Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1884)
- Article
- Amerika : Philadelphia [Nachricht]
- Date
- 1884-02-21
- Page
- 126 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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126 Ich bitte Sie in ständigst, das Kind zu einem frommen Inden zu erziehen, denn dadurch werden Sie unsere heilige Religion ehren, und der allgütigc Gott wird Sie und die Brüderschaft der Bereinigung segnen. — Wenn es irgend möglich ist, so geben Sie dem Kinde eine jüdische Amme, denn es stammt von ehrenwertheu jndischeu Eltern. Sollte sich meine Lage verbessern, will ich mein Kind wieder zu mir nehmen und den Verein entschädigen. Ich hoffe sicherlich, dag Sie, Herr Präsident, meine Wünsche erfüllen werden, und ersuche Sie, dem Kinde den Namen Leb den Nabln Jakob Scharkin zu geben." — DaS Kind wurde einer jüdischen Frau zur Pflege übergeben, und eS wird auf edelmüthige Weise für dasselbe von dem Vereine gesorgt. — Solche Unglückssällc kommen, Gott sei Dank, sehr selten bei uns vor. Jamaica. .Kingston, im Januar. Gegen die Verschmelznng der aschleuasischen und sephardischcn Gemein den ist doch noch ein energischer Protest trotz der Abmachungen (s. Nr.! d. Jahrg.) von Seiten des VorstehcrS der hiesigen englischen und deutschen Synagoge. Herrn Charles Alexander, erhoben worden. Begründet wird dcrselb.׳ mit der Thatsache. daß der Beschlug nicht einstimmig gefaßt sei, vielmehr zwei Fünftel der aschkenasischen Genteinde und viele Mitglieder der sephardisch-portugiesischen Gemeinde sich dagegen erklärt haben. Die ersterc erklärt, daß sie fest bei ihren orthodoxen Prinzipien beharrt und demnächst eine neue Synagoge für ihren althergebrachten Gottesdienst errichten will. Leider scheinen die der Vereinigung Zugeneigten einen ungehörigen Druck ans die Minorität auSübcn zu wollen. Der Schochct, Herr AbiSdid, wurde bis jetzt von beiden Genieindcn besoldet. Die neugebildete fusionistische Gemeinde hat denselben jetzt cngagirl und ihm zur Pflicht gentacht, den sich nicht anschließenden Israeliten keinerlei Dienste zu leisten. David Kaller. Von Nastali Simon. Äileyu’rijte rorl׳c!;altc״. (Fortsetzung.) Simon Feder hatte die volle Wahrheit anSgesprochen, daß außerhalb HochselSbnrgS die jüdischen Breite von einer ganz anderen Lebens- und Weltauschaunng beherrscht waren, als in diesem entlegenen Landstädtchen. Dem Nabbiucr war cS freilich nicht unbekannt, daß das Studium der GesetzcSlehre vcrnachlässigt und die gewissenhafte Beobachtung der Neligions- Vorschriften ״draußen" nicht mehr jo geübt wurde, wie ehedem, und der tiefer blickende Rabbi Mordche gewahrte in seinem friedlichen Stndirzintmer die mächtig wirkende Strömung der Zeit und fühlte feine Ohnmacht, derselben einen Damm cntgegenzu stellen. Simon Feder hütete sich auch wohlweislich, bei den nicht allzuhäufigen Besuchen, welche er seinem Schwiegervater abstattete, sich eingehender über die Bewegung anSzusprechen, welche die ganze deutsche Judmheit erfaßt hatte. Huldigte doch er selbst einer Richtung, mit welcher er sich im Gegensätze zu dem Vater seiner Frau wußte und hatte LebcnSgewohnhcitcn angenommen, deren Keimtniß dem von ihm hochgeschätzten Manne ein schweres Herzeleid bereitet haben würde, Nicht wenig überraschte ihn die Rede des ernsten und frommen Gelehrten, in welcher er eine Hinneigung zu der Ausklürung der Neuzeit zu erkennen glaubte, und er gedachte in dem Lehrer seines jugendlichen Schwagers eine wirksame Unterstützung zu finden, um David dem Einflüsse der finstern mittelalterlichen Anschauung, wie er den im Haller'schcn Haust herrschenden Geist nannte, zu entreißen. Nicht als ob er zu der sich kürzlich in Thalborn gebildclcn Refvrmgcmeinde gehörte. Im Gegcnthcil, er zählte zu den frömmsten Mitgliedern der jüdischen Knltnsgemeindc und vertrat in dem Vorstände das konservative Prinzip. Und gerade dieses kräftige Einstchcn für den Konservatismus hatte ihn in den schroffsten Gegensatz zu dem Vetter seiner Frau, dem angesehenen Advokaten Wilhelm Marlow, gebracht. Während Feder, ein begeisterter Verehrer des Rabbiners 1)1׳ Samuel Bnrgwald, durch seine einflußreiche Stellung als Chef eines bedeutenden Bankhauses und Präses der Gemeinde, für einen gemäßigten Fortschritt aus dem Boden der geschichtlichen Entwickelung, wie Di׳. Burgwald seinen Standpunkt kennzeichnete, eifrig und crjolgreich thatig war, strebte Marlow, welcher die Bestrcbungen seines Vetters als schwächliche Halbheit verachtete, eine durchgreifende Reform des JudenthumS an, um das der allen Religion gänzlich entfremdete Leben in! Einklang mit dem ״reinen Judcnthume" zu bringen. Er war dex Begründer des Tempels und der Neformgcnosstnschaft. Und in einem, wenn auch nicht so scharf anSgeprägten gegensätzlichen Verhältnisse stand er zu seinem Oheim, dem Bruder seiner Mutter, Abraham Grobnauer, welcher im Besitz der sogenannten Klausnerstelle war, einer von dem Urgroßvater Feder'S errichteten Stiftung, deren Zinsen zun! Lebensunterhalte eines Gelehrten, der keine andere Verpflichtung dagegen zu übernehmen hatte, als sich gänzlich dem GcsetzcSstudium zu widmen, dienen sollte. Rabbi Abraham Grodnaucr war ein tüchtiger Gelehrter, welcher außer seiner speziellen heiligen Wissenschaft sich einige profane Kenntnisse äugeeignet hatte. Er wußte sich Ln der deutschen Sprache