Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1884)
- Article
- Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
- Date
- 1884-02-14
- Page
- 109 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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109 meine gegen mangethaste Matrikeln und schlechte Schulen überhaupt? So;׳;ehe die Negierung den! AntiseiniriSmuS neue Nahrung, welcher jetzt in drei ganz vcrschiedene Zweige sich!heile. Die eine Gattung werde in den Dörfern vom Pöbel mit Feuer und Schwer! gemacht, die andere von gewissenlosen Agenten und Konvent ikeln, die dritte von der Reaktion. -- Gras A p p on t) i erklärt, daß er sowohl von! politischen wie von! tnoralischen Standpunkte aus den AntisemitiSinnS als den Grundsätzen des EhristenthnmS Hohn sprechend verdamme. — — Die äußerste Linke hat ein Wahl׳ manifest erlassen, in welchem sie behauptet, die Inden verdienten nicht die Emanzipation, sie sollten veranlaßt werden, ihr Glanbensbckenntniß feierlichst zu proklamiren und sich loösageu von allem, was der Asstmitirnug ihres Wesens mit den Magyaren im Wege stehe. Rumänien. 7j. Bukarest, 8. Februar. Die hierländischen Zustände gestalten sieh immer trüber; die jndenfcindliche Haltung der maßgebenden Kreise ist durch die im Auslande so gewaltig sich bemerkbar machende, gehässige Strömung neu befestigt worden. Man hat sich ja nicht zu schämen der Judcnbcdrücknng. man braucht nicht zu fürchten, daß der europäische Äreopag sieh gegen die rumänischen pharaonisch - bamanischen Jndenverfvlguugen wiederum anssprechen und das Belgien des Ostens, wie wir gern unser junges Königreich neunen, wegen derselben zu den unzivilisirten Rindern wirst, da - wir uns ja aus berühmte Muster dafür berufen können. Ist Rumänien schlechter als Rußland, die edle rumänische Nation ungebildeter als die deutsche, sind die Parlamentarier in Bukarest roher als die ungarisch-österreichischen? Ignatieff an der Newa, Treitschke, Wagner und Stöcker an der Spree, I st oezy, O n o dy, B c rh o v ay, S chö n erer an der Donau — die decken uns an der Dumbowitza vollkommen; also auf, ihr wackeren DatoRomanen, was zögert ihr, auf zur Vertilgung der Juden! Was habt ihr zu berücksichtigen, daß die Juden Industrie und -Handel gepflegt und dem Nationalwohlsiande mächtige Dienste geleistet, so lauge ihr sie nicht geknebelt, so lauge, ihr der jüdischen Hand keine Fessel angelegt und dem jüdischen UnternehmnngSgcistc keine Bollwerke entgegen ausgerichtet habt; was braucht ihr euch zu erinnen!, daß der Jude gerade so früh wie ihr selber in das Land zwischen Donau und Karpathen gekommen ist, ihr seid die Mächtigen, also vernichtet sie! — Wir fiitb aber ein zivilisirt׳׳r Staat und bringen Alles in d'.e moderne konstitutionelle Form; wir haben Präfekten und Kammern, sogar ein Unter- und ein Oberhaus,! und Ministerien; Alles muß seinen geregelten ordnungS-! mäßigen Verlaus nehmen, auch die Jndenvertilgung.! O, das verstehen wir meisterlich. Da bringen wir ■ setzt ein neues Gesetz ein, es führt den unschuldigen! Titel: ״Zur Regelung deS HausirgewerbcS." Aber - dasselbe ist ein gar festes und dauerhaftes Seil, bamit j schnüren wir einigen tausend der verhaßten Juden den 1 Ha!S zu, — probat um esl, Wir lassen sie schreien ' und Petition ircn, wir machen unser Gesetz fertig; Mini-; [lerimu, Unterhaus und Oberhaus thuu ihre Schuldig-! feit und die Prä selten besorgen das Weitere. — WaS I sollen wir beginnen? Wir haben es mit der AuS- I Wanderung versucht, wir wollten rumänische Juden« ׳ kolonien im heiligen Laude gründen, — cS ist unS - »!ißlungcn. Die Gestaltung, welche die Dinge in j unseren Kolonien jetzt genommen, und wovon in dieser! Zeitung bereits berichtet ist. kann höchstens die armen! Kolonisten vor den! Hungertode retten, — wir kommen! aber nicht weiter. ES bleibt uns noch daS Einzige ' übrig, das -Handwerk unter unS auf's Neue zu beleben.; Und zu diesem Zwecke hat sich bereits ein Verein gc-! bildet; mögen sich recht viele demselben anschlicßcn. ES; gab eine Zeit, da lag daS -Handwerk in Rumänien fast s ganz in jüdischen -Händen; wir wollen unsere Kinder ' ihn! wiederum;!!führen. Dieses erscheint in der gegenwärtigen 'Situation als das geeignetste NettungSmittcl. Wir wollen nicht daran denken, daß auch dieselbe -Hand,; welche unS den redlichen -Handelsbetrieb, der zum Segen für daS gewöhnliche rumänische Volk gewesen, nimmt, unS die Ausübung des Handwerks in den! Augenblick; erschweren kann, sobald nur cS darin zu etwas gebracht; haben werden. Wir können und dürfen nicht daran : denken; wir haben unsere Zuversicht auf den Hüter! Israels zu setzen, der unS beistehen und nnS retten; wird aus der Hand unserer Feinde, wie er eS ver- ' heißen und bewährt hat während der Jahrtausende , unseres Golnß. David Kaller. Von Mflali Simon. י- Alle Rcchre Vorbehalten, ^vnsctznng.) In wachsendem Staunen hatte die ganze Versammlung den Worten des ehrwürdigen Gelehrten gelauscht, — nur Wenige verstanden den Sinn seiner Rede, nur Wenige halten eine Ahnung von der Angst : und Sorge, die in derselben zun! Ausdruck rangen. Von seinen Gefühlen überwältigt hatte er nw.egchatten. — ״ Such; Euch einen besseren, einen weiseren! Lehrer für unseren David, Rabbi Joseph; dasjenige.