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Jeschurun · 1884-02-21 · Heft 8 (21.2.1884) · p. 124

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 8 (21.2.1884)
Article
Österreich-Ungarn : Steinamanger [Nachricht]
Date
1884-02-21
Page
124 (sequence 2)
Language
German
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124 Bruder und fein Neffe domizilircn hier, der Eine als Advokat und der Andere in weit!weniger angesehener Stelkuug, aber bisher Halle er trotzdem!eine Neigung gezeigi, sein Nuhme-5 ONandat mit dem der Stadt Steinamanger zu vertausäien. Erst setzt, nachdem der bisherige Abgeordnete des hiesigen Bezirkes, der gewesene Jnsiizminister Balthasar Horvath. mit aller Ent׳ schiedenheit erklärt hat. das Abgeordneten Mandat seiner zerrütteten Gesundheit wegen absolut nicht mehr anznnehmen, spricht man hier davon, daß Herr Jsloezy versuchen will, nunmehr anstatt von bäuerlichen Wählern, von etwas intelligenteren in das Abgeordnetenhaus entsendet zu werden, sicherer Voraussicht nach werden für den Steinamangerer Wahlbezirk im Monat Mai nicht weniger als vier Kandidaten austrcten. Einer derselben ist der hiesige hochachtbare Advokat Eredics, ein Mann, welcher anS der Mitte der hiesigen Anteil!- gen; sehr vorthcilhast hervorsticht. ErcdieS soll der Kauvidat der Regierungspartei werden, und cS ist bezeichnend für die ganz Ungarn beherrschende antisemitischc Strömung, wenn cs allgemein heißt, daß der Kandidat der Negierung weniger Chancen hat, als der letzte antisemitische Kandidat. Antisemitische Kandidaten wird eS nämlich drei geben: I st o cz y, P a z m a n d y und — last not laast — Joseph Tama ssh. Man sollte nun meinen, daß, wenn schon Steinamanger die hohe Ehre genießen soll, von einem Antisemiten vertreten zu werden, der -Häuptling der Antisemiten, Viktor Iste-ezy, die meisten Aussichten habe, gewählt zu werden. Dein ist jedoch nicht so Ta ist zuerst der der 111ml)-׳ hängigkeitspartei angehörende DionyS Pazmandy, welcher zwar zumeist in Wien spazieren geht, aber Geld genug verwendet und seine Agenten, welche sehr fleißig arbeiten, gehörig instruirt. Bor Pazmandy kommt aber noch der Antisemit Jowph Tamassy. ES dürste Ihre ist'ser einigermaßen in Verwunderung setzen, wenn sie ver׳- nehmen, daß hier, in der engsten Heimat!) Jstoczy'S, sein Antisemitismus als die reinste Kinderei betrachtet wird, wenn vom Antisemitismus des Herrn Joseph Tamassy die Rede ist. Dieser Herr hat sich sogar ein eigenes Organ gekauft, um die Inden journalistisch todrp.ischlagen. ,,Yasmogvoi K&zlöny“ heißt dieses Blau, in welchem Herr Tamassy seine Wahl vorbereitet. Das Alpha und Omega -er Verwünschungen Tamassy's ist, daß die Juden die Agrar-Nänbcr Ungarns sind, daß sie allen Grundbesitz an sich reißen, von Van-wirthschast - aber keine Idee haben und so den Boden verwüsten und die Grundbesitzer vernichten. Hier muß ich jedoch, zur Illustration des Agrar׳ AnlcseminSmus des Herrn Tamassy Einiges erzählen, was so interessant ist, daß Sie mir diese Abschweifung gern verzeihen werden. Herr Tamassy besitzt in der Nähe Stcinamangcrs ein Gut im Ausmaß von ungefähr achthundert Joch, welches ihm seine Großmutter vor acht Jahren gekauft hat. Tamassy ist ein junger Mensch, der seinen Kopf nicht mir allzu viel Studien beschwert hat, verstand von Vandwirthschast absolut nichts, obwohl er ein Jahr lang auf cincm Gute in Lepscny weilte, und halte seinen Besitz Jaak in wenigen Jahren so heruntergebracht, daß er absolut nicht mehr zu halten war, da er nicht nur keinen Heller Ertrag lieferte, sondern noch Unkosten verursachte. Tic Felder lagen brach; eS war kein Vieh, kein Dünger, kein Samenkörn, kein Gerät!) mehr vorhanden, die Wirthschast glich einer Wüste, und Herr Tamassy besaß also ein Gut, welches ihm gar nichts einbrachte. Nun kam ein ganz gewöhnlicher, ungehobelter Jude zu ihm und nahm diesen Besitz in Pacht. Tamassy erhält jährlich 5000 fl. und lebt sorgenlos. Er war früher kein Antisemit; er wurde dies erst, als er gewahrte, daß der jüdische Pächter aus der verlotterten Wirthschast jährlich 10 000 fl. heransseblage. TaS wurmte Herrn Tamassy, und iveit der Mensch doch am Ende auch etwas sein muß, wurde er Antisemit. Wie eS bei den Wahlen im Mai bei nnS zngehen wird, davon liefern die bisherigen Agitationen bereits ein lebhaftes Bild. Antisemit wird gegen Antiscmit austreten, cs wird Prügel in Hülle und Fülle geben, aber der sic bekommt, wird wahrscheinlich der Jude sein. H o l l a u d. 3;Rotterdam, 15. Februar. Zur Unterstützung der jüdischen Armen finden hier, wie bei den übrigen Konfessionen, jährlich fünf Kollekten statt, jcdc-S Viertelfahr eine, außerdem auch noch eine Winterkollcktc. Die Stadt ist zu diesem Zwecke in eine gewisse Anzahl von Bezirken cingctheilt, und von Seiten der Armen- Verwaltung der Gemeinde werden die Mitglieder der Gemeinde jedes Jahr aufgcfordcrt, sich zum Abhalten der Kollekten zu melden. ES ist das eine alte Einrichtung, die sich zwar überlebt hat, an der aber noch sestgehatlen wird; die Ergebnisse der Sammlungen sind im Verhältuisse zur Größe unserer Gemeinde und zur Zahl der Sammlungen denn auch ungenügende. ES dürste sich deshalb wohl empfehlen, einen Verein zn gründen — nicht einen der bekannten ,.Armen- Vereine", Sie haben die Bedenken gegen dieselben jüngst treffend gezeichnet — sondern, von unserer Armen-Verwaltnng ausgehend, einen Verein, welcher in monatlichen ׳Raten bei den Mitgliedern die Beiträge zur Unterstützung der Armen durch seinen Boten einkassiren läßt. Ohne Zweifel würden unserer Armen- Verwaltung dann ganz andere Mittel zu Gebote stehen. — In der kürzlich abgehaltenen JahreS-Vcrsaminlung dieser Verwaltung mit den Kollektantcn wurde konstastirt, daß von den 200 Kollektanten durchschnittlich nur

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