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Jeschurun · 1884-03-27 · Heft 13 (27.3.1884) · p. 196

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 13 (27.3.1884)
Article
Noch ein Wort über die ungarische Jeschiba-Angelegenheit
Date
1884-03-27
Page
196 (sequence 2)
Language
German
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196 (Sin heutiger erwachsener בהור, der mit aufopfcrnbcr, entsagender Hingebung und unermüdlichem (Siscr des Talumdstudiums sich befleißigen sollte, gehört zu den Seltenheiten, höchstens nnאהד בעיר ושנים במשב, wie allbekannt. Daß aber ein erwachsener Talmudsüngcr noch Mißachtung und Entbehrungen, herabwürdigendcs! Spcndennehmen, Noth und Sorge ertragen sollte, ohne! daß die Liebe und der Eifer zur Thora bei ihm erj kalten, das ist gewiß ganz und gar ausgeschlossen. Wenn wir einen gediegenen Nabbincrstand uns erhalten und erziehen und die lernbegierigen Jünglinge in dem Kampfe um's Dasein nicht untergchen lassen wollen, so tritt uns die Pflicht näher, für deren nothdürftige Existenz die Sorge zu übernehmen und dieselbe zu sichern. Ich glaube nun nach der Durchschnittsrechnung nicht zu irren, wenn ich den spärlichen Gcsammtbedars eines von Seiten der armen Eltern jeder Unterstützung entbehrenden Talmudjüngers für Wohnung, Kleidung, und frugale Nahrung drei Gulden pro Woche rechne. Von dem obenerwähnten fünfhundert בהורים- Kontingent könnte man vielleicht 20 Prozent als von bemittelten Eltern unterhalten abrechnen. Noch weitere 20 Prozent dürsten — indem solche der üblichen Freitische unb Spenden denn doch möglichst thcilhastig werden — nicht in Betracht gezogen werden. So verblieben aber doch 00 Prozent oder 300 Bachurim, die vollständig unterstützungs- und hülfsbedürftig sind und eine Unterstützung von 900 Gulden wöchentlich erfordern. Hierzu kommen noch acht Lehrer, deren Gehalt mit 000 Gulden nicht zu hoch bemessen wäre, so daß eine Ausgabe von 00 000 Gulden pro Jahr crforderlich wäre. Hierfür müßte ein entsprechendes Kapital aufgebracht werden, welches ein solches Zinscucrtrügniß sicherte. Nnn sehe ich wohl im Geiste so manchen der geschätzten Leser mitleidig lächeln über diesen meinen Borschlag — höre ihn verschreien, als eine Ausgeburt krankhafter Phantasie, als eine wohlgemeinte schwärmerische Idee. Mancher möchte auch mich ernstlich bc׳ dauern und achsclzuckend sprechen: eher dürfte die Welt untcrgchcn. als diese Idee sich je einmal realisircn. Sonach bin ich genöthigt, mein Projekt näher zu beleuchten, und zu versuchen, cs in ein plausibleres Licht zu stellen. Meine Argumentation ist folgende. So oft die Existenz und der Fortbestand des Jndenthums in Frage gestellt, und durch materielle Opfer wieder rehabilitir! zu werden Aussicht vorhanden war. da haben die Juden von den entferntesten Himmelsgegenden zur möglichcn Beschaffung der erforderlichen materiellen Mittel bereitwilligst bcigesteucrt, und zuin Bunde sich brüderlich die Hand gereicht. Das Opfer konnte nie zu hoch sein. Dies lehrt uns reichlich die jüdische Geschichte. Wenn die jüdische Opfern.ülligkeit bei jeder Drohung einer physischen oder geistigen, einer rheilwcisen oder Gcsammterschüttcrung, stets in hohem Grade sich bcwährte, warum soll dies jetzt in unserer Zeit — wo die תורה הקדושה, das einzige Palladium in der Diaspora, dem Verfalle, dem Einstürze nahe ist, so die Grundpfeiler nicht schnell gestützt werden — als unmöglich, als unerreichbar erscheinen?!Forrsctzung folgt.)! - WchttfchlUi. ״.Ic80(16 lm-t-lioruH, Glaubensj l 114 HU und Pflichtcnlehrc für israelitische Schnlcn. Bon Or. S. H erx h ei m cr, Herzogl. Landrabbiucr in Vernburg. Neunundzwanzigste vermehrte Auflage. Leipzig. Roßberg!883. Ein Buch, welches, wie das obige, bereits 03 Jahre besteht und innerhalb dieser Zeit 29 Auflagen erlebt hat, sollte eigentlich keiner weiteren Besprechung, weder zum Guten noch zum Bösen, bedürfen. Ist es aut, nun so empfiehlt sich dasselbe von selbst durch sein 03jähriges Bestehen und seine 29. Auslage; ist es schlecht und verderblich, so erscheint cs etwas gewagt, nunmehr nach 03 Jahren cs unternehmen zu wollen, mit der Feder in der Hand gegen dasselbe zu Felde zu ziehen. Denn, wenn schon das Sprichwort sagt, daß Unkraut nicht vergehe, so ist gewiß unntöglich, Um kraut ausrotten zu wollen, welches schon seil einem halben Jahrhundert üppig gewuchert. Denn wer zählt die Körner, die, vom Winde getragen, auf günstigen Boden gefallen und weiter gediehen sind? — So stehts auch mit dem vorliegenden Büchlein. Trotzdem aber wage ich eS noch heute, mein Urtheil gegen dasselbe auszusprcchen, dahin lautend, daß dasselbe nicht allein nicht im Staude ist, ״die Jugend mit den! Wesen der väterlichen Religio«, mit Licht und Wärme, so faßlich und so kurz, jedoch so vollständig als möglich bekannt zu machen," sondern vielmehr das gerade G cg cutheil bewirkt. — Geltauer das Büchlein durchzugehcn, erlaubt der beschrüukte Raum nicht. Daher mir Einzelnes. Wir wollen uns hier nicht über die Art und Weise der Darstellung des Längeren äußern, sondern — was auch die Hauptsache ist — einige Beispiele an führen, welche ein cigenthümliches Licht auf den Geist, welcher das Büchlein durchweht, werfen. ‘ Der Verfasser bemerkt in der Vorrede, er habe überall das Praktische hervorgehoben. Um uns nun nach dieser Richtung hin ein Urtheil bilden zu können, schlugen

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