Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1884)
- Article
- Deutschland : Hannover [Nachricht]
- Date
- 1884-02-28
- Page
- 137 (sequence 1)
- Language
- German
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M ». 137 Jeschurnn. Korrcspondcilzcn und Nuchrilhtcu.! Deutschland. j §§ Hcnrlrover, 24. g-cbruar. Unter bem Ge- 1 fofiic einer unabsehbaren Menschenmenge wurden heute Nachmittag um 3 Uhr die irdischen llcbcrreftc be* allverehncn Herrn Hirsch O p penhei m e r zur letzten Ruheftättc geleitet. Aus dem ganzen Laube war mau zusammengeströmt, dem von Allen gekannten und geliebten Manne die letzte Ehre zu erweisen. Auf dem בית הדברות hielt Herr Landrabbiner Dr bjroiiciiian 11 am Grabe, da die Halle nicht , die ganze Menge fassen tonnte, dem Wunsche des Verstorbenen gemäß eine zwar kurze, aber dennoch nicht weniger schöne und ergreifende Ansprache. An '19 ,1 ינבםדאל ב anlnnpfend, lehnte er zugleich an den Namen des Entschlafenen צבי בר ישראל an, indem er diesen pries, daß er צבי ישראל, eine Zierde Israels, gewesen, daß er, nachdem er das Höheziel der Tugend erreicht, על במותיך הלל jetzt vor uns liegt, er, der als Hoherpriesler der Gottesfurcht und menschlichen Erhabenheit unter uns geweilt, dem seine Freunde und Genossen, vor allem die Armen und Kranken nachweinen. ihm, ihrem Berather und Helfer. Bewegten Herzens vernahmen wir die kurzen Worte des Redners. Nicht bedarf es ja mich langer Rede, um uns den Verstorbenen, sein Leben und seine Thätigteil frisch im Gedächtnisse zu bewahren. Er wird in Aller Erinnerung sortleben, ein Stolz der Alten, für die Jungen ein Muster und erhabenes Beispiel von צדקה und יראת שמים. 0. Berlin, 24. Februar. Man erzählt sich hier, daß der hiesige Kriminalbeamte Herr Höft in voriger Woche in spezieller Veranlassung der Herren Minister der Justiz und des Innern nach Neu stettin gereist sei, um sieh über den Synagogenbrand genau zu insormiren. Ich will diese Nachricht in keiner Weise verbürgen. — Einen recht häßlichen Vorgang, der sich zu Anfang dieses Monats im Schoße des Vorstandes des General-Fechrschul-Bcrbaudes Berlin-Lahr abspielte, wacht daS ״Berliner Tageblatt" zum Gegenstand einer öffentlichen Besprechung und Rüge. Obwohl nüntlich der Verband laut Statt!! ״seine Mitglieder ohne Unterschied der Konfession wirbt, soweit die deutsche Zunge klingt" (Kl), so lud doch der zeitige Verbandfecht- Meister Herr Bernhardi den Fechtmeister Herrn Hin tz mann mit der Bemerkung zur Generalversammlung ein, daß er alle seine Leute, besonders die, welche ein großes Maul hätten, mitbringen solle, um die Juden ״rauszugraneln". In Folge dieser, sowie anderer in der bewußten Versammlung gefallener konfessionell gehässiger Worte, ist fast die Hälfte aller Mitglieder des Verbandes ausgetreten und hat einen neuen Verein unter dem Namen ״Deutscher Fechtverein Berlin" gegründet.! א Frankfurt 6. M, Februar. Der Verein zur Bekleidung israelitischer Knaben hat seinen Bericht über das verflossene Jahr kürzlich erstattet. Derselbe zählt 427 Mitglieder, von welchen in Beiträgen 2035 Mark, in Geschenken 3050 Mark, in Zinsen l 014 Mark eingingen. Es wurden 150 Knaben bekleidet, für welche 4816 Mark verausgabt wurden, außerdem noch extra für Hemden 888 Mart. Bis jetzt würben über- Haupt, d. h. seit Bestehen des Vereins, für 077 Knaben etwa 40 000 Mark verausgabt. An Stelle des ans dem Vorstände geschiedenen Herrn Münzesheimer wurde Herr E. Lehmann, zu Revisoren pro 1881 die Herren L. St. Goar, Moses Plant, Josef Holzmann, zu Ersatzmännern die Herren Jakob Erlanger, A. Mayerseld, Max Nüchel gewählt. ■44־ Tresden, 18. Febr. Gerechtes Aussehen erregte eine Kundgebung, welche das ״Leipziger Tageblatt" im Aufträge der israelitischen Gemeinde zu Leipzig bringt. Dieselbe lautet folgendermaßen: ״In Rücksicht auf eine Anzahl in der Leipziger Kreishauptmannschaft vorhandener Mischehen hat die Vertretung der hiesigen israelitischen Ncligionsgemeinde in ihrer jüngsten Sitzung sich mit i der Frage beschäftigt: ob es zulässig sei, nichtjüdische! Leichen auf jüdischem Friedhofe zu bestatten, falls ein; dahingehender motivirter Wunsch an den Gemeinde-! Vorstand gelangt. Es wurde diese Frage bejahend be-! antwortet, und zwar ans Grund rabbinischer Gutachten."! Man mag sich auf welchen Standpunkt auch immer i stellen, ob Jude oder Christ, darin wird man einig j sein, daß ein solcher Beschluß, von einer religiösen Korporation gefaßt, unerhört erscheint. Also ״in Rücksicht ans eine Anzahl Mischehen" beschließt die Vertretnng einer Neligioiisgemeinde eine neue Bestimmung, welche nicht geeignet ist, dem Ueverhanduehmen der Mischehen zu steuern, sondern vielmehr solche zu befördern. Und warum? Um sich als freisinnig und aufgeklärt zu zeigen. Wahrlich, kein vernünftiger Jude und Christ dankt der Leipziger Gemeinde für diese Neuerung. Die Mischehe wird von jeder Neligionsgenosscnschast als eine Anomalie, als eine Verkennung des Wesens der Ehe und der Religion betrachtet und; beklagt werden müssen. Auch der Staat, welcher der 1 Eingehung einer solchen Ehe kein Hindcrniß bereitet,! ist darum aber doch weit entfernt, solche als etwas; Wünschenswerthes zu erstreben. Sehen denn die Herren in Leipzig nicht, daß sie sich mit einem solchen Ve-; schlnsse lediglich dem Spotte und der Mißachtung preis- geben? Etwas Gedankenloseres ist sicherlich von einem! Kollegium verständiger Männer in keiner Sache jemals ausgegangen.! I1811L. Wiirzlmrg, 22. Februar. Auch Bayern,