Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 15-16 (9.4.1884)
- Article
- Österreich-Ungarn : Pest, 4 April [Nachricht]
- Date
- 1884-04-09
- Page
- 244 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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244 nicht nur nidu nfmimmt, sondern im Sachsen begriffen | in — Ter C hafte Gerichtshof l)־u den Prozeß von! N4)ireghha;a am I. d. Bits. eröffnet. Die Bcrhand- ׳ lnngen werden mehrere Tage in Anspruch nehmen. > Der Au-gang ift leicht vorau-znsehen. Mit der Em-! scheidung ist die Tisza-E-zlarer Affaire forensisch cndgültig abgeschlossen. — Der Gerichtshof von Nyiregyhaza! Hane die Verfolgung der׳ Herrn von Onodh wegen; der Beleidigung des Staatsanwalts Szeiffert abgci lehnt. In Folge Rekurseist setzt die Dache zur ander׳! weirigen Behandlung an da§ Gericht in Nhircgyhaza! znrückverwiesen nu.d zwar zur Einleitung de- Berfahren- ׳! wegen Bergehengegen die öffentliche Sicherheit. Die znrückgewiesenc Anklage lautete wegen Gcwaltthütigkeit gege1׳ eine Behörde. 1־\ Pest, 4. April. Ich beeile mich, Ihnen die Entscheidung der König!. Kurie in Dachen Salomon Schwarz und Genossen pir Kunde zu bringen. Sie nicht andererwartet werden konnte, hat auch der Oberste Gerichtshof ein vollständig frcisprcchendes Unheil geschöpft. Die Privatklägerin ist mit allen ihren An׳- trägen abgeiviesen lvorden. Da- Unheil führt an-, das; in keiner Weise ein Mord oder ein beabsichtigter Todtschlag vorliege. Ob die bei TiszaDada angcschwemmte Vcidyc diejenige der verschwundenen Esther Dolymofi gewesen fei, bleibt unentschieden. Jedenfalls ist hiermit die gerichtliche Behaitdlung dieses traurigen Dramazu Ende. Die Wirkung desselben dauert leider noch fort. * Pest, April. Das ״Neueste Pestcr Journal" schreibt: Die antisemitischen Blätter bringen seit einiger Zeit mit fetten Buchstaben gedruckte Aufforderungen und Mahnnngcn an die ״christlichen Eltern", dieselben mögen auf ihre Kinder Acht geben, die Zeit naht, in welcher die Juden zu rituellen Zwecken Kinderblnt ver-! wenden. Diese Aufhetzungen der niedrigsten Leiden-; schäften konnten natiirlid) nicht ohne Folgen bleiben. Wir erhalten heute das folgende Schrei den, das wir wortgetreu mittheilen-. ״In Kaposvär erscheint ein antisemitische- Wochenblatt, welches den Namen ״Xüpjog" an der Stirne trägt und fast nichts Anderes als schändliche Beschimpfungen, Schmähungen und Ber-- letimdungen gegen die gesammie Iudeusd)aft enthält. So erschien auch in Nr. l ■2 des erwähnten Blattes vom 21 März 1884 ein Artikel mit dem. natürlich, mit selten Vettern,' gedruckten Motto: ״ Iv^resztruv anyak. uvjütok gyennekeituket a y.sid6lY»l" — sEhrislenmälter, hütet Eure Kinder vor den Juden.) Der Artikel enthielt einen Aufruf an christliche Mütter, daß sic ihre Kinder hüten sollen, damit sie nicht den Inden znm Opfer fallen, wie dies schon in vielen Fällen geschehen sei. Wie dieser abergläubische oder, besser gesagt, srevlerische Aufruf ans die nicht anfgeklärten Volksschichten einwirkt, das kann der folgende Fall zur Genüge beweisen: Am 24. d. M. schickte die Frau des hiesigen Bahnwächtcrs Johann Ginsl ihre im Alter von 0—7 Jahren stehende Tochter angeblich zu mir ins Geschäft um Frankkasfee. Das Mädchen begegnete aber zufälligerweise der Mutter einer ihrer Spielkameradinnen, Frau Ocri, mit der das Kind, ohne überhaupt zu mir seinen Weg cinznschlagen, mein Haus passine und mit der erwähnten Frau Oeri zur Letzteren einkehrte, wo da-s Mädchen längere Zeit mit einer Kameradin spielte. Eine Weile hierauf erschien ein Bruder des Mädchens bei mir, um nachznfragen, ob seine Schwester nicht dagewesen sei, worauf er natürlich die Antwort .,Nein" erhielt. Herr Ginsl jedoch mag es für angezeigt gehalten haben, über seine Tochter persönlich Erkundigungen cinznholen und erschien auch alsbald mit der Frage, ob seine Tod)ter nicht dagcwesen sei? An dem Manne war jedoch schon wahr;»׳ nehmen, daß er irgend einen Berdad)t hege, da er sich, wie von gewissen aufgetand)ten Verdachtsmomenten bcwogen, genau nmschante, ob er nicht irgend welche Spuren eines schrecklichen Verbrechens wahrnehmen lnöchte. Er entfernte sich aber sofort nach erhaltener Antwort, weld)c selbslverständlid) wieder verneinend lautete. Jetzt aber war die Stunde des Lärmens und Tobenherangebrochen. Die Mutter und eine größere Schwester des erwähnten Mädchens liefen jammernd und tobend unter schrecklichem Geschrei durch die Gasse, die gröbsten Beschuldigungen gegen die Juden ausstoßend. Sic riesen, daß die Juden ihr Kind ermordet hätten, und so begaben sie sich gerade zu mir, mit der festen Uebcrzcngnng, ihr Kind sei zweifelsohne bei mit ermordet worden, und forderten and) die sofortig( -verausgabe desselben. Alle Beschwichtigungen scheiterter an dein bei ihnen festgewurzelten schrecklichen Gedanken. Und so gingen sic weiter die Gasse entlang unter lautem Wehklagen und alle Hoffnung ansgebend. Schon sammmelte sich das Volk zusammen, schreckliche Dro- Hungen und Verwünschungen ansstoßcnd. Endlich er- I hielten die Jammernden und Drohenden von der obgc- : nannten Frau Oeri, welche burd) daö Geschrei auf-! merksam wurde, die Aufklärung, daß das Mädchen bei; ihr sei und um einer Kameradin spiele. Das Kind : war nun wohl schon gefunden, aber der sd)rccklid)e, irreführende Gedanke wich noch immer nicht von den! Leuten, im Gcgcntheil, als die Mutter des Mädchens j später von mir znrechtgewiescn wurde, wie sie cs : wagte, diese Beschuldigung mit solcher Bestimmtheit zu j erheben, gab sic zur Antwort: ״Diese Fälle haben sich ■ schon oft genug zugetragen, man könne ja das in den! Zeitungen lesen." Der Fall ist dem Gerichte ange-! meldet, dessen Bescheid wir jetzt erwarten. Im Inter-! esse der Gerechtigkeit ersuche ich eine löblid)c Redaktion,