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Jeschurun · 1884-03-27 · Heft 13 (27.3.1884) · p. 199

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 13 (27.3.1884)
Article
Deutschland : Berlin, 14. März [Nachricht]
Date
1884-03-27
Page
199 (sequence 2)
Language
German
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199 er läßt an Deutlichkeit nichts;11 wünschen übrig. Man ' mnerfchätze die Bedeutung der ״Kreuzzeituiig" nid)t und wiege sich nicht in sichere Hoffnung. Ollo in :Kyircgvhaza die Unschuld der angeklagten Juden ton ftaiivt worden,- da drückte der magyarische Pöbel sein Mißfallen in gleicher Weise aus, wie der Neusteniner; aber es fand sich kein Organ der Presse von der Dte! l!1 11 g der ״K r c uzz ei t u n g", welches wie diesc nicht die Exzedenten, sondern deren Opfer darod angriff. — Das ist sehr bemerkenswenh und eröffnet einen trüben Ausblick auf die nächste Zukunft für die jüdischen Preußen. -a- Berlin, 20. März. Der seiner Zeit nach 'Könitz entsandte Kriminal-Kommissarius Höft wurde vom Minister des Innern in einer längeren Audienz empfangen. Herr Puttkamer soll sich eingehend bei demselben über alle Verhältnisse des :)iciiftcttiiicr Shnagogenbrandprozesses iuformirt haben. -a- Berlin, 23. März. Die ״Boß. Zeit." cnthält eine Erklärung des Justizraths Scheiiuemaim in Neustettin, worin derselbe erklärt, es sei nicht wahr, daß jemand geäußert, er fei jetzt gesellschaftlich vollständig drunten durch, doch habe er eine aus den 10. März in seinem Hause augesagte Gesellschaft in der letzten Stunde absagen lassen, aus Furcht, von den Ruhestörern gleichfalls heimgesucht zu werden. — Es scheint also für die beim Prozeß Betheiligten nicht so harmlos, ruhig und sicher in Neustettin gewesen zu sein, wie man denl Pnblikuin gern glauben machen will.!Fortsetzung der .(rorrcspoiidenzel! und Nachrichten auf Leite 203.) Ans der ersten Hälfte nnseres Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Kricdrich Molt. (Fortsetzung.» (Me;Hedjtc uorlu’l;alten.) ״Mit dem Studiren wird mau niemals fertig," entgegnete er lächelnd, ״aber jetzt werde ich etwas ganz anderes studiren, womit ich Ntich bisher leider nicht beschäftigen durste; — ich werde das jüdische Religiorisgesetz studiren. Ich habe schon mit einem jüdischen Gelehrten gesprochen, der mich täglich uulerrichlen wird." ״Gott soll Dich segnen! mein gebenschter Jung' — all' die Zeit Hab' ich mir immer gedacht, daß ich Dir sagen möchte. Du sollst das thun — ich Hab' mich nur nicht getraut —" ״Und warum nicht getraut, Leah? ich hoffe, im Gcgentheil, daß Du mich auf alles aufmerksaut machen wirst, was Du glaubst, daß ich thun sollte. Aber. wenn wir erst in W. sind und Du meine liebe Haushälterin, da wirst Du immer auf mich achten und mich an alles erinnern, daß ich das Waschen vor dem Essen nicht vergesse, und nicht vergesse, den Hut aufzusetzen vor dem Waschen. — Au dergleichen bin ich leider gar nicht mehr gewöhnt. — Aber ich werde mich über alles unterrichten lassen und dam! werde ich mich rascher daran gewöhnen, Du wirst mich nur fleißig erinnern müssen, weißt Du, wie Du als Kind mir häufig zugerufcn hast: Kobi, wo ist die Kapp"?" ״Ob ich das noch weiß? und wenn ich hundertundzwanzig Jahre alt werden sollte, so was möchl' ich nimmer vergessen. — Ader cs wird spät, Kobilcben, mein Kind, wir wollen benschen und Nachtleinen sagen, und dann wollen wir' uns schlafen legen. Rückwärts das Stüberl vom Schwager selig ist schon für Dich eingerichtet. Die Ros! vom Garkücher, das gute Kind, das vorhin die Nostbratel gebracht hat, bevor sie ist fortgegangen, hat sie mir gewinkt, ich soll hinauskommen, und da hat sie gefragt, wo Du wirst in Quartier sein, und als ich gesagt habe, hier bei mir, in dem Schivager selig sein Stüberl, da hat sie gesagt, sie möcht's hübsch aufrämnen und alles;!!richten, wie sich's gebührt — hast Du nicht gehört, wie sie die Betten geklopft hat?" Mitternacht war in Wirklichkeit bereits vorüber, als die alte Leah endlich ihr Lager aufsuchte. Sie hatte ziivor ihren Gast in das für ihn bestimmte Zimmer geleitet, und er hatte sie entzückt durch seine Bewunderung der zweckmäßig sauberen Einrichtung und der freundlichen Lage desselben; es hatte die Aussicht auf Gärten und Felder. ״Hier ist's schön, Leah, hier müssen wir morgen Abend die Sabbathmahlzeit halten, da können wir durch das geöffnete Fenster der frischen duftigen Luft uns erfreuen, ohne gleichzeitig der lieben Gassenjugend als Augenweide zu dienen." ״Wie Du willst. Kobilcben, mein Gold, wie Du willst: Aber jetzt eil' Dich, daß Du iu's Bett kommst, und tracht', daß Du bald schläfst, daß Du!norgen in der Früh wieder frisch bist." Jakob Ehrmauu hatte der Weisung der Alten treulich cutsprocheu; längst schlummerte er ans seinem einfachen, aber weißen weichem Lager, während Leah mit weitosfeneu Augen ruhelos sich auf bem ihren wälzte. Es war die Freude, die übergroße Freude, die den Schlaf ihren Augen feruhielt. Und so lag sie da in ftiminiem Dankgebet — was sie nimmer zu hoffen gewagt, es hatte sich verwirklicht. — Und wie er so groß geworden war und so schon und so sein, und dabei so brav — jedes Wort, daS sie mahnend einst zu ihm gesprochen, es schien eiugegrabcu in seinem treuen Herzen, es hatte ihn gestützt auf seinem dornenvollen oft schwankenden Pfade. Und nun hatte er sie ausgesucht, der noble, feine Doktor aus der Hauptstadt die arme alte Magd, die

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