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Jeschurun · 1884-02-28 · Heft 9 (28.2.1884) · p. 140

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 9 (28.2.1884)
Article
Österreich-Ungarn : Pest, 18. Februar [Nachricht]
Date
1884-02-28
Page
140 (sequence 2)
Language
German
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140 gesunden Menschenverstand besitzt und nicht absichtlich blind sein will. Es ist auch seitens der Schulbehörde ein Erlas; ergangen, daß in den Talmnd-Thora-Schulen und Ieschiboth nur solche Schüler cintrctcn dürfen, welche die vier unteren gymnasial-, Real- oder Hanptschulen dnrchgeniacht haben. Für die hin und wieder vorgckommenen, keineswegs aber eine besondere Eigenthümlichkeil der orthodoxen autonomen Geineindcn bildenden Unregelmäßigkeiten der?Ratrikelführniig hätte man rechtzeitig Fürsorge treffen können, ebenso für einen geeigneten Unterricht in profanen Wissenschaften für die Bachnrim. Gesprochen und verhandelt hat mau genug, aber nichts gethan. Was 1111$ fehlt? Es ist in Ihrem Blatte schon ausgesprochen worden, ein orthodoxes Vanbrabbinat mit einem verständigen, auch in allgenieinen Kenntnissen erfahrenen Landrabbiner. Dann wäre die DnrchführnngSkommission überflüssig. Es liegt nicht in meiner Absicht, dieselbe jetzt zn karaklcrisiren; was in der Vergangenheit liegt, läßt sich nicht rnchr ändern, aber die Zukunft steht uns noch offen.?Rögen sich alle Orthodoxen zu einem Landrabbinatsvcrbandc vereinigen und den rechten Mann »an die Spitze als Vertreter der gesammten orthodoxen ungarischen Iudeusehaft stellen, welcher nnsere autonome 11 nb paritätische Stellung zn wahren weiß. Dann wagt keine Negierung mehr, lediglich ans die Landeskanzlci und Herrn Schweiger zu hören; dann wenden wir alle Angriffe ans das orthodoxe Iudentbnm ab. Ermannen wir uns endlich in der zwölften Stunde, lassen wir fahren jedes untergeordnete Bedenken, wir haben für Gott und unser Heiligthniu cinzustehen, che es zn spät ist. Es ist keine Zeit, zn zaudern und die Hände in den Schoß zn legen, eS gilt zn handeln, energisch, besonnen und vernünftig. An -Stelle der DurchsühruugSlommifsion ein Landrabbinat mit einem weisen, ernst frommen, gelehrten, auch im Profanen tüchtigen Mann, das ist, wohin wir streben sollen! H o l l a n d. 0?! mfti’rbam, 24. Februar. Unter dem?Rollo: ,.Wünschenswert!) und nöthig? ganz gewiß! — Aber auch möglich und ausführbar?" reprodnzirt der hier erschciltcnde ״Israelietische RienwSbode" Ihre beiden?lrtikc! über die hiesigen Schulverhältnisse. Mit dem ersten erklärt er sich vollkommen einverstanden, dagegen mit dem zweiten nicht. Jedenfalls ist eS erfreulich, daß nun auch in einem holländischen Blatte diese wichtige Frage angeregt ist, zumal von einer so bcwährten Seite, und sind wir überzeugt, daß auch die Ausführung nröglich wird, nachdem einmal die Roth- Wendigkeit anerkannt ist. Ucbcr die Ursache der bisherigen Verhältnisse wollen wir uns gern eines Besseren belehren lassen, wenn nur der Zweck erreicht wird. England. * London, im Februar. Der Professor Hüll, welcher vor Kurzem von dein Londoner Palästina-Erforsch.mgSvereinc beauftragt wurde, sich nach Palästina zu begeben, um für eine geologische Karte des heiligen Landes?Raterial zn sammeln, ist mit interessanten Ergedunsen seiner Forschungen nach England zurückgekehrt. Er hat ermittelt, daß zur Zeit des Auszuges der Kinder Israels ans Egypten eine Verbindung des?Rittclländischert McercS mit dem rothcn Meere bestand. Ferner hat er entdeckt, daß das todte Meer sich früher 150 Fuß über dem Niveau des??Uttelländischen?RecreS befand, und daß Spuren von einer Kette von Seen in der Sinai-Halbinsel vorhanden sind. Die Senkung des Wady-Arabah und des IordanthaleS hat Professor Hüll in einer Entfernung von über 1Ü0???eilen bezeichnet. N ußland. ...x. Petersburg, 18. Februar. Dem Ungcfahr, der Laune eines jeden Beamten ist der russische Jude jetzt mehr beim je anSgesetzt. Ein jeder Gewalt- Haber erblickt in ihm ein willkommenes Objekt zur Bethätigung seines Witzes. Da ist man in dem Tschcrnigowcr Gouvernement auf den geistreichen Einfall gekommen, einigen Flecken den Karakter von Dörfern beizulegen und zwar lediglich aus dem Grunde, um die daselbst mit gesetzlichem Wohnrecht versehenen Inden auStreiben zu können. Dörfer sind nämlich diesen zum Aufenthalte verboten, Flecken aber genießen nicht das Privilegium der ״Hebräerlosigkcit". Dank jener Schlauheit und dieses schönen Gesetzes haben auch die Inden den Befehl erhalten, ihre Habseligkeiten zu packen und sich eine andere Heimath zu suchen; wo, das gilt den weisen -Herren gleich. — AnS Vsely Zcrkoff im Gubcrninm Kiew wird gemeldet, daß daselbst Plakate afsichirt wurden, welche zu einer frischen, fröhlichen Inden- Plünderung ciutuden. Die guten Einwohner wollteit auch dieser menschenfreundlichen?luffordernng Folge leisten. Als sic in Hellen -Haufen beisammen waren, erschien aber die böse Polizei und nahm die Hauptkampfhähne fest. Der Iudenkrawall war damit zu Wasser geworden. — ES verlautet, daß Graf Pah len die?lbsicht hat, den Vorsitz in der Indenkommission niederznlegen, und Gras Ignaticff an seine Stelle kommen soll. Hoffentlich.bewahrheitet sich dieses Gerücht nicht. Ich glaube aus dem Grunde nicht daran, weil dieser hohe Beamte für ein anderes Amt als Kandidat genannt wird. Die Indenkommijsion soll thatsächlich erst ein einziges Mal zusammen gewesen sein. Wann wird das Ende unserer Leiden, unserer?lugst und Sorgen kommen? L. Warschau, im Februar. Was soll man wohl am besten thnn, wenn man Mnßcstnndc hat?

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