Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1884)
- Article
- Ungarisches Jeschiba- und Rabbinerwesen
- Date
- 1884-02-14
- Page
- 103 (sequence 2)
- Language
- German
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103 desolate Zustand der Ieschiboth sic und sonnt das Thorastudlum im Allgemeinen in der Existenz gefährdet, daß der Krise, die wahrlich mir Riesenschritten naht, nur durch Ihcukrästigcs, rasches und ziclbcwußtcs Eingreifen vorgebengt werden kann. Bor Man aber mögen sie ihre Erwägungen von dem Faden jenes Gedankens durchziehen lassen, daß die Zeit ein Faktor ist, mit dein gewissermaßen gerechnet werden muß, und der nölittiL voleus seine hohe Bedeutsamkeit auszudringen weiß. Es nutzt nämlich nicht das Mindeste, daß man mit starrer Konsequenz sortfährt, profane Bildung ans den Ieschiboth zu verdünnen und die Aneignung derselben den Bachurim als ein schweres Verbrechen gegen Gott und Glauben zu verpöncn. Das Verbot eines Gegenstandes steigert nur das Verlangen nach demselben. So ist auch der Bachnr bestrebt, sich die verbotcne Bildung auf Schleichwegen zugänglich zu machen, was seinen doppelten Nachtheil hat. Denn erstens wird der Bachur dadurch, daß man ihn zwingt, in seinen! Streben nach Bildung, welches er unter keiner Bedingung anfgebcn kann und will, etwas Verpöntes zu erblicken, unwillkürlich auf einen schiefen Standpunkt gestellt: wenn er schon eine Sünde begeht, so kommt es ans eine mehr oder weniger nicht an. Zweitens aber gelangt man ans diesen Schleichwegen anstatt zur wahren Bildung, die das sittliche Gefühl erhebt und den hohen Werth der Religion leb-haster zum Bewußt-- sein bringt, zu einer wirklich schädlichen Schein- oder auch Verbildung. — Leiten wir aber den Bachur an. in der Aneignung der wirklichen Bildung vielmehr etwas Gotlgcfülligcs und dem sittlich-religiösen Bewußtsein Zuträgliches zu erblicken; lehren wir ihn ferner, unsere beiligsten Schriften תורה נביאים וכתובים für die reichste Fundgrube und als die Urquelle aller wahren Bildung und Veredelung des Geistes zu verstehen — dann wird sich uns die Gcuugthnnng bieten, einen wahrhaft sromn'.en und auch wahrhaft gebildeten Rabbinerstamm erstehen zu sehen, welcher uns der religiösen Entwickelung sich mit diesen Stamm rankenden Gemeinden mit voller Zuversicht entgegenharren läßt! Dann werden auch viele'Astergcbilde, die ihr pilzartiges Answuchern den jetzigen zerfahrenen Zuständen zu verdanken haben, von selbst aus der Mitte unseres RabbinerthumS verschwinden. Die Rabbiner niüsien sich aber auch in Betreff der Hebung ihrer eigenen Stellung von jedem selbstsüchtigen Gedanken fern halten, denn cs gilt, direkt die Ehre und das Wohl des ganzen Standes, indirekt aber auch die Ehre und das Wohl des gesammtcn ungarischen Israel! Und zwar muß korporativ — viribus irnitis! 7~ vorgegangcn werden, wenn der Erfolg gesichert sein soll. Unsere geistigen Oberhäupter, die Zierden u!ld der Stolz des glanbcnstreucn Judenthnins, unter einander und mit den Gemeinden vereint müssen sich begeistert die Hände reichet! zu dem edlen Werke der Rettung und Erlösung, dürnn! rufen wir ihnen, unfern Leitern und Lehrern, zn: קומו כי עליכם הדבר ואנחנו עמכם חזקו ועשו. Wir aber schließen innere Betrachtungen über diese allcrwichtigstc Augclcgcuhcit in bau Bewußtsi'in, daß wir in reinster Absicht das Wort ergriffen, Uns leitete einzig und allein der Gedanke, daß die Erkcnntniß der Krankheit die erste Vorbedirtgnng zur Heilung ist. Wir habeit cs gewagt, nach besten Kräften für diese Erlcnnwiß ein Schärslein beizutragen, trotzden! wir uns jagen לא עליך המלאכה לגמור, weil wir auch die zweite Hälfte dieses Satzes ולא אתה בן הורי! להנמל ממגד♦ beherzigen. Aus der crftcu Hälfte uusereS Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Friedrich Aott. (ForlsctzUttg. ) ('•*Ue Rechte vorbchülti.״׳ ) Er hatte die beiden letzten Sätze mehr für sich, als zu dein Andern gesprochen; eine feilte Röthe überzog für einen Moment das Antlitz des jungen Mannes, doch nur für einen Moment und auch seine Stimme, als er sprach, verriet!) keinerlei Erregung. ״Ich habe cs!!icht gewagt, das Kästchen dem Bedienten zu übergeben; cs ist nicht mein Eigmthum; utcttti Herr Hofrath cs jedoch erlauben, werde ich es hicr lassen." ״Gewiß, gewiß, geben Sie, lasset! Sie mich eS auch sehen. Ah!" sagte er, als er das Kästchen geöffnet hatte, ״das ist in der That ein Prachtexemplar, Clanentiue wird sich Ihnen verpslichtet fühlen." ״Ich kann cs bis morgen hier lassen," sagte der junge Mann, indem er das Kästchen wieder schloß und es seitwärts auf den Sekretär stellte; daun griff er nach jeinent Hute. ״Ich verlnnthe, cs ist die Zeit Ihrer Siesta, Herr Hofrath, da niöchte ich doch nicht stören — ״Wo denken Sic hin," rief der Hofrath lebhaft, ״meine Schlummerzcit ist längst vorüber. Also, legen Sic den Hut nur wieder fort, uchnten Sie eine Zigarre und fetzen sich zn mir." Der junge Manu folgte der freundlichen Einladung, und bald saßen die Herren cimuibcr gegenüber und ließen die seinen Dampswolken aufstcigen, der jüngere jedoch nicht in so reichlichem Maße als der allere. ״Welch' freundlichem Zufälle verdanke ich denn