Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1884)
- Article
- Deutschland : Stargardt [Nachricht]
- Date
- 1884-02-07
- Page
- 89 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M 6 Jeschnrun. 89 Korrcspoildcuzcil 1111& Nlicliiichtcil. Deutschla u d. Stargnrdt (Preußen), Ende Januar. Die Rohling, Justus n. s. w. liabcn das 8l)vi1\c redlich 1]ctt;anf um au nlkm Orten dic Gemüthcr anszurcgen und das l^cspenst des rituellen Mordes wieder heraufzubejchworen. Wir haben jetzt in unserer Gegend leider ein Lied davon zu singen. In der Nähe deS Ortes Sturz hat man die Leiche eines vierzehnjährigen Knaben anfgefunden, welcher ans scheußliche Weise ermordet worden ist. Es ist gerichtlich konslatirt, das; man den fermsten buchstäblich geschlachtet und anSgeweidet hat. Und mit dieser Entdeckung taucht das Gerächt von einem von jüdischer Leite verübten Morde aus religiösen Motiven auf. Glücklicher Weise findet eS feinen allgemeinen Glauben, und so bleibt die Welt von einem neuen TiSza-Eszlarcr Prozeß verschont. Man vermuthct, daß der unglückliche Knabe allerdings einem Aberglauben zum Opfer gestlleu ist. Es soll der Wahnwitz noch gehegt werden, daß ein vom Fette Ermordeter unterhaltenes Licht gleich der mythenhaften Tarnkappe die Wirkung habe, unsichtbar zu machen und übermenschliche Kraft zu verleihen. llUm! meint, daß zu diesem Zweck jener schreckliche Mord verübt worden sei. § Kassel, ]. Februar. Unsere Gemeinde und unser Distrikt gehen einer bedeutsamen Zeit entgegen. Der Herr Landrabbiner Dr. A dler ist wegen seines vorgerückten Alters pensionirt worden: die Wahl eines Nachfolgers hat demnächst stattzusinden. )!ach den hier gelteitden Bestimmungen, welche ans der Verordnung vom 30. Dezember 1823 beruhen, ist der Rabbiner der Provinz Niederhessen zugleich Landrabbiner; daS Landrabbinat selbst setzt sich aus ihm, den anderen Provmzialrabbinern, einem Mirgliede des hiesigen Vorsteheramts und einigen von der Regierung anßerdent ernannten Mitgliedern zusammen. DaS Borstehcramt, bereu Mitglieder von der Negierung ernannt werden, hat der Negierung den zu ernennenden Rabbiner in Vorschlag zu bringen. Den Gemeinden selbst ist also eine direkte Einwirkung ans die Besetzung des Rabbinats entzogen. Wir richten deshalb an das Vorsteheramt die eindringliche Anssorberung, der hohen Verantwortung eingedenk zu sein, die auf ihm ruht. Wir sprechen in der bestimmtesten Weise die Ansicht atiS, daß nur die Ernennung eines aus dem Boden des gesctzcStrenen (orthodoxen) Indeuthnms stehenden RabbiverS zum Heil und Gedeihen nuferer Stadt- und Provinzialgemeinden gereichen lann, daß nur dadurch der Friede und dic Einheit da׳ Gemeinden verbürgt erscheint. Wir wollen an dem abtrctcnden Landrabbiner in diescni Augenblicke keilte Kritik üben, das aber dürfen und müssen wir hervorheben: wir bedürfen einer andern Leitung, sonst wird es früher oder später zu einer- Trennung innerhalb der Gemeinden, oder zu einer Auslösung des Bandes zwischen Land und Stadt fommen. Noch ist die GcsctzcStrcuc in unseren Gcmeinden liicht galt; erschüttert, und dic Orthodoxen wissen heute ihre Sache kräftiger zu führen. Sic verlangen nach einem Rabbiner, der ihnen in ungchcuchelter Frömmigkeit und Thatkraft als Milstcr vorauleuchtct, sic wollen ״nicht fromtiicr sein als ihr Rabbiner." — Stuttgart, 3. Februar. Vor einigen Tagen hielt der ״Verein zur llnterstütznng hiesiger lind durchreisender Armen" seine Generalversammlung ab. Der Verein, welcher nun 22 Jahre besteht und 237 Mitglicder zählt, hat ein Vermögen von 3200 angesammelt, wovon im letzten Jahre ca. 2300 J(x an hiesige und durchreisende Arme verausgabt wurden. Zltm Beitritt haben sich die Gemeinden LndwigSburg, mit einem jährlichen Beitrag von 000 und Eannst adt, das über die Höhe des Beitrags noch nicht schlüssig ist, bereit erklärt. — Der VH. Lieferung der Beschreibung des Königreichs Württembergs, herausgegeben vom königl. statistisch topographischen Bureau, verfaßt von StaatSrath Di׳, v. N ü m clin, entnehmen wir folgende Ziffern über die Bevölkerung der Inden in Württemberg. Im Jahre 1880 waren l 30l 330 Evangelische - GO 3001 78 Katholische - 20,0; 3888 von anderen christlichen Bekenntnissen — 0,3 l 3 331 Israeliten 0.07" .,; l02 von aildercn Religionen. Die jüdische Bevölkerung hat insbesondere in den großen Städten bedeutend zugenommen. Sie betrug in 1801: ן sso: Stuttgart. . . . . 847 2384, Heilbronn. . . . . 137 870, Ulm. . . 327 004, Eannstadt. . . . . 08 372, tvähreud ihre Zahl in den neun größten alten Judenorten um 43"/״ sank. *!Ludwlgc׳burg, 30. Januar. Zur Erbauung einer Synagoge ist, nach dem ״Stuttgarter Tagblatt", iit den letzten Tagen von der hiesigen israelitischen Gcmcinde, die zur Zeit 20H Seelen zählt, ein Theil deö früheren Weiß'scheu Gartens, Ecke der Alleen- und Solitudcstraße, angetanst worden. Die Synagoge wird 23 m Uwu] und 13 in breit werden. Gegen die Vauliuie soll aber daS Gebäude um 2, rcsp. 4 m zurückversetzt werden, damit noch eine kleine Anlage entsteht, die mit einem hübschen eisernen Zaun eingefaßt wird. Auf der Nordscite wird die Synagoge ein SitzungSzimmer und ein UnterrichlSlokal zu Neligionsstilliden erhalten. Der Entwurf stt vom Werkmeister Gemeinde-