Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1884)
- Article
- Deutschland : Stettin [Nachricht]
- Date
- 1884-02-14
- Page
- 107 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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107 erblödete sich nicht, nach der UrthcilSsprcchnng folgendermaßen zu schreiben: ״Daarme Volk ist so von der Angst erfüllt vor den frech sich vordrängendcn Juden, daß jüdische Verbrecher straflos anSgchcn können, weil kein Deutscher eine Anzeige wagt. Dies eine Verbrechen ist nun gesühnt, aber ist das arme geknechtete deutsche Volk dadurch befreit? — Und wenn wir die Juden unter Sondcrgcsctze stellen wollen, so geschieht dienicht zu unserem Schutz, sondern zu einer heilsamen Erziehung des verlotterten Volke- Israel. — Dasogenannte ״finstere" Mittelalter war sehr hell und klug, als cda- ״Volk Gottes״ in Ghettos sperrte. — Wir haben nun keine Ghettomehr, leider!" Und diese Hetzschrift: ״Der Ncustettincr Synagogen׳ brand vor Gericht" ist stark verbreitet und in manchen Kreisen mit inneren: Behagen gelesen worden — da sollten wir nicht besorgt sein dürfen, da könnte euns gleichgültig lassen, wie der Konivcr GcrichtSsprnch aussällt?! \\\ Altona, 5. Februar. Am Sonnabend Abend hielt der hiesige israelitische FleischvcrtheilungSverein von 1815 seine Generalversammlung. Das Resultat de- Jahres 1683 war ein recht günstiges zu nennen. Ich berichte Ihnen gern von Zeit zu Zeit von den hier und in Hamburg e^istircnden Vereinen, um Ihren Lesern zu zeigen, was hier und in Hamburg in dieser Hinsicht geleistet wird. Denn ich glaube sicher, daß, was WohllhätigkcitSvcrcinSwescn betrifft, diese beiden Städte fast einzig in Deutschland dastchcn. Es nrag - dievielleicht daher rühren, daß von jeher Hamburg und Altona von armen (Slancittni stark gefüllt war. Mögen sich andere Städte daran ein Beispiel nehmen! * Sirinotschin (Posen'), 5. Februar. Der ״Pos. Ztg." schreibt man: In der Nacht vom l. zum 2. d. M. sind die Opscrkästcn in der hiesigen evangelischen Kirche und in der Synagoge bestohlen worden. Den Recherchen de- Königlichen Gendarmen Mamhey gelang eS, den bereits mehrfach bestraften, unter Polizeiaufsicht stehenden Arbeiter Karl Ehlert an- Jaktorowo als Thätcr zu ermitteln. Nach längerem Verhör gestand Ehlert ein, daß er den Diebstahl in der evangelischen Kirche in Gemeinschaft mit dem Arbeiter Julius Zander aus Smolary auSgcführt habe, und daß sic das gestohlene Geld unter sich verthcilt hätten. Beide Diebe bestreiten aber den Diebstahl in der Synagoge. Dieselben sind heute dem Königlichen Amtsgerichte in Margonin überliefert worden. 11-i. Aus Bayern, im Februar. Der neuesten Arbeit des königl. bayerischen statistischen Bureaus über die Bewegung der Bevölkerung im Königreich Bayern während des JahrcS ist zu. entnehmen, daß von den im ganzen 37 801 Eheschließungen 352 rein-israelitische und von den inSgesammt 2961 geschlossenen Mischehen im ganzen 13 ans Israeliten fallen, und zwar ehelichten je 3 katholische und protestantische Männer israelitische Frauen, 5 Israeliten katholische Frauen, und 2 Jsrae- - Itten protestantische Frauen. K. Wi'ir.zbrirg, 5. Februar. In der heutigen MagistratSsitznng wurde der Verwaltung der hiesigen israelitischen Kranken- und PfründitcryauSstisrnng die Bewilligung zur Errichtung einer Krankenanstalt in dein bereits zu diesem Zwecke erworbenen Anwesen erthcilt. Damit wäre eine Angelegenheit erledigt, welche für die hiesige Stadt und Kreis von eminenter Bedeutung sein wird. Schon längst lag das Bcdnrfniß nach einem eigenen jüdischen Krankenhanse vor. Denn, wenn cS auch ernlöglicht ist, in! hiesigen berühmten JnlinSspital rituelle Verpflegung zu erhalten, so waren und sind aber andererseits z. B. mit der Verhinderung der Sektion etwaig Verstorbener solche Schwierigkeiten verknüpft, daß schon Angesichts dieser Thatsachc die Errichtung des israelitischen Spitals mit Freuden bcgrüßt werden ninß. Möge in aller Bälde die Anstalt ihrer Bestimmung übergeben werden können. Oesterreich-Ungarn. 1?. Wien, im Februar. Dahiesige segensreich wirkende israelitische Taubstummeuinstitut hat seinen Jahresbericht pro 1S83 auSgegeben. An der Anstalt sind 12 Lehrer snr 91 Zöglinge, von welchen 47 unentgelt!ich unterrichtet und verpflegt lv'erden. Die Einnähme weist 36 334 Gulden, die Ausgabe 34 102 Gulden ans. — Möge die Anstalt unter ihren trefflichen Direktor, dem Kaiser!. Rath Joel Deutsch, znm Wohle der nnglücklichsten aller Menschen zu einer immer größeren Blüthc gelangen. -w- Krakau, 8. Februar. Auf Anordnung dcS Gerichts ist jetzt endlich die Leiche deS angeblich von den jüdischen Ehclentcn Ritter in Lntza ermordeten christlichen Mädchens Min ich auSgegraben und der medizinischen Abthcilnng der hiesigen Universität zur Prüfung übergeben worden. (Siche Seite 316 vorigen Jahrgangs unter Wien. Das NzcSzowcr Schwurgcricht hatte am 31. Dezember 1882 auf anscheinend unhaltbare Indizien Moses und Gitel Ritter znm Tode vernrtheilt. Der oberste Gerichtshof hat diese- Urthcil am 7. Mai 1683 aufgehoben und an das Krakauer Gericht zur nochmaligen Verhandlung verwiesen. Die Unglücklichen schmachten schon so lange im Kerker — hoffentlich kommt jetzt ihre Unschuld unzweideutig an den Tag.) 6. Prcstburg, 3. Februar. Anknüpfcnd an meinen Bericht in Nr. 2 thcile ich Ihnen mit, daß, wie schon voranSzuschen war, die Assaire KrciliSheim, welche der städtischen Rechtssektion behufs Begutachtung vorgelcgt wurde, in der jüngsten Nepräsentantensitzung