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Jeschurun · 1884-02-21 · Heft 8 (21.2.1884) · p. 117

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 8 (21.2.1884)
Article
Auch ein Zeichen der Zeit
Date
1884-02-21
Page
117 (sequence 2)
Language
German
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117 daß solch ein — niedliches Blatt mit ihnen zusammen geht. Doch ist dies vielleicht weniger auffallend, da ja die kleine ״Wahrheit" mit ihrer allerdings etwas heiseren Stimme mit ciaftiiumt in das schöne Lied von . der Unterdrückung der armen Christen durch die dösen,! dösen Inden. Der Titel ״Wahrheit" ist von dem Herausgeber des Blattes sicherlich nur euphemistisch gebraucht, und er wollte so gleich von vornherein einen Witz inachen. Das einleitende Gedicht nebst Illustration ist reizend. Rührend ist das Bild, welches der edle . judcnfcindlichc Poet vor unsere Augen zaudert, und tiefes Mitleid mit den armen, geknechteten Germanen beschlich unsere Brust, als wir lasen, daß Alles, Alles sich vor JiidcDs Söhnen beugen muß: ״Inden herrschen in den Kammern — der germanischen Philister — Inden in den Kabincten — Juden über die Minister." Ich vergoß Thränen, als ich so vernahm, daß Puttkamer und Goßler Judendiencr seien. Ja, nicht nur die Kammern, die doch immer noch ans der Wahl des geknechteten Volkes hervorgehen und so einen jüdischeu Karakter tragen müssen, nein, unser Adel selbst beugt sich vor Israel: ״Unsre Ritter, unsre Großen — Wandelnd in der Inden Schuhen — Spekulirend und verarmend — Füllen sie der Juden Truhen." Schrecklich, aber auch merkwürdig! Denn ans der anderen Seite lesen wir: ״Zn welchem Stande soll der Jude zählen? Unbedingt za dem Adel. Denn die Juden betrachten sich als der natürliche Adel der Menschheit. Nur schade, daß ocr deutsche Ade! anders denkt." Wer versteht das? Ein ״gcheimnißvollcr" Witz! — Wozu aber soll ich das ganze Geschreibsel dieses Blattes anführen; ich will damit nicht die Spalten des ״Jeschnrnn" verunzieren. Als Kennzeichen der ״Wahrheit" dienen einige herrliche Sprüche, der Rubrik ״Gedankensplitter" entlehnt: ״Deutschland gleicht einem Stall mit goldenen Kälbern." Ich glaube, der Herr Redakteur wird der Einzige sein, der über dieses entsetzliche Geistcsprodnkt lachen wird, ebenso wie über folgende Sätze: ״die Kouponschcere ist das Skalpirinesscr der Inden." ״Die Börse!stcicht einem Galgen, bei welchem die Kcavatte als schlinge hängt." Diesen Worten noch etwas hinzuznfügcn ist wohl unnöthig. Den Glanzpunkt der Probenummcr aber soll jedenfalls eine vier i11׳ Tyrolcrkostüm tanzende und springende Inden mit entsetzlich langen Händen und noch längeren Füßen darstellende Jllnftration fein, welche die sinnige Unlcrschrifl trägt: ״Und hait i)t Fastnachts Dienstag — Gort der Gerechte, die Fraid! — Und hait Abend sein mer Tyroler — Und morgen wieder nns'rc Lait. — Holdrio!" Die scheußlichen Inden! ja. wenn Sie. verehrter -Herr Redaklcnr der ״Wahrheit", Käse, sich entschließen könnten, sich für einen Abend Ihrer segcnsvollcn Thätigkcit sür Deutschlands Wohl zu entreißen und auf einem Maskenbälle unter der Maske eines tapferen Ritters zu erscheinen, wären Sie dann am nächsten Morgen etwas anderes, als der Herr Käse, der doch mit einem tapferen Ritter absolut keine Achnlichkcit hat. — Doch, genug! Das also ist die Zeitung, die cs wagt, den Titel ״Wahrheit" zu tragen, die uns will ״das Richtige weisen —- Was löblich ist. preisen — Den Mnthigcn stärken — Bei wackern Werken —" u. s. f. — Eine Schmach und eine Schande ist cs, daß solch ein Blatt, welches mit Lchimpsworten und albernen Bemerkungen, wie sie bisher kaum in den niedrigsten, rohesten Greifen der Bevölkerung gemacht und belacht wurden, und von denen sich jeder wahrhaft Gebildete mit Verachtung abwenden muß, mit kläglichen Machwerken, deren Pointe im Nachäsfen des sogenannten ״Manschclns" besteht, Versen, nach Form und Inhalt kaum der Aufnahme in ״Der kleine Deklamator in der Westentasche, oder:! 00 schöne Gedichte. Preis 25 Psg." würdig, vor das Publikum hiilziltrctcn wagt, vier Jahre taug bestehen kann. Das ist wahrlich ein trauriges Zeichen der Zeit! Doch warum in Entrüstung geruthcn? Regen, wir uns über nichts mehr ans! Wundern wir uns über gar nichts mehr! Selbst nicht, wenn nächstens Herr Käse cinsicht, oaß Messing in seinen Werken doch eigentlich ans einem überwundenen Standpunkte steht, und eine Umarbeitung der Dramen beschließt. Wenn etwa Rathau der Weise, als ihn Saladin allein läßt, demselben ein paar Schnincksachen stiehlt, und der Schluß in diesem Schauspiele vielleicht durch die Entdccknng des überaus braven Patriarchen oder des überaus klmzcn Klosterbruders herbcigcführt wird, daß der Jude den Brand seines Hauses der hohen VersicherungSsnmmc wegen selbst herbcigcführt hat. Nur zu, Herr Käse, versuchen Sie cinmni etwas Derartiges und es ist unsere traurige Ucbcrzcngung, daß es Menschen gicbt, die auch einen: solchen Unternehmen ihren Beifall nicht versagen würden! Eine A1!regn1ig. ft. Mit diesen Zeilen inöchten wir uns Vorzugsweise an den kaufmännischen Theil des Leserkreises dieser geschätzten Zcilschrist wenden; wir wünschen, die Aufmerksamkeit desselben aus ein Moment zn richten, welches, wie es uns scheint, viel zn wenig Beachtung findet, und von dessen Berücksichtigung wir uuS immerhin einige Besserung nnscrcr religiösen Zustände versprechen. Ob tind wie viel wir erreichen, ist nicht unsere Sache; wenn wir mir überall unsere Schuldigkeit thnn, und das sollen wir ja in all den mannigfachen Schattirungcn unseres Lebens und Strebcns, dann dürfen wir den

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