Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 15-16 (9.4.1884)
- Article
- Federzeichnungen
- Date
- 1884-04-09
- Page
- 247 (sequence 2)
- Language
- German
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247 erweckt, muß er zum Lohn dem Vicrmcerc, daS sich in seinem Magen befindet, oder, sagen wir besser, bc fand, einen neuen Zufluß geben, er muß ״in die Kanne steigen." Ans das von stammelnder Zunge gegebene Koiiimaiido ,,eins!" setzt er daS Glas an — ״zwei!" — ״drei!" 0 weh! er hat den edlen Gerstensaft, ob aus Ekel, ob im Taumel deS schon genossenen — unter den Tisch geschüttet! Erschöpft sinkt er zurück, und — ich traue meinen Angen kauin — da leuchtet mir ja ein scmitischeS Profil entgegen! — O Gott, und heute ist Peßach! So sehr hast du schon vergessen, du noch frisches Reis ded jüdischen Stammes, des Tagc-S, dem dein Volk seilte Freiheit verdankt, so — doch, welcher Lärm erhebt sich? ״Hinaus mit dem Schwächling, er kann das Bier nicht riechen; schmeißt den Indenjnngen hinaus!" Dem Worte folgt die That! Bon rohen Fäusten wird er gepackt — noch lallt er: ״Ich — for—derc — SatiS— laßt mich loS, verfluchte Bande — SatiS—sa—faktion!" — Da liegt er auf der Straße! Horch! es nahen Schritte — ein Mann geht vorüber — er stößt von ttngefähr an den Zusanunengesunkenen mit bem Fuße — dieser richtet sich mühsam halb auf -- der Mann hilft ihm, führt ihn zum tiächstcn Brunnen, — denn er hat den Zustand seines ״Steines des AnstoßeS" erkannt — da — ein Strahl kalten Wassers — noch einer — ah, das scheint zu nützen. - ״Lehnen Sie ntich an jenes HanS, und — gehen — Sie — ich — danke!" — Da ist er allein. - Doch horch! welch' sanfter Gesang ertönt anS dem -Fenster, unter welchem er steht? Mit Mühe richtet er sich gerade — er blickt hinein! Hell erleuchtet ist daS Zimmer, blendend weißes Leinen deckt den Tisch — der Bersammelten Antlitz, wie feierlich ist cS, und doch so heiter und glückstrahlend! Da — bekannte Laute scheinen an sein Ohr zu tönen — er zuckt zusammen — er bebt — Blässe überzieht sein Gesicht — sein noch etwas wüstes Hirn sucht nach dcnt Orte, der Zeit, wo und wann er diese Worte gehört — im Vater- Hause! Fa! weißt du noch, du Unglücklicher, wie du als kleiner Knabe fragtest: ״Wodurch ist ausgezeichnet diese flacht vor allen anderen Nächten?" Glaubst du nicht jetzt die Stimme deines schon im Grabe ruhenden Vaters zu hören, die sanfte Stimme deiner nur allzu früh dahingeschiedcnen Mutter: ״DaS ist daS Brot des Elends, daS unsere Väter in Mizraim gegessen haben, jeder, der hungrig ist, komme und esse mir uns, jeder, der bedürftig ist, komme und feiere mit uns daS Pcßachsest!" Das Peßachfest! Kehrt jetzt die Erinnerung dir zurück. Wie, du weinst'? Ja, weine nur, mögen die Thronen die eisige Rinde deines Herzens schmelzen; wisse, daß du ein Jude bist; komme und feiere das Peßachfest mit, komm' — hörst du nicht drinnen den Ruf! er lädt dich ein — folge ihm! — Du erhebst dich — die tiefe Erschütterung hat dich nüchtern gemacht — du össnest die Thür. — ״Ja, mich hungert, ich habe das Gotteswort entbehrt, laßt mich kommen, mit euch das Peßachfest zu feiern!" — Freue dich, Jndah, ein Verirrter ist wieder zu dir zurückgekchrl! Den rechten Pfad hat er gefunden in der Peßachnacht. Aufruf! 3)n6 uutcr^eid)ucic Re11tra(*$i01:1it(i des Vereins ״Esra" Samitielbüchsc für Palästina, welcher am 2N. 3011uar d. I. i« Berlin in da<5 Leben getreten iß, beabsichtig-, die Sammlung non (Geldern zu unternehmen, die der .Moiomfatioii und besonders der Bekälnpsnng der englischen MissionSbestrebnngcn in Palästina zn gute kommen sollen. DaS Zentral-.üvmit,': wendet sich an alle für das Elend der unterdrückten Juden warm fühlenden jüdischen Männer und Frauen mit der Bitte, überall Sammelbüchsen zu begründen, welche in Verbindung mit dem Zentral-Komittz daS erstrebte Ziel zu erreiä en suchen. Es kau» dies mit den geringsten Opfern für den Einzelnen geschehen. Es können überall Sammelbnchsen errichtet werden, welche pfennigweise ,;!!sammentragen^ es braucht ja nur des den regelmäßigen Vergnügungen, bei SknkmbS, Gesellschaften, Nessoureen, Bällen re. an das Sammeln gedacht zu werden. Es erscheint uns, trotz des tiefen Ernstes der Sache, am geeignetsten, daS Sammeln selbst zu einer Art von Vergnügen zu gestalten, was des Näheren in nuferer Büchscnordnnng dargelegt ist, welche wir Jedermann bereitwilligst zur Verfügung stellen. Wer ein Minjan Mitglieder zusammenbringt, konstitnirt eine Sammelbüchse und erwirb: mit dem silbernen Mögen David den Ehrentitel ״Bnchsengabbe". Wer zehn Minjanim f 1>nj'titnirt wird mit dem Erwerb des goldenen Mögen Dowid ״Obe r- B ü ch sc ng a b b e״. Eo muß jeden Israeliten mit tiefem Schmerz erfüllen, die mit unendlichen Mitteln arbeitende englische MissionS-Gesellschast unter den dem materiellen Elend erliegenden jüdischen Bewohnern des heiligen Landes täglich neue Opfer gewinnen zu sehen, und Niemand, dessen Her; an der Geschichte seines Volkes hängt, tvird sich unserer Bitte entziehen und zu unseren Bestrebungen, sein Scherslein beizntragen sich weigern, sei es auch noch so gering. Staunen und alles Wissenswertste werden von den Unterzeichneten gern mirgeiheilt, und tvir hoffen, daß eine recht zahlreiche Berhciligung an unserem Sainmel-Untcrnchmcn uns ersprießliche Ziele erreichen lassen wird. Berlin, im März 1884. Das ZeiiLral-Kvmit6 des ,,Gsra" Sammelbüchse für Palästina. Mar Aarfunlrel, Nedatlenr, C., Nene griedrichstraße 33 Präsident. Dr. K. Lürschseld, Stellvertreter des Präsidenten. Mar Lckrschfeld. Kaufmann, X., Oranienbnrgerstr. 75, Schatzmcister. Hermann Zlorwitzüy, oanü. mc<!., X'., Lottnm-Straße 10ar Sckretair. Adolf Sandheim, Stellvertreter des Sekretairs. c£. Lazarus, Beisitzer.