Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1884)
- Article
- Deutschland : Hannover [Nachricht]
- Date
- 1884-02-21
- Page
- 121 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M 8. Jeschurmr. 21־1 Korrcspo!!dk!!zcn r!1!d Nachrichten. Deut s ch s a 11 d. # Hnrnrovvr, 19. Februar. Die ״Rstme Prcnßischc (Kreuz-)Zeitung" dringt in iljver Nr. 32 einen Arttkel unter der Ueberschrisl: ,,Bon der Allianee israelite". in welchem von einer ״im iicfftcn Gehei mn iß" zu Wien am 91. Oktober v. I. getagten Versammlnwu berichtet und namentlich auf die Gefahren hingcwiescn wurde, welche dem galizischen christlichen Bürgerstande drohe, wenn die Beschlüsse der Konferenz zur Hebung der jüdischen Zustände Galiziens iu's Leben treten würden. Wir haben 1111$ an Herrn Üiiitci־ v. Werlheimer in Wien, als Präsidenten der Wiener israelitischeu Allianz, um Aufklärung dieser angeblich höchst gchcimnißvollcn Zusammenkunft und der so gefahrvollen bedrohlichen Beschlüsse gewendet und erhalten ri<lt,o. 10. d. Mts. die folgenden Mittheiluugen: Ans Anregung des Herrn Wilhelm Ritter v. Gut mann zu Wien hatten sich verschiedene Notabilitälen zn einem nnorganisirten Komitee zunächst in Koblenz zusammengefunden, um über jüdische Angelegenheiten Besprechung zu pflegen, aber weder die ״Israelitische Allianz zu Gien" noch irgend eine ״Alliance" als solche war daselbst vertreten. Die Sitzungen dieses Komitees waren durchaus nicht geheim, was schon daraus hervorgeht, daß sowohl die von demselben erlassenen Einladungen, als auch die in den Sitzungen ad reffTeudum gefaßten Beschlüsse antographirt wurden. Diese sich zunächst mit der Hebung der Kntturznstüude unserer gatizischen Glaubensgenossen befassenden Beschlüsse sind so harmloser Natur, daß selbst das böswilligste Auge nichts Gefährliches darin entdecken kann. * Berlin, 14. Februar. Zu Anfang voriger Woche hatte der hiesige amerikanische Gesandte, Herr Sargent, miserm Auswärtigen Amt die Beschlüsse zngcstellt, welche das Repräsentantenhaus der Bereinigten Staaten in Washington zu Ehren des verstorbenen Abgeordneter! Laster angenommen hatte. Der Herr Reichskanzler hat jedoch, statt, wie jedenfalls erwartet worden, diese Beschlüsse dem deutschen Reichstage zu übermitteln, sic an den Gesandten von Eiseudecher zurückgehen lassen, sic dem Washingtoner Ausrvärtigen Amt zur Rückgabe an das dortige Repräsentantenhaus ansznhändigen. Der Abgeordnete Laster, so soll die Begrüudung lauten, habe hier durchaus nicht eine so hohe Stellung eingenommen, daß ein derartiges ihn auszeichnendes Dazwischentreteu des Reichskanzlers angezeigt erscheine. * Bonn, 8. Februar. Die Stadtverordneten- Versammlung hatte unter dem 4. v. M. dem Rabbiner Or. Cohn die Befreiung von der ÄommunLksreuer (gleich den christlichen Neligionsdienerii) zugestandeu. Der ..Deutsch. Neichsztg." zufolge ist dieser Beschluß, als dem Gesetze widersprechend, von der Regierung zn Köln lassirt worden. " Frankfurt a. M., im Februar. ״Allzuviel ist ungesund", bemerkt bitterbös die ״Germania" in Folge einer Notiz des ״Frlf. An;.", nach welchem von den 42 am Ober-Landesaerichte in Frankfurt beschäftigten Referendaren 97 Juden sein sollen.;0! Statt in, 1 7. Februar. Für die Vorhandlung in Sachen des Neustettiner Synagogenbrandcs sind die Tage vom 29. Februar an definitiv vor dem Schwurgerichte in Könitz festgesetzt. Die Berthcidiguug liegt in den Händen der Rechtsanwälte Sello, 9)1 a i 0 w e v (Berlin), S ch e 11 n c m a n n (Rcnstcttin), M e i b a 11 c r (Könitz); die Staatsanwaltschaft wird vom Staatsanwalt Schling mann geleitet; als Präsident fnngirt Landgerichtsrath Arndt ans Danzig. l^. ^|und)CH, 9. Februar. Die Abgeordnetenkanlmer bewilligte I-lrUM Mark zur Aufbesserung der Rabbinatsgebällcr. — Se. Majestät der König hat behufs Aufbringung der Kosten für die nothwendlgc Instandsetzung bcr. Synagoge in Kleinwall st a d 1 (Unterfranken) eine Kollekte in sämmrlichen Synagogen des Königreiches, mit Ausnahme von Untcrfranken und Aschasscnburg, wo bereits zn gleichem Zwecke eine solche stattgesnnden hatte, zu genehmigen geruht. Oe st erreich-U ngarn. F. Wien, 1 9. Februar. Der österreichische Reichsratl) war am 12. d. Mts. wiederum veriirthcilt, eine Kapnzinade des tapferen Ritter v. Schönerer mit an;111)0nn. Derselbe sprach über den Tisza-Eszlarer Poozeß und schloß mit der Proklamation, daß, ״insolangc die Leiche der Esther Solymosi nicht anfgefnndcn, die Inden Schuld an diesem Morde sind." Er vcrsprach auch, nicht zn ermüden und nicht zu ruhen, bis der Antisemitismus das Glaubensbekenntnis; der öfterrcichischen Bölkerschasten geworden sei, und prognostizirtc dem nächsten stteichstage einen antisemitischen Zuwachs. — Hoffentlich erweist sich diese neueste Rodoinontade des Herrn von Schönerer als eitel Aufschneiderei. 2 Lembercz, im Februar. Sie haben über die iu einem hiesigen Kloster vollzogene Taufe eines seinen Verwandten entflohenen jüdischen Mädchens bereits berichtet. Der hier erscheinende ״Israelit" -knüpft hieran eine sehr begründete Erwägung, welche auch in weiteren Kreisen zu beherzigen sein dürfte. Er macht ans den Gegensatz aufmerksam, welcher zwischen dem Volljährigkeilsaller und dem Alter zur endgültigen Entschließungüber einen ReligionSwechscl besteht. Zu allen Rechts- Handlungen und zur Eingehung von Rechtsverbindlichtesten verlangt unser Gesetz die Volljährigkeit, d. i. die