Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1884)
- Article
- Österreich-Ungarn : Preßburg, 3. Februar [Nachricht]
- Date
- 1884-02-14
- Page
- 108 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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/ 108 abermals verhandelt worden ist. Die Majorität hat sich dem Vorschläge obiger Sektion - Znrücksendnng des Nckarscs an das Ministerium — angeschlossen. — Mit großer Spannung wird dem Ausgange obiger Asfaire entgegengeschcn. V. Prestburg, 3. Februar. Donnerstag Mittag verstarb hier R. Benjamin Steiner im Alter von 87 Jahren. Der Verstorbene, aus Komorn gebürtig, war volle 7>7 Jahre an der in hiesiger Gemeinde bestehenden Talnnrd Thoraschnle altc> *בזלפזד thätig; während seiner ruhmvollen Thätigkeir zeigte er sich als einer der besten Jngendbildncr. Der größte Thcil der hiesigen Gemeinde, sowie die meisten Rabbiner Ungarns, an deren Spitze der hiesige Herr Oberrabbiner, (nach einer Version sott auch der verstorbene Dberrabbincr einer seiner Schüler gewesen sein) zählten;n seinen Schülern. Bor acht Jahren trat der Verblichene von feinem Amte, da er sich für dasselbe schon zu schwach fühlte, nachdem er penfionirt wurde, zurück. Bor einem halben Jahre wurde er von einer hartnäckigen Krankheit ersaßt, welche ihn ans das Krankenlager warf, von dem er sich nicht wieder erheben sollte. Der Vcichcuzng gestattete sich zu einen! sehr imposanten. An der Bahre hielten sein Schwiegersohn, Herr D. Grünberg, der ebenfalls als הלמד thätig ist, und der hiesige RabbinalS-Assessor Herr Juda Frankfurter — der Herr Dbcrrabbiner war wichtiger Angelegenheiten halber abwesend — tiesergreiseude Trauerreden. ,הנ׳יצ׳׳ב׳׳ר. AV. Prag, im Februar. ״Der Satte glaubt dem Hungerigen nicht," sagt ein altes Sprichwort. Und in der That, wenn Jemand seiner Existenz und Ehre durch einen Zweiten verlustig gemacht wird, so kann dies bei einem Dritten höchstens ein Kopsschüttelu, Stirnrunzeln und Achselzucken heworrnsen. KeineswegS aber verspürt er die Vust, sich in die Lage des Gekränkten zu versetzen, um ihn, wenn möglich, ans der unerquicklichen Situation zu befreien. - Gras Taasfc. der cS wahrlich am allerwenigsten von Nöthen harte, kam nun dnr-ch׳ die gegenwärtige Staatssvracheu- Debatte in die Versuchung, den Spruch: ״der Jude wird unter allen Umständen todtgeschlage׳.׳.," der in der andern Rcichshälfte dem Gedächtnisse der Nachwelt, daß er bei Gott ja nicht vergessen werde, durch Thaten cingeprägt wurde, dem vollsten Inhalte nach zu würdigen. ״Nichts ist gewisser — soll Graf Taasse geäußert haben — als daß, wenn ich eine Vorlage gemacht hätte, die deutsche Sprache als Staatssprache zu erklären, nicht die Ezcchen, sondern die Herrn Deutschen, welche aus der linken Seite des HanseS sitzen, mich deS VerrathcS am Reiche zeihen würden, weil ich nicht außer der deutschen alle anderen Sprachen überhaupt ionfiSzirte, oder — ich stehe für nichts — weil ich kncht die czechische Sprache zur Staatssprache gemacht habe. Der Jude!vird unter allen Umständen todtoeschlagen." *U* Pest, ll. Februar. Die Judensrage sti in Ungarn zu einer brennenden geworden; sie bildet den Mittelpunkt des politischen Interesses; sie wird die Parole für die nächsten ReichstagSwahlen fein. Aus den jüugüeu RcichStagsverhaudlungen sind in der Kürze folgende Ausführungen für uns von besonderem Interesse. Der Abgeordnete Ernst MczN) rief Jstoczh unter dem Beifall deS Hauses zu, daß der antisemitische Herr sicherlich den Fluch seiner VolkSthümlichkcil empfinde,;venu ans dem sengenden und plündernden -Haufen der Ruf ״Eljen Jstoczh" erschallt. — Moritz Jokai wendete sich gegen den radikalen Dcpnlirtcn Hermann, welcher von den Inden das ^oSsagen vom Pentateuch verlangte. Die lehren der fünf Bücher MosiS bilden aber die Grundlage des EhristenthumS. Und was den Schulchan Arnch anbetrisft, so habe er ihn in einer Uebersctzung gelesen und müsse bezeugen, daß in demselben nichts enthalten sei, was mit der gesellschaftlichen Ordnung im Widerspruche stehe. Dem Staat ginge es nichts an, wenn der orthodoxe Jude sich nach ihm richte. Und warum sollten die Juden nicht Jerusalem bctrauern? Er sehe keinen Unterschied zwischen der Verehrnng NomS seitens der Katholiken und der Verehrung Jerusalems seitens der Juden. Jede Religion sei gut, und ein Tropfen göttlicher Barmherzigkeit seliger, als ein Meer menschlicher Weisheit. In Fragen der GewisseuSfreiheit solle jeder sie! sein, denn diese sind wichtiger als die ganze Politik. — Ignaz Helf!) spricht von den wahnsinnigen, sich widersprechenden Behauptungen der Judenfeinde. WaS immer die Juden unternehmen, man überhäuft sic mit Schimpf. Erwerben sie Grundbesitz, so soll die ^andwirthschaft durch sic bedroht sein, — halten sie ihr Geld mobil, so schilt man sie Fremde, die kein Interesse am heimischen Boden fesselt, senden sic ihre Kinder in die Schulen, so schreit man, daß sie die Ehrisienkiuder daraus verdrängen, — unterlassen sie solches, so wirst man ihnen vor, daß sie sich absondcrn wollen. Karl Eötbös zeigt, wie die Indenfrage durch die anfänglich laue Haltung der Regierung zu einer so gewaltigen Bedeutung geworden fei. Er stellt den Borwurf, daß die Matrikelsührung der Juden vielfach mangelhaft sei, die Thatsachc gegenüber, daß auch in manchen Gegenden die christliche Listenführung; eine schlechte sei; der Pope sei oft gerade so unfähig! dazu, wie mancher Rabbiner; und doch spreche die Re-! gicrung nur von der schlechten jüdischen. Ebenso in! Betreff der jüdischen Winkclfchnlen. Aber von den; unzähligen christlichen Gemeinden, in welchen gar keine * oder sehr schlechte Volksschulen feierst davon schweige i man. Die Negierung wolle Spezialgcsctzc in dieser! Beziehung gegen die Inden erlassen, warum ntd;t allgc-