Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1884)
- Article
- Salomonische Spruchweisheit
- Date
- 1884-03-20
- Page
- 180 (sequence 2)
- Language
- German
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180 zu einer fcfleu Burg, und Zwistigkeiten legen sich wie ein schwer zu verschiebender Niegel zwischen die Gcmüther. Senn du dich entwürdigt hast durch Selbstüberhebnng, Oder es auch nur gedacht hast, lege die -Vaud ans den Mund. Denn Milchpressen bringt Butter und Nasenpressen bringt Blut, Und Geduldpressen bringt Streit. (80, 82.00.) Wenn du dich einmal vergessen hast, und hast dich durch unberechtigte Selbstüberhebung entwürdigt, oder hast eine solche Selbstüberhebung auch nur erst gedacht, so schweige, lasse den Gedanken nicht laut werden, und wenn dn ihn schon zu deiner Entwürdigung geäußert hast, so wolle das Anmaßende deiner Aenßerung nicht noch fortgesetzt ausrechthalten. Nichts reizt so sehr zum Widerspruch, als dünkelhaste fortgesetzt behauptete Anmaßung. Wie in der Milch der Butterstoss vor- Händen ist Mtd in den NOp'en muskeln das Blut, so ist in jedem Menschen die Anlage zunr Widerspruch vor- Händen. Und tvie fortgesetztes Pressen und Stoßen der Milch den Butterstoss. und aus der Nase das Blut hervorbringt, so kann man auch den Gedtildigsten durch fortgesetztes Reizen zu zürnendem Widerspruch bringen und Streit Hervorrufen. (אפ*ם kommt nur einmal in Daniel!1,20 als Zorn vor. Sonst ist es immer das strebende Berlangeu, daher ארך אפ'ם, der seinem Verlangen lange Zeit gönnt, der EK'dnldige, Langmüthige, und dessen Gegensatz £קצר אפ״: der Ungeduldige. Siehe Peut. zu!. B. M. 2,7 u. 2. B. M.! 5,8.) (Einige sich auf Streit beziehende Sprüche haben tvir bereits unter Nr. V. gebracht.) Nr itrufteitiuer Stjungogeulm1!1lt. H a n u o v e r,!!. Mär; l 884. Unsere Gegner haben zu früh triumphirt. Die Feuergarbe, welche am!8. Februar 168! dem jüdischen Gottes- Hause der pommerschen Kreisstadt in der Nähe der Bilm- und Slreitzigseen entstieg, wirst nicht .,ein grelles Streiflid)t" aus -en jüdischen Fanatismus und den jüdischen Frcvelmuth; der deswegen angestrengte Monslreprozeß endete nicht mit ״einer eklatanten Niederlage^ des Judenthums; jüdische Verlogenheit und jüdische Persidie sind nicht die Urheber und T Heilnehmer au dem frechen Bubenstück, wenn einen! solchen die Neustcrtiuer Shnagoge zum Opfer gefallen sein sollte — kurz, die tückischeu Verdächtigungen und boshaften Anschuldigungen, welche sich aus die vermeintliche jüdische Misselhat stützten, erscheinen in dem jämmerlichen Gewände der Verleumdung und Lüge auch dem voreingenommensten Ange. Der Spruch des Schwnrgerichtshoss zu Könitz vom 7. Mar; 1880 macht die aus den Otcuftcttiucr Spnagogenbraud gesetzten Hoffnungen;11 Nichte; das knnstvvll geivobene Netz zum Fange Ilnschuldiger ist zerrissen: die unter der Last einer entsetzlichen Anklage säst dem Untergange nahen Beschuldigten sind sreigcsprachen worden: kein Makel ruht mehr auf ihrer (5t)rc, die Verhandlungen haben kein einziges sie belastendes Monieut seststellen können, dagegen ein sehr cigenthümliches Bild von der Wahrhaftigkeit der Hauptzengen für die Anklage vorgeführt, deren vornehmlichste. der Arbeiter Buchholtz, der Lehrer Pieper 11. s. w. einen keineswegs beneidcnswerthen Eindruck hervorgerusen haben — sollen wir nicht jubeln und triumphircn?'? Wohl danken wir ans tiefgefühltem Herzen der allgütigen Vorsehung für diese Wendung, wohl beglückwünschen wir die dem Verderben entronnenen Dulder, wohl erkennen wir freudig die Weisheit und Einsicht des die Verhandlungen leitenden Präsidenten, die Gerecht!gleit des (Gerichtshofs, die Hingebung und Pflichttreue der Vertheidiger Sello, Makower und deren Kollegen an — Jubel zieht aber nicht in unsere Brust ein, und zu triumphircn vermögen wir nicht. Wir sehen den greisen Heidemann, in Ehren dem Ende seiner Tage sieb zuneigend, gebrochen aus dem Saale wanken, den Todeskeim im Busen, gezeitigt von der langen Aufregung, dem Schrecken des Gefängnisses, dem Makel der Verurtheilung. Und in seinem Gofolge die drei Leidensgefährten, jünger und kräftiger, aber nicht minder gebeugt. Doch nicht dieses Mitgefühl mit den zum Schlachtopser des Hasses Auserkorenen ist es, welches die laute Freude zurückdräugt, sondern die Trauer über das Schauerdrama selbst, über die Möglichkeit eines solchen im gebildeten und gesitteten Preußen, über die Gefahr, welche noch immer über unserem Haupte schwebt, über das noch immer nicht gesättigte Gefühl des Hasses und der Schadenfreude in der Brust vieler unserer Mitbürger, über die furchtbare Perspektive, die dieser Prozeß eröffnet — sie Läßt uns nur die köstliche Zuversicht aus dieser glücklich abgewendeten Gefahr schöpfen und neu befestigen, daß Gort, welcher in der letzten Stunde hier seinen Engel sandte, auch in den ferneren Stadien des in verjüngter Mächtigkeit wiederentstandenen Bornrtheilö gegen Israel uns schirmen und schützen, und die feindlichen Anschläge vereiteln wird. Wer des Glaubens gewesen, daß mit der Freisprechting der Angeklagten die antisemitische Strömung sich stauen!vürde, der befand sich in einem gewaltigen Orrfmnne; er verwechselte die Wirkung mit der Ursache. Er vermeinte, der Antisemitismus des Tages sei zum