Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1884-04-03 · Heft 14 (3.4.1884) · p. 215

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 14 (3.4.1884)
Article
Chesed ve-emet Wohlthätige Wahrheit
Date
1884-04-03
Page
215 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2932754-2933049-2933064-2956559--15267-2956618
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

215 hier öffentlich ihre divcrgirciidcn Ansichten zum Ausdrnck, und inan muß cs sagen, mitunter am!) in nicht ganz korrekter Form. Die Partei, die dem erwähnten Gutachten folgte, sann nun nach Abhülfc, man sah sich um nach einem anderen Vcgräbnißplatz, man hat mehrfache Versuche zun! Erwerbe eines anderen Platzes gemacht, die aber nicht recht gelingen wollten. Der Vorstand der Gemeinde, gedrängt von den Verhältnissen, welche eine weitere Ausdehnung des seitherigen Begräbnis;- Platzes in Ottensen nicht mehr gestatteten, liest sich von den! erwähnten Gutachten nicht beeinflussen und arbeitete an der Einrichtung des staatsseitig überwiesenen Platzes rüstig fort. Fast war es bereits jener Partei gelmigcu*) einen eigenen Friedhof zu erwerben, allein der hohe Senat hatte seine Genehmigung dazu vcrweigert, und damit scheint der bestehende Streit seine Erledigung gefunden zu haben. ES ist nun einleuchtend, dast, trotz der faktischen Beilegung des Streites, eine völlige Gemüthsberuhignng nicht erreicht wurde. So Manchem wird das Dasein verbittert durch den Gedanken, dast er keiner rituellen Bestattung entgcgengehe; schon sind Fälle vorgekommcn, dast man die קבורה nnnöthig verschob, um den Ohlsborfcr Friedhof zu vermeiden. Noch so manches ist geschehen, was unterbleiben könnte, wenn der Gedanke nicht herrschte: nur die Macht hat hier gesiegt, und darum muß man Alles aufbietcn, um seiner religiösen Pflicht zu genügen. Selbst die hiesige mustergültige הברה קדישא, die rein לשם שנדם arbeitet, hat deshalb eine Spaltung erfahren, denn eine gewisse Zahl von Mitgliedern derselben hat ihre Mitwirkung bei der קבובה verweigert." c.Forlsctzuug folgt.) Aus der ersten Hälfte irilseres Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) KricdriP!Holl. (FoNstVUl'.g. ) vorbei)allen ) Sie hatte sich bei diesen Worten erhoben und mit verschämter Zärtlichkeit legte sic leise die Hand auf die Schulter des jungen Mannes; er aber blickte lächelnd zu ihr auf, indem er das Haupt zurückueigte und einige Augenblicke fester auf ihren Arm lehnte; dann ־*) Die Ursache, warum dies nicht gelungen, hat derBerfnffer nicht angegeben. Wie verlautet, soll der Borstand der deutsch. israelitischen Gemeinde, nachdem die Mitglieder des Synagogenverbandcs mit großen Opfern ein Areal in der Nähe von WandSbeck;11111 BcerdignngSjwccke laufen wollten und zur Verwirklichung - dieses Vorhabens nur noch der behördlichen Genehmigung bedurften, bei der Negierung Widerspruch gegen die im Gesuche der Orthodoxen sich anssprechendc Absicht eingelegt haben. aber stand auch er auf und folgte der Alten in die Küche, wo sie dm größten Theil des Vormittags beschäsligt war. Er hatte nur zwei Tage bcstintmt. die er als Gast bei der Treuen verweilen wollte, aber diese wollte er ihr auch ganz widmen, und während sie am Herde und am Backbrett handtirtc, fast er auf der weistgcschencrlen Küchen bank und rauchte eine Zigarre, und Beide plauderten von längst vergangenen Zeiten und von vut Zukunft, die sie, seltsam genug, gemeinsam verleben wollten und endlich auch von dem, was Beiden wohl am meisten am Herzen lag nnd worüber sie dennoch in cigcnthümlicher Scheu während des ganzen verflossenen Abends und auch in den ersten Stunden des darauf folgenden Tages geschwiegen hatten. Leah war die Erste, die den Gegenstand zur Sprache brachte. ״Kobileben, denkst auch noch an Alles, was die Mutier selig auf die Letzt zu Dir geredet hat?" ״Alles, Leah," betheuerte er, während er die Zigarre aus dem Munde nahm, ״nnd ich kann Dich versichern, dast ich wissentlich nie dagegen gefehlt habe." Sie neigte wie znstinuncnd das Haupt. ״Aber, Kobitebm, an eines, scheint mir, hast Du doch nicht gedacht — den Grntz an Mirjam — Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn. ״O, wie oft habe ich daran gedacht! — und was habe ich nicht alles schon versucht, um meine Schwester aufzufinden —" ״Hast Du?" fragte die Alte lebhaft, ״nun? — und? —" ״Bis jetzt ist es mir leider nicht gelungen — doch ich hatte gehofft, Du könntest mir vielleicht eine Spur von ihr an geben." ״Ich?" — ach, du lieber Gott! glaub' mir, Kobi, wem! ich 'ne Spur von ihr gewußt hätte, hält' ich sic selber längst gesucht. — Aber der Vater — ich Hab' zwar einstmals gemeint, daß er nichts von ihr weist — aber ich möcht' glauben, er weiß doch was — möglich bringst Du was ans ihm 'raus." ״Der Vater weiß gar nichts von ihr," entgegnete Ehrmann. ״Schem jischmereni!" schrie die Alte, ״der Vater sagt, daß er nichts von ihr weiß. — Aber ich war dabei, daß er selber gesagt hat, er hütt' sie fortgeschickt. Darum trau ihur nicht, Kobi, er lügt Dich an —" ״Du bist in! Irrthum. Lcah; so wellig ich den Vater im Uebrigcn entschuldigen will, in dieser Be- Ziehung ist er unschuldig; er weiß in der That nicht, lvo Mirjam sich befindet." ״Aber er selber —" ״Hat sie nicht fortgcschickt, Leah, der Vater hat cs mir zngcschworen bei dern Andenken an die selige Mutter; denn in ihrem Namen habe ich ihn beschworen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.