schlummer erwacht, Noch will sich der Morgen nicht;eigen. Ermattet vom Tagewerk ruhet die Welt, Vergessend der Mühsal bcä Lebens, Umfangen die Menschen der Schlnmnicrgott hält — Als Lohn ihrer Arbeit, die Tags sie bestellt, Als Lohn ihres mühvollen Strebens. — Doch schimmert ein Licht in der äußersten Hütt' Des Dorfes in friedlicher Helle, Man Hörer den leisen, behutsamen Schritt, Wie stille ein Mann ans dem Hanse dort tritt — Doch bleibet er stehn ans der Schwelle. Er schauet nach Osten — cs zeigt sich noch nicht DeS Morgcnroths liebliches Schimmern, ES strahlt noch die Sichel im silbernen Licht — Der Mann tritt zurück jetzt mit trübem Gesicht — AN an hör! in dem Hause ein Wimmern. Es wälzt in des Fiebers verzehrender Glnth Sein Kind sich ans ärmlichem Pfühle — Es schlich wie die Natter in gistiger Wuth Die Krankheit, verlangend begierig sein Blut — Es gnälcn's der Schmerzen so viele. Doch rafft er sich auf, denn cS dränget die Zeit, Der Pflicht seines Amts zu genügen -- Als Klcsmor zum Tanze zu spielen bereit — Er muß für die morgige Hochzeit noch heut' Zur Stadt auf den Weg sich verfügen. Er greift die Tcphillin vom Nagel herab. Er steckt in den Nock seine Flöte, Er nimmt in die Hand seinen wuchtigen Stab — . Und schreitet' zum Bette, wo leidend sein Knab' Erglühet in fiebernder Nöthe, — Umschlinget die Gattin, die jammert und weint, Er redet mit tröstendem Worte: ״Bald sind mit einander wir wieder vereint, Gott Hilst uns in Noth, denn er ist unser Freund, Er führet mich sicher zum Orte. Siehst dort du den Stern au des Himmels Gczclt Mit strahlendem, heiterem Blicke? Gott Israels, Herrscher der Menschen, der Welt, Du hast ihn zum Frieden, zum Tröste bestellt, Er leuchtet zur Hoffnung, znm Glücke! Mein thcucrcs Weib, sein strahlender Schein Sei Zeichen der Heilung vom Leiden — Es werd' unsre Hütte von Krankheit, von Pein, Wie droben sein Glänzen so hell und so rein, Er strahle zum Segen uns Beiden. Doch, nun lebe wohl, find' Trost in dem Wort, Es wird unser Kind noch gesunden!" Ein Kuß — dann hinaus aus dem häuslichen Ort, — Er eilt auf die Straße zum Städtchen jetzt fort — — Und ist in dem Danke! verschwunden. — Es steht vor dem Bett eine bleiche Gestalt, Besorget, mit ängstlichem Blicke, Es hat sic gcbenget des Schmerzens Gewalt, Und leise, nur leise das Klagcwort hallt — — Da kehret ihr Gatte zurücke. ״Ich muß nun von dannen, lass scheiden uns jetzt, Es ist schon die Stunde gekommen!" Sie eilt ihm entgegen, die Wangen benetzt Mit Thräncn des Schmerzes, in den sie versetzt Die Worte, so eben vernommen. Sie führt ihn znm Kinde, er faßt dessen Hand Und beuget sich über das Bette, Er küßl's ans die Stirne — dann seitwärts gewandt Verbirgt er die Thränc, die rinnt in den Sand — An schmerzlicher, trauriger Stätte. nd bcbcmef״ בלי ET!״ Meömor" ist forrinnpirt aus. ו* ".Musüaitt״ nt dein jüdisch-de'.tlschell Idiom! Mm MmillicSlreliMgrn in AGmd. | Außer der Krisis, in welcher sich die politischen j und bürgerlichen Verhältnisse unserer russischen Brüder; befinden, vollzieht sich auch in dein inneren Leben der! zahlreichen jüdischen Bevölkerung des großen Zarenj rcichs ein Kamps gegensätzlicher Anschauungen, der nicht! minder bedeutungsvoll für die Zukunft der russischen j Juden ist. Wie wir eine glückliche und heilbringende - Lösung der politischen Jndcnfragc in Rußland aus : tiefstem Herzen von dem allmächtigen Lenker des Menschen-; gcschicks erflehen, also richten sich unsere innigen Wünsche! ans den Sieg der Wahrheit über den Irrthnm, um > welchen innerhalb der ritssischcn Iudcnheit gerungen wird. In Betreff des crstcrcn vermögen die Inden! selbst nichts zu thnn; die Entscheidung über ihr irdij schcs Wohl und Weh ruht nicht in ihrer Hand; sie j können nur ihr heißes Gebet zu Gott emporscnden, daß

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