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Jeschurun · 1884-03-13 · Heft 11 (13.3.1884) · p. 174

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 11 (13.3.1884)
Article
Holland : Haag [Nachricht]
Date
1884-03-13
Page
174 (sequence 2)
Language
German
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174 Herr Bereu stein, hat an die hiesigen jüdischen Metzger ein Zirkular gerichtet, mit der Aufforderung, die beige׳ fügten Bestimmungen ihm bis;um 8. Mär; d. I. unterzeichnet ziirückznscnden, widrigenfalls die Betreffenden von diesem Tage an als nicht mehr zu den Koscher- Metzgern gehörend betrachtet werden sollen. Die Be-; stimmnngen lauten: 1) Daß sie am Sabbath und Festtagen in ihren Läden oder Schlachtstättcu teil! Fleisch : verkaufen, kein (Mdb bezahlen oder in Empfang nehmen, j viel weniger irgend eine Arbeit verrichten lassen werden.; 2) Das; sie allen religiösen Vorschriften nachlebcn werden,! deren Befolgung verlangt wird, mn Vertrauen in Bezug! ans das ״Porschen" zu verdienen. 3) Das; sic den in! den Gemeinde-Verordnungen dazu angewiesenen Beamten,! oder dein dazu anznstcllendcn Aufseher jederzeit Zugang | in ihre Wohnungen verstauen werden, damit dieselben j sich überzeugen können, das; kein הי1.'/ ׳כבת stattfindet, i das; das Kaschrns; bei dem vorrälhigen ביכה Fleisch in | Acht genommen ist, und daß die Läden derart cinge-! richtet sind, daß keine מביכוליב oder Irrthümcr statt-; finden können. — Wie ich höre, beabsichtigt unser Herr ן Oberrabbincr auch in den anderen, seiner Verwaltung? unterstellten Gemeinden die Zügel nunmehr straffer anzuziehen und nauicntlich in einer größeren Nachbar gemeinde, deren Kaschrnß-Verhältnisse sehr viel zu wünschen übrig lassen, mit aller Entschiedenheit anfzutretcn. iDe st erreich -I! u gar u. G. Wien, n. März. Der Zwiespalt zwischen Ezechen und Deutschen ist im Begriffe, eine wundersame Blnthe zu zeitigen׳. Die Errichtr.ng einer Synagoge zu Prag mit einem Gottesdienste in ezcchischer Sprache. Wie aus der böhmischen Landeshauptstadt berichtet wird, ist der dortige, als Vcrthcidiger vor dem Kriminalgerichtc bewährte Advokat 1)1׳. juris Salamon Zalnd der geniale Erfinder dieses eigenartigen Prodnkts. Nim gicbt cs keine Thorhcit, welche nur begangen zu werden braucht, um einer Anzahl Personen zu begegnen, welche sich dieselbe zu eigen machen, und so hat es denn auch nicht fehlen können, daß Herr Zalnd Genossen gesunden, welche unter den! Titel ״Dr Tomid" zu einem Vereine zusanuncngetreten sind, um einen israelitischen Gottesdienst in ezcchischer Sprache dauernd einznführen. Es ist nun allerdings sehr fraglich, ob der Verein in der That dem gewählten Namen entspricht. Zunächst glauben wir nicht, daß er ״Tvmid" ״ewigen" Bestand haben wird: aus einer momentanen Zeitströmnng entstanden, wird er, falls ihm die Verwirklichung seines Zweckes in der Thal gelingen sollte, zu einem frühen Tode verurrheilt fein» auch von ihm wird gelten *כבן לירה היה ופן לילה אבד. Das läßt sich zuversichtlich ohne Prophetengäbe behaupten: das lehrt die Erfahrung einer mehrtauscndiährigen Vergangenheit. Diejenigen Israeliten ezcchischer Zunge, welche für einen ezechischcn Gottesdienst sich begeistern, stehen nur noch mit einem Fuße im Indenthum, und wenn deren Kinder nicht die Thorheit der Eltern belächeln, so werden sie auch einen noch weiteren Schritt zur Ezechisirnng thun und sich gänzlich von der Religion ihrer Groß- und Urgroßväter lossagen. Und das ״Or" das ״Licht״ dieses ״Or Tomid-Vereins" scheint wahrlich nicht hell zu leuchten. Incidis in Scyllain ciijmnis vitarn Clrnryb׳ «Um. so tönt cs schon jetzt ans deutschem Lager diesem Beginnen entgegen: ihr ״Juden" wähnt dem Haß der Ezechen zu entgehen, aber ihr fallet der Verachtung und Feindschaft der Dcntschböhmcn zum Opfer. Wir aber möchten an die Herren, welche unter juristischer Führung einem thörichtcn Werke ihre Kräfte widmen, dringend anhcimgebcn, sich doch die ernste Frage vorznlegen, ob sie ans diesem Wege denn and) wirklich sich die Freundschaft und Achtung ihrer czcchischen Brüder gewinnen? Wir glauben, daß ein besseres Zeugnis; für die 9?einl)cit der Gesinnung und für die aufrichtige Hingebung au das Wohl des Vaterlandes in der durch die Thar bewährten Opferwilligkeit und Vaterlandsliebe abgelegt wird, als durch die Verleugnung der heiligen Sprache bei der ösfentlichcit Goltcsvcrchrung. Die Ezechen, tveiche für die Pflege ihrer Sprache ein so lebhaftes Interesse an den Tag legen, wissen sehr wohl die Ehrfurcht zu schätzen, welche die Inden der Sprache bis zum heutigen Tage gezollt, die die heilige heißt: und sie sind auch ganz überzeugt, daß man ein sehr guter ezcchischer Patriot sein kann, wenn tnan auch zu Gott in den heiligen hebräischen Lauten fleht. ב Lemberg, o. März. Die Mortara-Asfairc, die Taufe der ntinderjährigen Philipp aus Prag betreffend, hat heute dahin ihren Abschluß gefunden, daß nach langen BenlühtUtgen eitdlich dem Herrn Philipp seine Tochter ansgeliefert worden ist. W. Prag, c>. März. Wie man vernimmt, hat Di1(1 0?9 .׳ in fl seine Resignation auf die Professur an der hiesigen theologischen Fakultät eiugcbracht. Derselbe soll einen Nus au die theologische Fakultät in Münster erhalten haben. Wir wollen nicht den Beweggrnnd dieser urplötzlichen Nesignation zu erörtern suchen. Mag derselbe welcher immer auch sein, genug, der Professor geht, und sonnt wünschen wir ihm viel Glück auf die Reise. (Anm. d. Ned.: Siehe die Korrespondenz aus Münster.) Dr. W. Budapestden 4. März. Während ich diese' Zeilen schreibe, versammeln sich in Wien zu gemeinsamen! Handeln mehrere orthodoxe Rabbiner aus Ungarn. Die allerjüngstcn Begebenheiten erheischen allerdings eine energische Vcrthcidiguug der gefährdeten

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