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Jeschurun · 1884-02-28 · Heft 9 (28.2.1884) · p. 141

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 9 (28.2.1884)
Article
Rußland : Warschau [Nachricht]
Date
1884-02-28
Page
141 (sequence 2)
Language
German
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141 Man soll hin gehen nnd seine Kraft anderweitig vcrwenden, damit dieselbe durch Ruhe nicht geschwächt wird. Dieses anderweitige Verwenden der Kraft faßte nun das in Pinsk an dem Bau der SlabinsuPinsk- Eisenbahn beschäftigte 3appc 11 rbntaiÜ01 ז in dem Sinne auf, das; es, sobald Feierabend gemacht war <und das hatte es schon sehr früh gcthan), gegen die Juden, welche den größten Theil der Pinsker Bevölkerung bilden, loszog nnd Exzesse verursachte. Obwohl sich die Einwohner an die Behörden und das Regimentskontmando wandten, schritten diese, da sic wahrscheinlich dachten, daß Arbeit das Leben süß mache, und sie selbst den Soldaten, welchen sie dasselbe oft verbittert halten, eine kleine Entschädigung für ihr Drillen nnd Schikanircn gewähren müßten, nicht gegen die Tumulte ein. Daher sahen sich die Pinsker genöthigt von einer höheren Instanz Hülse zu erbitten. — Das Jgnatiefssche Verbot wegen Beschränkung der Errichtung von Apotheken durch Juden soll nach dem ״Woschod" aufgehoben sein. Afrika. * Tan Her. Der ״Alliance israclite Universelle" wird berichtet: Von allen Gemeinden Marokko's ist diejcnige von Tanger die bedeutendste, wenn nicht durch die Zahl ihrer Mitglieder, so durch die materielle und nioralische Stellung, welche dieselben einnchuien. Man schätzt die jüdische Bevölkerung auf 8000 Seelen, doch beruht diese Aufstellung auf keiner sicheren Basis. Mit Bestimmtheit kann man sagen, daß nur zwei marolkanischc Gemeinden, die von Fez imb die von Marokko, zahlreicher sind. — Die Lage der Juden von Tanger ist eirie verhältuißmäßig gute. Es sind zwar viele unter ihnen, die von Almosen oder einem kleinen Handel leben, auch eine Anzahl Arbeiter, welche das Tischler-, Blcchschläger-, Schuster-, Schneider- 2c. Handwerk ausüben, aber die Gemeinde zählt auch eine große Menge wohlhabender Familien nnd eine Anzahl derselben sind reich zu nennen. — Die geographische Lage von Tanger begünstigt die kommerziellen Transaktionen; Tanger ist der beste Hasen des Reiches, und fast der einzige Lagerplatz des marokkanischen Handels. Dank ihrer Thatkraft ist cs den Israeliten gelungen, dem Handel Marokkos mit Frankreich, Spanien und England eine große Entwickelung nnd Bedeutung zu geben. Mall kann wohl sagen, daß Marokko ihnen seine Beziehungen zit Europa verdankt; sie sind in diesem Lande die besten Vermittler der Zivilisation und sie sind cs, die zum größten Theil die Eiufuhrstcuern des Laudeo bestreiten. Die Sabbathruhc wird in ganz Marokko sorgfältig bcobachtet; cs ist ein Tag des allgemeinen Stillstandes, die Zollämter sind geschlossen; die Konsulate haben nichts zu thun. — In geistiger und moralischer Be- Ziehung ninlmt die Gcnteinde von Tanger gleichfalls die erste Stellung in Marokko ein. Die Lage der Stadt, die stets zunehmenden Handelsverbindungen mit Europa, lnachten cs für die Tangcriauer zur Roth- Wendigkeit, sich einige Kenntnisse anzneignen; die Israc- Ittcu haben dies so gut begriffen, daß in den letzten *י‘צ Jahren die geistige Ausbildung eine allgemeine unter ihnen geworden ist. Man findet selten unter der heutigen (Generation ftmge Leute, welche nicht zum inindesten Spanisch lesen nnd schreiben fönnen; die Gebildeten unter ihnen sprechen Französisch, Englisch und Spanisch. Alle Sekretäre, Beamte, Angestellte der größeren Gcschästshäuser sind aus Tanger und fast sämmtlich Schüler der Alliance. — Der moralische Standpunkt hat sich gleichzeitig mit ihrer Bildung gehoben; der Jude hat mehr Mulh und Würde, er kennt seine Rechte und verlangt, daß man sie achte. Er erniedrigt sich nicht mehr vor einem arabischen Gouverneur oder fremden Konsul, uni sein gutes Recht zu beanspruchen; da er seine Pflichten erfüllt, fordert er seine Rechte. David Kaller. Bon R'aftal! ^imon. Ällc :Ucchlc 1'oilu’l'ahcit. (Honsctzinig.) ״Aber, bester Oheim," unterbrach Feder den Redenden, ״wie können Sie nur also sprechen? David wird sicherlich ein bedeutender Theologe und Geistlicher werden. Er ist im väterlichen Hause von dem wacker» Klein vorzüglich vorbereitet worden; er wird bei seinem großen Wissensdurst und seiner guten Beanlagung sich auch bald mit den ihm fehlenden allgemeinen Kenntnissen oevtraut machen; Ihre Unterweisung wird seine theologische Ausbildung wesentlich fördern, nnd das Beispiel unseres großen Burgwald wird ihm als leuchtendes Vorbild dienen. Er wird sich an der Kanzelbercdtsamkeit dieses hervorragenden Rabbinen erheben, um ihm nachznahmcn; der Verkehr mit ihm wird seine Anschauung erweitern und veredeln, und BnrgwaldS Begeisterung für die Sache unserer heiligen Religion wird in Davids Brust die Lust und Freude zu'gleichem Wirken entstammen. Wo ist da eine Gefahr zu fürchten? Im Gegentheil, nirgends kann also für meines lieben Schwagers Ausbildung so sorgfältig und umfassend alles gcthan werden, wie gerade hier. Und ich denke, daß er zu den ersten :)uibbiucn gehören wird, welche ans der hosscntlich bald iirs Leben tretenden Hochschule für jüdische Theologie hcrvorgchen. Gerade hier schöpft er ans den! reinen Quell echter jüdischer Wissenschaft den rechten Geist und den rechten Sinn. Vergangenheit nnd Gegenwart reichen sich in unserem Bnrgwald die Hand; der Boden der geschichtlichen Entwickelung des Indcnthnms wird von ihm in Weisheit und mit

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