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Jeschurun · 1884-02-07 · Heft 6 (7.2.1884) · p. 93

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 6 (7.2.1884)
Article
Rußland : Aus dem Kownoer Gubernium [Nachricht]
Date
1884-02-07
Page
93 (sequence 2)
Language
German
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93 Behörden als Schreiber beschäftigt. Jetzt aber ist ein; Gnbcrnialbcfehl er lassen, nach welchen! keine neuen jndischeu Schreiber angenommen werden dürfen, die bi׳?- hcrigen aber binnen Jahresfrist zu entlasten sind. So werden manche brave und fleißige Menschen drodlo-7ans keinen! anderen Grunde, als weil sic Inden sind. A merika. G. Ncw-Vork, im Iannar. Die Zahl der hier wohnhaften russisch׳polnischen Inden wird auf etwa 50 000 geschätzt. Es wird jetzt daran gedacht, dieselben zu einer Gemeinde unter einen! Rabbiner zu vereinigen, ein Borhaben, welches in allen Kreisen lebhast befürwortet wird. — Zur Karaktcristik hiesiger Rabbiner giebt der ״Hcbrcw Standard" das Folgende zun! Besten: Rabbiner S o n n c n s ch c i n in St. Louis glaubt an die Weihnachtsfeier; Rabbiner Hirsch in Philadelphia an die Mischehe: Rabbiner Landsberg in Nochcstcr an die Ausmerzung der hebräischen Sprache ans den! Gottesdienste: Rabbiner Köhler in Newstchork an die Verlegung deS Sabbaths auf den -Sonntag; Rabbiner Hirsch in Chicago au die Abschaffung der Milah; Rabbiner Wisc in Cincinnati an ״trescnc" Banketts bei Nabbinerseininarfeierlichkeitcn. Der ״Icwish Record" wirft die Frage auf: ׳ wenn einer von diesen sechs Rabbinern alle diese sechs Glauben hätte, waS dann noch bei ihn! von! Indenthun! übrig bleiben würde? Ast!!! könnte allerdings antworten, nicht mehr, als jeder von ihnen jetzt schon besitzt. — ״Cambridge Tribüne" bringt kürzlich einen interessanten Artikel über den Besuch eines ihrer Mitarbeiter in der Synagoge zu Boston, anS welchen! wir das Folgende ans der Rede des Herrn Markus anführcn. Cr sprach über das CrstgebnrtSrecht, welches Csan vcrschinüht hatte, und das Jakob )!!gefallen war. Wie viele verachten auch jetzt die Erstgeburt? meinte der Redner. Ist nicht die Entweihung des Sabbaths, ist nicht daS Prinzip der a!ncrikanischcn Reform auch ein solches Prcisgebeu der Erstgeburt? Man verkauft unser heiliges Gesetz um nichtige gehaltlose Formen, nin materiellen Gewinn. Er verlas alsdann die Erklärung des SberrabbincrS von London, Rabbi Salon!on Hcrschcl von 24 Clnl üllOl. in welcher dieser gelehrte und fromme Mann die Reform und ihre Einrichtungen als nnjndijch und gegen das Göttliche verurtheilte, und schloß mit einer eindringlichen Mahnung zur gewissenhaften Beobachtung der jüdischen ReligionSvorschriftcn. Soeben vor Schluß dieser Nummer geht nnS die folgende Nachricht zu: H Pest, 4. Februar. והרשעים נים נגרש Du׳ Anliscmircn ruhen nicht; sie lassen das sich anSersehene Opfer so leicht nicht fahren; sie versuchen daS Möglichste, um — bald hätte ich gesagt יוצא \w sein, die Gemüt her ansznftörcn. Gegen das Unheil der Königlichen Tafel hat der unermüdliche Anwalt der Frau S o! h in osi, Herr Szal ay, abermals die Bernfung eingelegt und zugleich in der Appellationsschrift es geradezu ausgesprochen, daß er auf jeden Fall \r,<4! acacn daS Unheil des Obersten LaudcSgerichtShosS. vor dessen Forum die Sache jetzt, kommt, appcllircn und auf Wiederaufnahme des ganzen TiSza ESzlarcr Prozesses dringen werde, da er neues BcwciSmaterial entdeckt habe. David Kalker. Bon NastnU Simon. 31 Uc '.Hcc&tc rovl'cbaltc«. (FoNsctzllllg.) In langer Reihe saßen die Gäste an! Sabbath ׳Nachmittag an der reichen Tase! in! Hall er'scheu Hause. Den Ehrenplatz!!ahn! der greise Rabbiner ein, und in seiner ׳Nähe befand sich der Bar Mizwah an der Seite seines Lehrers Rabbi Mordchc. Fast die ganze Gemeindc war erschienen, Männer und Frauen, lim an der Feier theil;nnehn!en, und auch eine Schaar halberwachsener Knaben, für welche in einen! Nebenzimmer ein besonderer Tisch gedeckt war. ״Mit Erlaubnis; des Rabbi und der gelehrten und hochachtbaren Herren, die!nein Haus heute durch ihre Gegenwart ehren," nahm Joseph Haller das Wort, ״wird!nein Sohn David, der heute in die heilige Ge!neinde ciugetretcn ist, einen Bortrag halten, um in dieser festlichen und angesehenen Bersannnlnng zu bekunden, daß er sich mit den! Studium der Gottcslchrc fleißig beschäftigt und die Zeit seiner Kindheit wohl benutzt hat. Die mir als Vater obliegende heilige Pflicht .und lehret sie, die Gebote GotteS, eure Söhnest worin das eigentliche ,Lernen׳ begriffen ist, habe ich aber, der mit weltlichen Angelegenheiten belastete Geschäftsmann, nur erfüllen können, indem cS mir gelungen ist, den gelehrten und goltcssnrchtigcn Rabbi Mordchc zu bewegen, an!!!einer Statt mit!!!einen! Sohne zu ,lernen׳, und ich danke diesen! thencrn Freunde heute in freudiger Bewegung des Herzens für die Liebe und Sorge, welche er rncincn! Sohne gewidmet. Möge mein Sohn diesen! feinem verehrten Lehrer ähnlich werden an Wissen und Tugend." Während der letzten Worte hatte Markus Klein abwchrcnd das Hauet geschüttelt und wollte nun sich zu einer Gegenrede erheben. Haller aber fuhr fort: ,Ich!vciß, daß Eure Bescheidenheit diesen wahrhaftigen Wunsch nicht gelten lassen will; ich bitte Euch aber, Rabbi Mordchc, mir nicht zn widersprechen. Die Welt kann Euch besser bcurtheilen als Ihr, und man weiß cs in! ganzen Reiche, daß Ihr der größten Männer einer seid und zu den Leuchten in Israel zählt; widersprecht mir nicht, zumal cö jetzt auch Zeit ist, daß Euer Schüler das Wort nimntt."

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