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Jeschurun · 1884-03-06 · Heft 10 (6.3.1884) · p. 156

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 10 (6.3.1884)
Article
Deutschland : Aus dem badischen Oberland [Nachricht]
Date
1884-03-06
Page
156 (sequence 2)
Language
German
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106 Die Eingang erwähnte Behauptung sei deshalb nicht begründet. 5 Staffel, 2. Mär;, linier der grielkT.xMiißv-fc Nicht man Haß nnd Zwietracht anzusachen, unb vordächtigt diejenigen, welche den erledigten Rabbinatssitz von einem ernsten, gcsetzestrenen Rabbiner eingcnonnucn nr sehen wünschen, als Fanatiker. Wühler. Finsterlinge, Hetzer uub wie sonst die liebenswürdigseiten heißen, welche angeblich im :\'amcn eines konsernativen Fortschritts nnter der Acgidc eines Organs der sogenannten Breslauer Och ule den Orthodoxen erwiesen werden, zu verdächtigen. ^Anmerkung der Red.: Wir unterdrücken einen Theil der Ausführungen unseres geehrten Herrn Korrespondenten, die sich gegen eittc Zeitschrift wenden, weiche als das Organ der sögenannten Breslauer Richtung angci'chen wird, so derechtigt cS auch erscheint, die Art und 'Weise zu kennzeichnen, in welcher dieses Wochenblatt die Feder zn führen für gut erachtet. Wir hatten eS für die Ehre der jüdischen Journalistik wenig ersprießlich, gegen dieses Organ zu polenusiren. Wohl aber dürfte die Schule, welche in demselben ihre Vertretung findet, im eigenen wohlverstandenen Interesse eine Solidarität mit dieser Zeitschrift ablehnen und sich gegen eine solche Vertretung verwahren.) Diesen! Gebühren gegen-- über dürfte es nicht unangemessen sein zw betonen, das; die orthodoxen Israeliten der Provinz Niederhesscn einen Rabbiner wünschen, welcher mit ihnen ans den gleichen Boden der religiösen Uebcrzeugung steht, nnd in Thal nnd Gesinnung eine solche zum mustergültigen Ausdruck bringt, dabei aber einer gründlichen wissenschastlichcn Bildung nicht ermangelt. Wir dürfen wohl daraus Hinweisen, daß auch in dieser Beziehung die Orthodoxie nicht hinter der juste milicu-Partei;!!- rücksleht. Ihre Rabbiner vermögen im allgemeinen Wissen und in Kanzclberedsamkeit sich noch mir den Vertretern der Breslauer Schule zu messen, und stehen denselben auch an Lauterkeit des KarakierS nicht nach. Mögen sich die zur Wahl-Ausübung berufenen Herren nicht irre machen lassen durch die wahrlich wenig rühmlichen Umtriebe. Msha. Würzburg, 29. Febr. Gestern wurde der älteste Mann der hiesigen israelitischen KnltuSgemcinde, und wohl einer der ältesten Bürger WürzburgS überhaupt, zn Grabe getragen. Herr Lazarus Sonnemann, über 90 Jahre alt, der bis zum letzten Augenblicke in vollständiger GeisteSirischc verlebte und stets ans dem Boden des strengen orthodoxen Judenthums stand, war ein Onkel des RcichStagSabgeordnetenHerrn Leopold Souuemann ans Frankfurt L. M. Letzterer ist hierher gekommen, um seinem verstLrhcncn Onkel die letzte Ehre zn erweisen.! O c st e vr ctch - U n gam. 0. Wien, 29. Febr. Der nicdcrösterreichische Lau- -esschulrath hat di׳? von! Gemeinderath beschlossene Ernennung d׳.׳S BürgcrschullehrerS. Rathau Stränßler zum Oberlehrer der städtischen Volksschule für Knaben, :!veiler Bezirk, Große Sverlgasse 2, genehmigt. Herr Siränßler ist der er(10 Oberlehrer jüdischer Konfession an den Wiener Volksschulen. Die von ihm nun geleitete Schule zählte!nährend der letzten fünf Schuljahre 1666 Katholiken, 41 Protestanten und 2827 Inden. Auf Grund dieser Ziffern mußte im Sinne des neuen Schulgesetzes ein Jude Oberlehrer werden. A. Pro st bürg, 24. Februar Dieser Tage vollzog sich in unserer orthodoxen israelitischen KultuSgcmciude ein Akt von großer Wichtigkeit und besonderer Tragweite für das Judenrhum. — Am 17. d. MtS. wurde nämlich die Vorstands- und Repräsentantenwahl beendet, nnd gingen ans der Urne folgende Herren als Vorsteher hervor: Joel Wolf, Lazar Gestettner, Alois Abel es, S. Sön enfctd und Mor. E. Bettelh e i m. — Diese fünf Herren sind durchdrungen und begeistert für das Wohl und Gedeihen nuferer Gemeinde und deS orthodoxen Indenthums nnd besitzen alle erforderlichen Eigenschaften für daS ihnen übertrageue Amt. Wir gratuliren unserer Gemeinde zn dieser glücklichen Wahl nnd setzen auch in die Nepräscnkanten, ebenfalls Männer vom besten 'Rufe und Karakter, das vollste Vertrauen. A. Pro st bürg, 26. Febr. Gestern feierte der hiesige Stadtpfarrer und Titular-Bischos Karl Heiller sein 60jähriges Prieslerjubilänm. Anläßlich dieser Feier entsendete auch die hiesige orthodoxe israelitische Kultusgemeinde eine Deputation (bestehend aus den Herren Hermann Pappenheim, Joel Wolf, L. Gestettner und M. Kestler), welche dem greisen hochgefeicrten Jubilar die Glückwünsche ihrer Gemeinde überbrachte. Der Bischof empfing diese Deputation auf's Freundlichsie, erklärte bei dieser Gelegenheit, er erinnere sich mit besonderem Vergnügen, daß er für das jüdische Schulwesen wirken (H. war nämlich eine lange Zeit Direktor an der hiesigen israelitischen Gemeindeschule) und die frommen Inden schätzen lernen konnte. ״Sie haben schwere Prüfungen überstauden", meinte er, ״halten Sie auch fürderhin fest an Ihrer angestammten Religion, vertrauen Sic auch in Zukunft getrost dem Gotte AbrahamS, Isaaks nnd JakodS, und Sic werden bestimmt siegreich aus allen noch etwaigen Prüfungen hervorgehen." 'Tp Pest, 28. Febr. Die Judenhetze, weit entferut im Verscheiden zu fein, hat durch das Zusammengehen der Antisemiten clo pure sang mit der Kossuth- Partei einen neuen Impuls erhalten; dcß ist Zeuge nicht nur der Ausfall verschiedener Neich-Stags-Nach-

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