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Jeschurun · 1884-03-13 · Heft 11 (13.3.1884) · p. 167

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 11 (13.3.1884)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn
Date
1884-03-13
Page
167 (sequence 2)
Language
German
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107 unsere Position günstiger? Wie angesehen, stark und ,nächtig wäre die ungarisch - jüdische Orthodoxie? — Hätte die Synode von :um׳»;um Beschlüsse erhoben, dag man den größeren ישיבות Professoren deigedc, wie gerne und wie viel hätte der Kulturminister zur Kräftigung und Erhaltung der ישיבות deigetragen, er hätte dieselben sicherlich mit ansehnlichen Subventionen bedacht und zu öffentlichen Lehranstalten erhoben. Nie hätte die Regierung sich veranlaßt gesehen, ein ncologes Rabbiner-Seminar zu lrciren, nie hätte man den Orlhodopen den Borwurf umchcu dürfen, sic seien Feinde der Kultur und Bildung; die Orthodoxie hätte nach innen und außen an Macht und Ansehen uuaussprechlich viel gewonnen, und sagen wir weiter, es würde im Laufe der Zeiten eine einheitliche orthodoxe Indenheit in Ungarn gegeben haben, das ist evident! Da kamen aber Einige, welche lärmerid und tobend die ״Sprecher" überschrieen, so oft von einer heil-׳ bringenden Modifikation die Rede war. — Unter dem Fcldrnfe עושי הדשות בעלי מלחמות hielten sie alle erlaubten Schutzdämme und zeitgemäßen Einrichtungen für gefahrbringende Neuerungen, und brachten uns dahin, wo wir sind-stürzten und gewaltsam ans der -Höhe in die Tiefe, ans der ein Emporheben gar schwer möglich ist.!Fonjetzimg folg:.- A»s der crftcit Hälfte unseres Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Friedrich 210tt. cFoVlseVlUIg.! (-lUc uorl'djaltcit) Ehrmann hatte stimmt!iche Rigorosen mit seltener Auszeichnung bestanden. Armstein, der ehedem gehofft hatte, in Elemcnlinens Gatten seinen Assistenzarzt zu sehen, machte, da seine Tochter als Baronesse Wildenfels in glücklichster Ehe. lebte, seinem jungen Freunde den Borschlag, diesen Posten bei ihm ciuzuuehmcu. Ehrmann willigte ein, doch erst nach einigen Wochen, denn es drängte ihn, zuvor einer heiligen Pflicht zu genügen. Die Kosten seiner Promotion waren durch ein nicht unbeträchtliches Bcrmächtniß seines jüngst vcrstorbencn Gönners, des Baron Woikersdorf, überreich gedeckt, und cs blieb ihm noch genug, den ersten Jahren feiner ärztlichen Praxis ohne Nahrnngssorgen entgegen- Zusehen; er hatte seinem Vater daher nur die flüchtige Anzeige seiner vollendeten Studien und des erreichten Doktorgrades zugesendet; die dringende Einladung desselben, ihn durch seinen Besuch zu erfreuen, hatte er jedoch entschieden abgelchut. Sein Her; zog ihn anderorts hin. Es war gegen Abend, ein milder, lauer Sommerabend. In allen Häusern waren die Fenster geöffnet, die würzig frische Luft hinein zu lasse!!. Auch in jenem schmalen Häuschen an der Ecke der Iudcngassc standen die Feusicrslüge! weit offen. Ein ziemlich bejahrtes Frauenzimmer saß au dem einen Fenster und blickte hinaus auf die stille friedliche Gasse, während die Stricknadeln in ihren welken, faltigen Händen klappernd sich . bewegten. Da ward's mit einem Male lebhaft in der Gasse; der Ltctlwagen rasselte über das ungleiche Pflaster, und an allen Fenstern und Hausihüreu steckten die Leute die Köpfe hinaus, um die Insassen des Stcllwagens möglichst genau in Augenschein zu uchiucn. Auch die fleißige Strickerin war ans ihrem träumerischen Sinnen erwacht; die Nadeln klapperten zwar munter weiter, aber sic selbst hatte ihren hölzernen Armsessel verlassen und lehnte mm im geöffneten Fenster, mit ihren freundlichcn, klugen Angen das schwerfällig daher rollende Nngethüm neugierig betrachtend. Bor welchem Hause mochte es halten? wer hatte Gäste zu erwarten? Langsam rollte der große, unförmliche, mxl schmutziggrüner Lcinewand überspannte Wagen zwischen den Häuserreihen des Ghetto dahin. Noch vor keinem Hause hatte er cmgehaltcu und kopfschüttelnd blickten die Leute ihm nach, weshalb mochte er die Iudengasse passircu? Doch schau! da hält er ja vor dem letzten Hause der Gasse, wer mochte denn da Fremde erwarten? — Ans sämmtlichen -Häusern reckten die Leute die Hälse noch einmal so weit hinaus; seit Mcuschengedcuken hatte vor jenem Hause kein ׳Stellwagen gehalten. Auch die Strickerin am Fenster lehnte weiter hinaus, in athcmloscr Spannung, in nahezu angstvollem Staunen, was mochte das grüne Ungcthüm bringen? ״Da ist die Lcah Reichmann," sagte der Stelllvagenkutscher zu einem jungen, elegant gekleideten Manne, der hinter ihn! saß. Der Ausdruck neugierigen Staunens in den Gesichlern Aller, die ringsum in den Fenstern lehnten, steigerte sich noch um ein Beträchtliches; was mochte der noble Herr von der alten Lcah Rcichmann wollen? Der alten Lcah aber pochte daö Herz, daß ihr der Athen! beinahe versagte. Der junge Manu hatte sich rasch erhoben, einen leichten Handkoffer in der Hand, einen feinen Sommer- Überzieher über dem Arm, schwang er sich leicht über daS Geländer des Stcllwagens, stützte sich mit dem einen Fuß ans das vordere Wagenrad und sprang hinunter. Er hatte die Alte im Fenster bereits erkannt, somit bedurfte es keiner weiteren Erkundigung bei den Umstehenden. Naschen Schrittes trat ec auf die offenstehende Hausrhür zu, stieß selbstverständlich mit dem hohen feinen Eytinder ׳an die ziemlich niedere Ober-

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