Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1884)
- Article
- Deutschland : Würzburg [Nachricht]
- Date
- 1884-02-28
- Page
- 138 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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138 ba-5 bisher von jeher antisemitischen Bewegung fern war, soll in der Bälde von einem nordischen ״Indenfrener“ beglückt werden. Es soll nämlich vom l. April ab in München eine amisemiiische Zeilttng in Stil nnd Fonn des .,Bayerischen Vaterland" Hera nogegeben werden. Als Redakteur null man sich Dr. •vunrici ans Berlin kommen lassen. ״Diese überraschende Rachrichl erhalten wir von durchaus glaubwürdiger Quelle", fügt die ״Südd. Pos!" hinzu. Hoffen wir, daß dieser Plan nicht zur Anoführnng komme, und wünschen )vir Herrn Henne! dorthin, wo bereits sein Gefährte IR׳. Förster, jenseits deo Ozeans, sich befindet. -t- Ma Ml he im, 2\. -Februar. Die hier erscheine'ude ״Reue Badische Vandeszeitmtg" berichtet folgende nicht uninteressante (Geschichte: Die offiziellen Bkilitär-Dieuslnachrichien meldeten vor einigen Tagen mit gewohnter Kürze, daß ein Sekondelientenant vom hiesigen Dragonerregiment ans demselben ״ausscheide" und zu den Reserveoffizieren des Regiments übertrete. Diese anscheinend, ganz harmlose Roti; ist indes auf Vorgänge znrückznsührcn, die geeignet scheinen, ein merkwürdiges Vicht aus die Militärverhältnisse im Allge meinen zu werfen und im Speziellen eine traurige Thalsache zu illnsiriren, die zwar häufig wegzuleugnen versucht wird, aber in ihrer nackten Wahrheit hier in drastischer Weise zu Tage tritt. Der Herr Lieutenant verlobte sich im vergangenen Sommer mit einer Dame ans einer hiesigen, hochachtbaren israelitischen Familie, deren männliche Mitglieder nicht nur durch das Vertrauen der Bürgerschaft zu mannigfachen Ehrenstelleu berufen sind, sondern denen auch seitens verschiedener Regierung.!) wichtige Posten mehrfach übertragen wurden. Der Regimenlschef konnte selbstverständlich dein Vieutenanl diese Verlobung nicht direkt verbieten, wohl aber gab er ihm in unzweideutigster Weise zu verstehen, daß ein Verbleiben bei dem Regiment nicht mehr angängig erscheine, weil seine Braut eine getaufte Jüdin sei. Die Herren Kameraden machten natürlicherweise diese Meinung zu der ihrigen nnd gaben bei vielen Gelegenliehen zu erkennen, daß der betreffende Vientenant durch seine Verlobung nicht mehr ״würdig" sei, in ihrem Kreise zu verkehren, und so blieb dem glücklichen Bräutigam nichts Anderes übrig, als sich nach einem anderen Regimente ttmznschaneit was er übrigens nach Vage der Verhältnisse nnd nach dem Geist, von dem das Offizierskorps der deutschen Armee beseelt zu sein scheint-, von vornherein als aussichtslos hätte erkennen müssen. Alle Schritte zum Eintritt in ein anderes Regiment waren erfolglos, selbst ein Gnadengesuch bei bem ob ersten Kriegsherrn wurde k.'.rzer Hand znrückgewieseu, und so erfolgte denn schließlich die ״Ansscheidung". * 22. Februar. Der israelitische Ansstattnngsverein, welcher früher in stetem Rückgänge degriffen war, hat — wie in der dieser Tage abgehattencrr EKmeralverfamiitlutig konftatirt wurde -- in jüngster Zeit einen erfreulichen Ansschwung genommen, was schon daraus hervorgehl, daß im letzten Cnartflle :>0 nette Mitglieder ausgenommen wurden. Das Vermögcu des Vereins beträgt 000 JL Stur10 ,,׳. Februar, lieber den grauenvollen Mord wird dem ״Wcstf. Voltsbl" noch Folgeitdes geschrieben und auch von der Germania abgedruckt: Der Mord ist am Montag den 2\. Januar erfolgt, die verstümmelte Veiche wurde am Dienstag unter der Brücke eines tobten Baches anfgefnuden, und vom Ortsvorstehcr sofort am Dienstag telegraphisch in Danzig Anzeige gemacht. Aber erst am Freitag kamen der Untcrfnchnngsrichter und die Aerzte, welche die Veiche sezierten. Die Kehle war, nach Aussage des Kreisphyfikns Dr. Meruer, so kn ns! gerecht durchschnitten, wie es Vaien nicht ausführcn können. ״Der Eilte muß den Kopf angebogen haben, während der Andere schnitt." An den Schläfen finden sich Schnitte, welche die Kenntnis; der Vage der Schlagadern voranssetzen. Leib und Brust waren durch einen Schnitt geöffnet; es war aber nichts heransgcnomnten. An den Oberarmen fanden sich einige Ottterschnilte. Die Oberschenkel fehlen gänzlich und find vom Körper gegelöst. ״Das haben nicht die Juden gethan, sondern : ein Metzger," äußerte der Kreisphysikus in Gegenwart! des Berichterstatters, der dann wörtlich fortfährt: ״Er ist selbst Israelit." Attch erzählte er öffentlich, der : Mord könne nicht im Freien, sondern müsse in aller : Nt!he bei v e rsch l o s f e n e n Thureit und bei guter Beleuchtung ansgefnhrt fein. Auch ist die Veiche nach dein Morde abgewaschen. Die erregte Bevölkerung! neigte vom ersten Augenblicke an der Meinung zu, daß! der Mord von Inden ansgeführt fei. Dem energischen Einschreiten des katholischen Pfarrers ist es zu danken,; daß den Inden nicht Alles zerstört ist. Der inzwischen; eingezogene Jude Josephsohn ist 18 — 10 Jahre alt;; derselbe betreibt die Sammlung von Lumpen und ' -Hasen feilen. Dies erwähne ich, weil einige Zeitttngen; schon abwiegeln, indem sie sagen, der betr. Josephsou hätte; aus Brodncid den 51'naben crtttordet. Der Ermordete : hat aber nie dergleichen betrieben. Der Vater deS Josephsohn soll Pserdeschlachtcr sein. Der am Samstag tu s der Synagoge zn Pr.-Stargard verhaftete Josephsohn hat! eine Bißwttnde an dent Damnen der rechten -Hand,! die er sich durch einen Stur; vom Wagen zugezogen : haben will. Auch kann er sein Alibi am Abend des! Mordes nicht Nachweisen. Bei dem jüdischen Fleischer; Bosse in Sturz war am zweiten oder dritten Tage! nach dem Morde eine -Hanssuchnttg. Nur ein Gesäß! mit Bl nt ist ko'nfiszirt und nach Danzig geschickt. Das; Dienstmädchen des B. war in der Nacht der Blntthat