Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1884)
- Article
- Belgien : Brüssel [Nachricht]
- Date
- 1884-02-07
- Page
- 91 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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91 ca. 200 Fr. zn stehen.) Und dabei ist es nicht einmal ein jüdischer Friedhof. Es ist der Kommnnal-Friedhof, beim Eingang mit einem großen Kreuz geziert, vor welchem auch die jüdische Reiche passiven inuß. Wir haben uns aber unsere Konzessionen auf einem entlcgencn Thcil deö Friedhofes, die Einen neben den Andern, gewählt. — Nun beklagen sich die Klerikalen, die Liberalen erlaubet! den Inden mchr'als den Katho- Iifcn. Die Liberalen vcrtheidigen sich und greisen nun auch die Juden an, so das ״L'echo du Paricmcnt", daß offiziöse Blatt Belgiens, in mehreren Artikeln. — Gegen diese Angriffe wandte sich der oben erwähnte Artikel in ebenso geschickter wie überzeugender Weise, was auch von dem ״L'echo"' anerkannt wird. — Bereits in den Jahren!677 und!678 sind von dem hiesigen Herrn L. Kahn zwei Schriften über diese Angelegenheit erschienen, welche leider an maßgebender Stelle, dem Konsistorium, nicht beachtet wurden. So sehen wir, daß unsere wichtigsten Interessen nicht gehörig gewahrt werden und fühlen tins selbst zu schwach, mit Erfolg uns ihrer anznnehmcn. Die erste Vcranlassung zur Streitfrage gab allerdings der katholische Klerus durch seine Weigerung, die Leichen der sögenannten Freidenker, zn welchen in Belgien sehr viele hochgestellte Personen zählen, in ״geweihter Erde" zn bc׳- statten und die Anordnung, denselben einen Platz auf dem ungeweihten Narunc des Friedhofs, dein sogenannten com des reprouves, anznweisen. Die Liberalen wollen nun keinen Unterschied gelten lassen, auch nicht, wenn Konzessionen käuflich erworben sind; die Leichen sollen der Ordnnngsnnintner folgend neben einander, ohne Unterschied des (Glaubens - (oder UnglaubenS-)Bckenntnisses, beerdigt werden. F r a n t r e i ch. *4* Paris, im Januar. Der ״Petit Marscitlais" berichtet von dem Hinfcheiden eines Herrn Lisbonne in Earpantras im Alter von!06 Jahren, der einen jungen Bruder, der 06 Jahre alt ist, verläßt. Vater Liobonnc, wie er allgemein genannt wurde, habe biß zuletzt seine vollen Geisteskräfte besessen. Er, der in der Sladt die höchste Achtung genossen, habe glücklich sterben müssen, in dem Gedanken, daß in der Stadt, nw, als er geboren, noch die Gittcrthnren des Ghettos allnächtlich geschlossen wurden, heute die Finanzen, die Industrie und der größte Theil der städtischen Per- Wallungen von den Enkeln Derjenigen geleitet werden, die damals ihrer Neligion halber ans der öfsentlichcn Gesellschaft verbannt waren. -- Ich sende Ihnen selten Berichte über Ernennnngen, Dekorationen und Avance-- meuls unserer Glaubensgenossen, weil das hier zn Lande, trotz der relativ geringen Zahl der Israeliten, etwas ganz Gewöhnliches ist. . So z. B. in den letzten Tagen allein ist promovirt: Herr Meyer, Hanptarzt der Marine, zum Offizier der Ehrenlegion; Bataillonschcf R o p c n n a (t zum Obcrftlicutcnant; der Hanptregisscnr der Oper, Meyer, zum Ritter eines srcmden Ordens; Geuiekapitcm Aron znm Chef der Brigade der Lustschisscr in Tonkin; Herr Lcvy, Delcgirter des Zentral- Konsistoriums, ist znm Mitglied der Akademie der Wissenschaften gewählt; Herr Mil land zum Sekretär des Bureau des Senats; Herr Lcvot zum Syndikus der AgeruS du Ehangc; Doktor Söc znm Direktor der Gesellschaft der Ehirurgie; Isaak znm Richter in Eonstantinc; der bereits dckorirtc Sergeant-Major der Kompagnie der Sapcnrs Pompiers hat sich wiederum durch einen hervorragenden Nettnngsakt ausgezeichnet n. s. w. n. s. w. Uebcrall Patriotismus für Frankreich und nie die Angehörigkeit an die jüdische Gemeinschaft vergessen. — Die Sammlung für eine speziell jüdische Anstalt, die Schule zur Ausbildung von Handwerkern, hat!6447 Fr. ergeben. — Bei der in unserer letzten Korrespondenz erwähnten Alliance Franeaise nehmen die Israeliten einen immer wachsenden' Antheil; der Schatzmeister und der Sekretär sind Juden, und der Grand Nabbin de Paris bethciligt sich in hervorragender Weise an der Propaaa.׳?-c. für dieses patriotische Unternehmen. Derselbe scr.r.׳׳.bt unter Anderem dem hiesigen ״Ganlois", dessen Direktor auch ein Israelit ist: ״Die französischen Israeliten Huben seit lauge die Bahn bctreten, die jetzt die ״Alliance Fran<׳aisc" verfolgen will." — Was den Einfluß betrifft, den unsere deutschen Glaubensgenossen in Bezug ans die Verbreitung deutscher Sprache und Zivilisation im Orient ausübcn, so können wir erwähnen, daß der Kronprinz des deutschen Reiches bei seiner Reise im Orient mehr als ein Mal srendig überrascht war, wie er bei seinen Untcrthanen jüdischer Konfession, die ihm von den verschiedenen Konsuln vorgestellt wurden, die innigste Anhänglichkeit an ihr- Geburtsland und dessen Sprache gewahrte. In seiner bekannten Liebenswürdigkeit begrüßte er namentlich ein jüdisches Mitglied der Jerusalemer Deputation, der sich ihm als Potsdamer vorstellte, herzlich als seinen ganz speziellen Landsmann. Herr Baron v. M ü n ch h a u s c n war so freundlich, sich vor längerer Zeit an einen Ihrer Korrespondenten zn wenden und ihn anfzufordcrn, indem er ihm seine eigens dafür ansgcarbeitete Denkschrist znsandtc, ihm bei seinen Bestrebungen zn Helsen, geeignete Lchrkräste für die dortige Wirksamkeit heranbilden zu helfen. Was einen besonders günstigen Eindruck machte, war die Entschiedenheit, mit der er betonte, wie die betreffenden Lehrer natürlich ans dem Boden des orthodoxen Judenthunis stehen müßten. Ferner hob er hervor, •: ic diejenigen der dortigen Deutschen, welche sich dem Talmndstudium mit Fleiß hingeben, dadurch allein schon seine Hülfe und Ein-