Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1884)
- Article
- Deutschland : Halberstadt [Nachricht]
- Date
- 1884-03-27
- Page
- 204 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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204 B. Nürnberg, Mar;. Die hiesige SU'.dtdiblivthek birgt nichrerc Manuskripte, auf welche Kenner und Freunde der jübischen Literatur ansinerksaiu;u inanen der Zweck dieser kurzen Noti; ist. Dieselben bestehen erstens aus einem anscheinend aus Ikalien herrührcnde Manuskript des ^"ת״ג in sieben großen Bänden vom Jahre ')OM a. in. mit beiden Targnmim, welche im Texte aus jedem Vers folgen, mit Pnnktationcn und Akzenten, sehr korrekt geschrieben; zweitens, ans handschriftlichen המשה 2 חומשי הורה Bände ans dem Jahre '>000 mit den fünf j ,רשו, הפטורות, מגלות unb חרושי י תוספות non dem Verfasser der תוספות ans den Talmud, leptrre noch nicht gedruckt, da von den בעלי תוספות meines Wissens nur דעת ׳ר^ים zum חומש im Druck erschienen sind, der שס הגדוליס kennt auch noch andere handschriftliche Komcutarc von der בעלי תוספות zur תורה; drittens, ein vollständiges מחזור nebst Kommentar auf 528 Pergamentblättcrn im Jahre 5001 geschrieben und etwa 58 Kilogramm schwer, wie auch die beiden! erst genannten Worte auf Pergament geschrieben sind. ׳ ||| Halberstadt. 25. März. Ich habe Ihnen j den Tod der durch die herrlichsten Eigenschaften bc? : Geistes und Herzens ausgezeichneten Frau Helene ' Hirsch zu melden, deren Verlust weit über den Kreis! ihrer Familie hinaus schmerzlich cmpflmdcn wird.; Aufrichtig t, ernste Frömmigkeit und hingedcndste, aufopscrungsfähige Menschenliebe waren der Grnndzug ihres Wesens. Ihr Andenken wird in unserer Geineinde unvergeßlich sein. *IJ* Neustettin, 20. März. Sonnabend, den 8. d Mts., Abends, und Sonntag vom Mittag ab fanden Ausschrcitungcil statt. Fensterscheiben und Läden lvurdcn zertrümmert, in die Privatwohnnngen eingedrnngen und manches zerstört unb geplündert. Wer auf der Straße getroffen wurde, wurde geprügelt. Der Omnibus, welcher Sonnabend Abend die freigesprochenen Angeklagten brachte, wurde von dem wüthenden Pöbel verfolgt, die Fenster desselben cingeworfen. Der alte Hei bemann erhielt beim Ausstcigcn einen Schlag, der ihn sofort niedcrstreckte; er fiel von einer Ohnmacht in die andere und wird wohl längere Zeit zu leiden haben. Ein Herr Freundlich wurde durch einen Steinwurf verlebt und muß noch heute das Zimmer hüten. Im Hause des Kaufmanns Löwe wurden allein über 90 Fensterscheiben zertrümmert, und der Schaden, den übrigens die Stadt ersetzen muß, ist ein beträchtlicher — Erst am darauf folgenden Montag Abend langte Militär zum Schutze der jüdischen Einwohner an. Dasselbe ist auch noch jetzt hier, kann jedoch nicht verhüten, daß in jeder Nacht Ausschreitungen von Einzclncn begangen werden. Die Fensterläden werden anfgcrisscn und Steine in die Stuben geschleudert, und es ist noch immer gefährlich, sich nach Dunkelwerden in den Straßen zu zeigen. — Bon den Angeklagten hat Leßheim mit Familie bereits die Stadt aus immer verlassen; fein Leben war hier in Gefahr; der alte Heidemann ist ebenfalls zu auswärtigen Verwandten geflüchtet. Löwen borg mußte mitten in der Nacht sein Haus verlassen und hatte seine Familie von hier weg gebracht, auch andere Familien waren geflüchtet, sind aber zum Theil bereits wieder zurückgekehrt. Der Synagogenvorstehcr Löwe wurde vom Pöbel die ganzen Tage gesucht und die fürchterlichsten Drohungen gegen denselben ausgcstoßen; wäre er dem Pvbel in die Hände gefallen, so würde eS ihm schlimm ergangen sein. (Bein. d. Ncd.: Wir bringen diese authentische Mittheilung zur Feststellung der Wahrheit, trotzdem sie manches Berichtete wiederholt.) Oesterreich-Ungarn. § Wien, 20. März. Dem Direktor deS israclitischeu Taubslummeninstituts, Herrn Joel Deutsch, wurde aus Anlaß von dessen 71. Geburtstage wegen seiner Verdienste auf dem Gebiete der Taubstummencrziehung das Bürgerrecht der Stadt Wien taxfrei verliehen. ס Lemberg, 16. März. Als Ergänzung zu meinem Berichte vom 5. d. Mts. (Nr. 11 d. Bl.) habe ich zu bemerken, daß sich Herr Philipp direkt an den Kaiser gewandt und demselben in einer besonderen ihm gewährten Audienz die ganze Sachlage vorgetragen hat. Se. Majestät versprach, genauere Erkundigungen einziehen, und wenn die Sache sich den Angaben des Herrn Philipp gemäß verhalte, die Rückgabe des Mädchens veranlassen zu wollen. Daß dieselbe in der That erfolgt ist, haben wir schon mitgetheilt. Hier, sowie in allen bethciligten Kreisen herrscht großer Inbel über diese Aeußcrung der hochherzigen, gerechten Gesinnnng nnsers erhabenen Kaisers. S. B. Neutra, 13. März. Noch rauschen die Alkordc der Pnrimlust mir in den Ohren, — ich sühle mich in der besten Stimmung zur Negistrirnng eines bedeutenden Falles, welcher vorige Woche, gleichsam al§ würdiger Vorläufer des lieben Purim sich bei uns zutrug. Am Mittwoch, den 5. d. Mts., Abends, fand nämlich int Hause des Herrn Rabbiner Lazar Roöncr ein Bankett vulgo סעודת מצוה לסיום מסי ערובין zu fünfunddrcißlg Gedecken statt. Es ist dies der dritte סיום, welchen die vom genannten Herrn Rabbiner gegründete ש״ס הברה seit dem Zeiträume von nahezu vier Jahren veranstaltet. DaS Fest verlief in würdigster, heiter gehobener Stimmung. Das lebhafte Bewußtsein der hohen ethischen und religiösen Bedeutung der frohen Bereinigung drückte allen Kundgebungen des allgemein empfundenen Frohsinns den Stempel geweihter Läuterung ans. Bor Beginn des Mahles wurden die letzten zu diesem Zwecke rcservirten Zeilen des Traktats vor-