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Jeschurun · 1884-03-27 · Heft 13 (27.3.1884) · p. 198

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 13 (27.3.1884)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn
Date
1884-03-27
Page
198 (sequence 2)
Language
German
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wir offen und ohne Scheu, was wir denken und j rnchtheit knüpfen zur Erweckung eures genmden, frischen fühlen, und wenn!vir schreiben, machen wir unsere! Volksgeistes ----- und das ist nun vor der Hand vorbei, Feder zum Dolmetsch unserer innersten Ueberzeugung;! vorbei durch die Halsstarrigkeit und Verstocktheit der langjährige Erfahrung aber hat in uns die lieber-! zengnng gezeitigt und gereift, daß die Orthodoxie unter 1 ihrer gegenwärtigen Leitung sich nicht bcl)auptcn kann. — Zu den heutigen Führern der ungarischen Ortho-; doxie sprechen wir darum nicht אשד תלכו אלך ואשר תלונו אלץ, weil wir in keine Lackgasse gerathen wollen; — aber עטך עטי ואלקיך אלקי rufen wir ihnen aus tiefster Ueberzeugung zu, und darum streben wir mit voller Kraft, die Scheidewand niederzureißeu und die gähnende Kluft zu Überdrücken, welche uns; im Prinzipe Gleichgesinnte von einander trennt. —; Unter dem heutigen Regime ist die Nealisirnng dieses heißen Verlangens ganz undenkbar — und doch wird j die Nothwendigkeit tagtäglich zwingender, daß wir; vereint Schulter an Schulter für die Wahrung unserer! Autonomie, für die Erhaltung der sehwererrungenen j Sanktion des orthodoxen Organisations-Statuts ringen i und kämpfen. — Zu diesem heiligen Kampfe findet man die gewaltsam verdrängten konservativen Status-; <1no-Nabbiuen und -Gemeinden gern bereit. — Stellet nur tüchtige, bewährte, aufrichtige, ehrliche, friedfertige Anführer an die Spitze, und es wird die ungarische Orthodoxie bald wieder unbezwingbar fest und stark dasleheu. Daß Gott unseren schivachen Worten die Kraft der Begeisterung verleihe, damit es die Herzen rühre und die Geister wecke zum eiumüthigeu, ver-; ständigen Handeln in dieser schweren Stunde! Korrespondenzen uub Nachrichten. Deutschlau d. -a- Berlin, 14. März. Die Freisprechung der in Köslin Verurtheilten seitens des Konitzer Schwurgerichts hat nicht nur die biederen Neustettiner Männer in eine Gemüthsbeweguug versetzt, welche sich in muthigeu Eingriffen aus ihre jüdischen Mitbürger äußerte, sondern auch in gewissen aristokratischeren Kreisen höchst unangenehm berührt. Es ist auch in der That höchst rücksichtslos von den beiden Heidemann's und Lesheim's, daß sie sich haben sreisprechen lassen! Warum konnten sie sich bei der Schuldigerklärung in Köslin nicht beruhigen? Es war doch ein so schönes Exempel von der Bosheit der Juden konstatirt, an welchem sich der Antisemitismus erlabte! Mit welchem Behagen konnte man doch zum Nutz und Frommen deS ״christlichen Volks" von den Inden reden, die ihre Synagoge angezündet, um die Schuld den Christen in die^Schuhc zu schieben; welch'erbauliche Betrachtungen ließen sich nicht au diese jüdische Ver- Juden, die ungläubig das ihnen imputirtc Verbrechen von sich wiesen und sogar von dem Gerichtshöfe eine Anerkennung ihrer Unschuld erwarteten, verlangten und erhielteit. O, die bösen Judeit! Sie bereiten einem braven, frommen Antisemitcnherzen fortwährend tiefen Kummer und großes Aergeritiß. Man rnöchte weinen vor Wuth, wenn nid)t Thränen des Mannes unwürdig wären und wenn des Vaterlands Wohl iticht Thaten verlangte. Darum die Zähre zurückgedrüttgt! Nichts ist verloren, so der Mann seine heilige Sache nicht selber anfgwbt: Auf die Schauzen! Der fröhliche Kamps beginnt von Neuem; muthig darauf! Hört ihr der Hörner Schall, der Trompete Klang? Die Trommel entsendet ihre Wirbel; hei, wie lustig! Jungens, nehmt den .Kolben — ״Dat flutscht betcr״! DaS mag ungefähr der ״.Kreuzzeitung" edles Herz entpsundeu, das mag ihr weit ausschauender Geist gedacht haben, als sie gestern den Leitartikel verfaßte, der heute ihre Spalten ziert und den erbaulichen Text zu den Neitstettiner Noten liefert. ״Ueberdruß und Ekel" empfindet sie — au den ״Ausschreitungen", wie sie die pöbelhaften Exzesse nennt, au den unerhörten, gegen die Majestät des Rechts sich auflcljucnbcn brutalen Gewalt Handlungen—Gott bewahre! au den angeblich ״übertriebenen" Darstellungen der von Stöcker's und der ״Kreuzzeituug" Gnaden also betitelten ״seiriitisch׳ liberalen Presse". O, der Dummheit und Bliudheit dieser bösen Presse, ruft sie warnend aus, vergißt man denn des Antisemitismus, ״der heute das laute Bekeuutuiß deS eilten, das stille des anderen Theils der Deutschen ist!" Und statt von der bestialeu Wuth des Neustettiuer Pöbels, spricht sie von der ״brutalen Einseitigkeit" und dem ״nationalen Größenwahn" der Juden, welche ״jede Selbstkritik" ausschließt. Geschieh ihnen denn nicht recht? Warum üben sie teil ״Selbstkritik", so daß der süße pominersche Pöb diese Kritik an ihnen und zugleich an dem Wahrsprnch eines preußischen Gerichtshofes mit Stöcken und Steiner zu üben gezwungen ist. Und man glaube doch je nicht, daß diese eindringliche und überzeugende Kritik sich auf Neuslettiu beschränken werde! Nein, ״eine Katastrophe ist im Anzuge" gegen die Juden, über deren ״Form" mau nicht;u streiten braucht, eS gilt ״das Judeuthum in die Stellung eines Weltaschenbrödels hera'ozudrückeu, mit der es sich Jahrhunderte lang begnügen mußte!" Verlaßt euch nicht aus die ״Humaniät der Zeit" tönt ihr Mahnungsruf, unsere Zeit ist ״realistisch", sie hat auch ״Dynamit"! — Also der Text zu der Neustettiuer Melodie, verfaßt von der ״Neuen Preußi1cheu׳iKreuj)-Zeitung" zu Berlin,

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