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Jeschurun · 1884-03-13 · Heft 11 (13.3.1884) · p. 164

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 11 (13.3.1884)
Article
Ernst Moritz Arndt und die Judenfrage
Date
1884-03-13
Page
164 (sequence 2)
Language
German
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164 gelesen und danke Ihnen nun recht herzlich für das Geschenk. Ich bin im ganzen mit Ihren Ansichten einverstanden, und muß auch in Einsicht der Sprache und des Stils Ihre Schrift loben. Es bleibt dabei, so Lange die Inden als eine besondere Kasten- und Religions-Gesellschaft beharren wollen, dürfen sie nimmer volles christliches Bürgerrecht erhalten. Ucbcr- Haupt würden wir am Ende mit unseren Israeliten »voijl fertig, da so viele durch den Uebergang znm Ehristmthnm sich allmählich in unserem Volke vcrlieren; aber die Tausende, welche die russische Tyrannei uns nun noch wimmelnder jährlich ans Polen ans den Hals jagen wird, das ist eine sehr ernste Frage, und unsere Negierung müsste gegen solche Eindrängc und Einschliche viel strengere und härtere Maßregeln ergreifen, als sie lhnt. Indem ich gegen die bei uns Geborenen christliche und deutsche Milde und Menschlichkeit vorwalten ließe, sollte mir jeder eindringende Kopf nicht bloß einen gewissen Vermögensbesip beweisen — was jetzt gilt und wobei immer Trug und Lug nlitspielt — sondern er solle wenigstens tausend Thalcr als Einspringclgeld bezahlen. Die einzig wirksame Sperrung und Eindämmung gegen die unreine Fluth von Osten her. Was Sic sonst über die Scharsschützcrci und Scharfspitzcrei der Tagesschriftstellcr berühren, bleibt wahr. Gott bessers! Mit wahrer Hochachtung Euer Wohlgcboren ergebenster E. M. Arndt." Es ist sehr begreiflich, daß die ״Neue Preußische Zeitung" lein Wort darüber zu verlieren braucht, von welcher brennenden Bedeutung die in diesem Briefe behandelte Frage heute ist. Dieselbe hat ja einen Theil ihres frommen Schaffens und Wirkens in der Bekämpsung des IndenthnmS gefunden und läßt kein Blümlcin am Wege stehen, um cs dem Kranze cinznreihen, welchen sic in überströmcnder Liebe ihren Brüdern vom Alten Bunde winden möchte. Und dieser Brief Ernst Moritz Arndt's ist ja eine solche Blüthe an dem alten fest eingewurzelten Baume des Vorurthcils, von welchem auch die ״Kreuzzeitnng" befangen ist. Wir glauben, derselben übrigens bemerken zu sollen, daß ihr aus den Schriften der Vergangenheit noch eine Legion ähnlicher Beweismittel für den Antisemitismus zngängig gemacht werden kann. Die kongenialen Naturen der ,.Norddeutschen Presse" haben einen anderen großen Namen zum gleichen Zwecke benutzt. An dem hervorragenden Orte, an welchem dieses Zitat der ״Norddeutschen Presse" dieser Tage zur Verlesung gelangte, dem Schwurgerichtshofe zu Könitz, glaubte der königliehe -Herr Staatsanwalt S ch! i n g m a n n den Dolmetsch desselben dadurch entschuldigen zu ntüssen, daß er von den Worten des Dr. Martin Luther sagte: ״eine derartige Sprache ist allerdings horrend; allein das hat doch keineswegs die ״Norddeutsche Presse" geschrieben, sondern cs ist lediglich ein ans dem fünfzehnten Jahrhundert stamnlendcs Zitat angeführt worden. Wenn tnan die Zeit in Erwägung zieht, aus der diese Worte stammen, dann wird man doch nicht zu der Ansicht gelangen können, daß dieselben irgend einen Einflnß ansgcübt haben." Der königliche Herr Staatsanwalt hält demnach die Zitirnng des großen Reformators in diesem Falle gerade nicht für eine demselben gezollte Ehrenbezeigung, geeignet, dessen Ruhm zu fördern, und glaubt nicht an irgend einen Einfluß des Zitats. Wir sind der Meinung, daß LaS Gleiche sich auch von der Kollegin der ״Norddeutschen Presse", der ״Krcnzzcitung" im vorliegenden Falle behaupten läßt. Den Manen Ernst Moritz Arndt's hat sie keinen guten Dienst erwiesen, als sic ihn zu ihrem Bundesgenossen in dem von ihr geführten antisemitischen Kampfe anrief. Wir können wenigstens keine weite Einsicht in dessen Annahme erblicken, daß die Israeliten Deutschlands ״sich allmählich durch den Uebergang znm Christenthnmc in unserem Volke verlieren werden." Die seitdem verflossenen vierzig Jahre widersprechen dieser Prophezeihnng. Und ebenso wird von der staatsmännischeu Weisheit deutscher und preußischer Fürsten und Nüthe, unter welchen unseres Kaisers Majestät und der deutsche Reichskanzler, auch nach der Ansicht der ״Kreuzzeitnng", als Amoritäten gelten, die beschränkte Meinung Arndt's Lügen gestraft, daß den ungetansten Inden volles Bürgerrecht nicht eingcränmt werden dürfe. Nicht minder eigenrhümlich erscheint dessen ״christliche und deutsche Milde und Menschlichkeit", weiche sich armen Ausgcplündcrten und Vertriebenen verschließen will. Arndt war eben ein Sohn seiner Zeit mit den Fehlern und Vornrtheilen derselben, trotzdem aber ein edler Karaktcr, ein glühender Patriot, furchtlos und mannhaft, nach altdeutscher Neckcnart. Er war aber weder ein hervorragender Staatsmann, noch ein Liesblickender Gelehrter. Die ״Allgemeine konservative Monatsschrift" und die ״Krenzzeitung" haben durch Veröffentlichung des angeführten Schreibens neues Beweismaterial geliefert. — Sic hätten besser gcthan, dieses Schreiben unbeachtet zu lassen; es ist nicht gej eignet, den Ruhm ״Vater Arndt's" zu erhöhen. — In einem Punkte mag zwischen ihm und den deutschen Inden eine Gleichheit des Geschickes zu finden sein. Von Arndt ist gesagt worden, ״daß ihm das herbe Loos zu Theil geworden, Anfechtungen von solcher Seite zu erfahren, wohin er seine Liebe gewendet hatte", — uns ergeht es ebenso. Wir wenden dem deutschen Vaterlandc unsere volle Liebe zu, und erfahren aus dessen Mitte Anfechtungen, heute mehr denn je. So ist uns auch Ernst Moritz Arndt's Name zu werth und thcncr, als daß wir wegen seiner glühenden Vater-

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