Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 15-16 (9.4.1884)
- Article
- Deutschland : Berlin, 3. April [Nachricht]
- Date
- 1884-04-09
- Page
- 241 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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M 15 u. Ul. Jeschurmr. 241 KorrcsMdcllzcil mtb Nachrichtcu.! Deutschland. X. Bcrliu, •:■>. April. Wer ben nirijipolitifdjcu Mittheilnngen der Presse einige Beachtung widmet, dein drängt sich die Wahrnehmung ans, daß eine wahrhast rührende Aufmerksamkeit den jüdischen Misselhätcrn zngewendet wird. Man vergißt es niemals, dieselben durch Bezeichnung ihres Neligiousbelcnntnisscs vor den übrigen Verbrechern anszuzcichnen. 20 lese ich in der heutigen Ausgabe der ״Neuen Prcnß. Ztg." die Vcrurtheilung des ״jüdischen" Handelsmanns Joseph Nachemstein, eines Mitglieds einer angeblichen Bande von Meineidigen, mit dein ferneren Zusätze, daß dieselbe ״selbstredend viel Unglück über die christliche Bcvölkcrung Lessens gebracht Hai." Wenn man aber auch den übrigen Inhalt dieser Nr. 80 der ״N. Pr. Atg." sich ansicht. so findet man in derselben folgende Vcrbrechen erwähnt: Betrug, Brandstiftung, Schändung und Mord, Majestütsbclcidignng, Tödtnng im Duell und zwei Morde, ohne daß es für nöthig erachtet wurde, die Konfession der Verbrecher mitznthcilcn, weshalb die Vcrinuthnng sehr nahe liegt, daß dieselben nicht Juden sind. — Was mag nun wohl der Grund sein, daß die jüdischen Verbrecher sich einer besonderen Vevorzngung seitens der Presse zu erfreuen haben? Ist dieser etwa in deren Seltenheit allein zu suchen? II. A. w. g. -a- Berlin, 0. April. Die Herren Ungcrleider, F ra n l l ttnd NN a y b a u m. welche das Rabbinat der hiesigen Gemeinde bilden, haben sich zu einer großen That ausgerafft. Sie haben an vcr» schiedcnc Rabbiner eine Einladung zu einer allgemeinen Versammlung der Rabbiner Deutschlands, welche binnen Kurzem zu Berlin tagen soll, gelangen lassen, tfm in Gemeinsanckcit a) eine offene Erklärung über die imerkonfessionelle Stellung des Indenthunis abzngebcn, l>) um Mittel zur Hebung des religiösen Sinnes und des Religionsunterrichts anssindig zu machen und e) einen dauernden Verband der Rabbiner Deutschlands zu bilden. Ich will die Frage mfcrörtcrr lassen, ob diese drei Herren außer ihrer Bestallung als Kollegienrabbiner von Vorstands Gnaden irgend welche Lcgitimation zu einer solchen Initiative besitzen, obgleich man sich doch nicht verhehlen kann, daß cs nicht ganz gleichgültig ist, wer in einer Sache von allgemeinster Bedeutung das Wort ergreift und zur Mitarbeit ansfordert. Es kann ein Unternehmen sehr zweckmäßig erscheinen, aber Diejenigen, welche cs in die -Hand nchntcn, können die ungeeignetsten Personen zur Aus׳ führnng desselben sein. In eincrn solchen Falle werden die Vernünftigen und Einsichtigen ihre Mitwirkung versagen müssen, um die an und für sich gute Sache nicht zu kompromittircn. Ich will, wie gesagt, nicht prüfen, ob die drei Herren, denen der Vorstand der Shnagogengemeinde zu Berlin das Rabbiner- und Prcdigeramt übertragen hat, b.dentend genug sind und sich in irgend einer Weise einer solchen Anerkem nng außerhalb ihres Bezirks erfreuen, um eine derartige Aussordcrnng an die Rabbiner Dcntschlands ergehen lassen zu können. Der Titel ״Berliner Rabbinat" imponirt um so weniger, als es ja lein Geheimniß ist, von welchen Gesichtspunkten man hier bei der Besetznng von Rabbinatsasscssoren in der letzten Zeit ansgegangen ist. Man weiß cs hier in Berlin sehr wohl, daß B. der Rabbiner der hiesigen Adaß-Iißrael eine weit bedeutendere und anerkanntere rabbinischc Kapazität ist, als diese drei Herren, von deren Existenz außerhalb dieser Stadt vielleicht ׳Niemand etwas weiß. Ich möchte mich lediglich auf die Untersuchung des Programms beschränken, welches dieselben für diese Versa'mmluug der Rabbiner Deutschlands ausgestellt haben. Die drei Punkte sind durchaus disparater Art. Ich kann mir beulen, dnß manche Rabbiner im ersten Angenblicke dem ersten Punkte ihren Beifall spenden möchten, während sic cs ablehnen würden, über den zweiten mit Männern, welche von ganz entgegengesetzten Anschauungen sich leiten lassen, in die Berathung einzutretcn, und ich bin fast zu der Annahme versucht, als ob dieser erste Theil des Programms mehr oder minder als Lockspeise dienen soll, um manche .zur Annahme der Einladung zu veranlassen, welche für den anderen eine Absage iu Bereitschaft halten würden. Es dürste jedoch auch dieser erste Punkt: Erklärung über die iinerkonfcssionclle Stellung des Indenthnms, bei reiflicher Er'.vägnng als unzweckmäßig erscheinen. Das Indcnthnm ist nicht ein Produkt jüngsten Datums; es ist älter als irgend ein anderes Religionsbekenntniß, und die Inden leben seit Jahrtausenden in steter Berührung mit Andersgläubigen. Eine Erklärung der gegenwärtigen deutschen Rabbiner etwa dahin, daß das Judenlhnm nichts Feindseliges gegen die Bekenner des EhristeuthumS lehrt, ist deshalb durchaus überflüssig. Für wen soll dieselbe Bedeutung haben? Die Geschichte redet vernehmlicher und eindringlicher, als der Mund der heutigen Rabbiner. Jeder Vorurtheilsfreic und Redlichdcnkendc kennt längst das Verhältniß des Iudenthums zum Ehristeuthmu in dieser Beziehung. Diejenigen aber, welche die aberwitzigsten Verleumdungen über das Indcnthnm verbreiten, lassen sich nicht belehren, weil sie nicht belehrt werden wollen und auch nicht belehrt zu werden brauchen. Sie wissen sehr wohl, daß sie Ungereimtes pnd Unwahres von dein Iudenthiime anssagcn. Wenn die Rohling und