Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 15-16 (9.4.1884)
- Article
- Kollektaneen talmudischer Sentenzen
- Date
- 1884-04-09
- Page
- 228 (sequence 2)
- Language
- German
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228 her Mörder, denn c$ heißt (Deuteronomium 10,11): Einer jeinb ist feinem Nächsten, — er lauert ihm aus und macht sich aus über ihn und schlägt ihn auf's Leben, das; er stirbt." Wer die Weisen und deren Schüler haßt, wer sich fälschlich als Prophet ausgiebt, wer verleumdet — hat keinen Antheil am ewigen Leben. Der Hochmülhige gleicht dem Götzendiener denn es heißt (Deuteronomium 7,2t;): ״Bringe nichts, was Abscheu ist, in dein Haus", und (Proverbia 16,5): ״Abscheu Gattes ist Jeder hochmüthigen Sinnes". 3m ersten Satz ist unter ״Abscheu" Götzendienst verstanden, ebenso auch im andern. * * * Die Weise der Gottesgelehrten ist: bescheiden, demüthig, bereitwillig, sanft, liebenswürdig gegen Jedermann, höflich gegen die Hanslente, sündenschen und die Menschen lediglich nach ihren Handlungen schätzend. Spricht man über dich Uebles, so antworte nicht, — das Bedeutende dünke dir winzig; hast du aber über Andere auch mir das geringste Nachtheilige geredet, so achte dieses für etwas Großes und beruhige dich nicht eher, als du dafür Verzeihung erlangt hast. * * Liebe die Gotteslehre, ehre sic — liebe die Menschen, ehre sie. Halte dich fern von Allem, was zu einer Sünde führen könnte, von allem Häßlichen und was dem nahe kommt. Deine ganze Handlungsweise fei selbstlos, nur um Gottes Willen. * * * Liebe Gott, ehr fürchte Gott, achte sorgsam und freudig auf alle seine Gebote. Lerne von den Erfahrenen, neige dein Ohr, ihre Lehren zu vernehmen, höre aus die Worte deiner Gen offen. * * * Sei nicht schnell im Antworten, überlege Alles gründlich. Auf das Erstere antworte zuerst und hernach auf das Andere. * * * Erkenne das Wahre au. Nimm nicht das Wort vor Jemandem, der weiser ist als du. * * * Willst du lernen, .so sprich nicht, du habest eine Sache verstanden, die dir noch unverständlich ist. Fragt man dich ein Geringes, das du nicht weißt, so schäme dich nicht zu sagen: ich weiß nicht. liebe die göttlichen Gebote rim ihres Urhebers willen und rede von ihnen um ihrer selbst willen (fic zu verstehen und tiefer in ihren Geist einzndringen), benutze sie aber nicht, um damit zu prunken oder irdischen Borthcils halber. Liebe Tugend, Zurechtweisung und Geradheit, — strebe nicht nach Ehre. Sei eifrig bemüht, selbst eine geringere Gutthat zu üben und!neide jegliche Sünde, sic könnte dich zu einer größeren führen. * * * Die Ehre deines Nebcnmenscheu sei dir so Werthvoll wie deine eigene. Achte jeden Menschen. Denke nicht: ich will Diesem schmeicheln, das; er nur Nahrung gebe, Jenem, daß er!nich mit Trank versorge, Diesen!, daß er mir Kleidung gervähre n. s. w. * * Hast du des Guten viel gethan, so sei es in deinen l Augen ein Weniges. Denke nicht: ich habe von dem > Meinigcn Gutes gethan, sondern daß Gott an dir! Gutes gethan und danke Ihn! dafür. Das geringste! Gute, das n!an dir erweist, sei aber in deinen Augen! ein Bedeutendes. Denke nicht: wegen!!!einer guten! Thaien hat man mir Gutes erzeigt, denn auch Denen, deren Handlungen nicht gut sind, läßt es Gott oft gut ergehen, wie es heißt (Deuteronomium 7,10): ״Er belohnt auch Die, die ihn hassen n. s. w." — Hast du aber selbst das kleinste Unrecht geübt, so sei es in! deinen Augen groß und denke: wehe mir, daß ich gesündigt habe, wehe mir, daß durch mich Uebles ist angerichtc! worden. Hat man dir jedoch ein arges!lebet zngefügt, so lasse cs dich gering dünken, sprich: nur ein Weniges ist mir geschehen, ich hätte inehr verdient. Ei!!!nult WEitd. Ncbersctzt und betrachtet von Ludwig A. N ose nt hat, Prediger zu Köthen. (Schluß.) Aber die Stammväter, die rüstigen Kämpfer gegen die Macht der Finsterniß, sind dahingcgangcn — und mit einem Male führt uns unser kerniges Peßachlied, die Zeilen kühn überspringend, die wunderbare Bcfrciungsnacht in Mizraim vor. Allmählich hatten die