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Jeschurun · 1884-02-07 · Heft 6 (7.2.1884) · p. 86

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 6 (7.2.1884)
Article
Zur Frage des Religionsunterrichts
Date
1884-02-07
Page
86 (sequence 2)
Language
German
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86 intime«. Ich muß hier fonftatircn, ma« allgemein I nicht bekannt sein dürfte, daß der jüdistüe Neligions-! Ici)rcr in diesem Kreise öfters eine bedeutend gewhlete׳׳e! Ztellnng einnimnrt, als bei feinen eigenen <Ä3ia1;ben*; genossen, man erkennt in ihn! den Vertreter seiner < Religion, die im Allgemeinen geachtet wird. Daß es; auch Ausnahmen giebt, läßt sich nicht in Abrede stellen, allein cs ist dann nur eine Ausnahme, nicht aber die Regel. Wir verhehlen uns nun nicht, daß bei zwei i wöchentlichen Unterrichtsstunden nicht viel geleistet , werden kann, allein, wenn cs den! Lehrer ernst ist,; und der Unterricht sich nicht blos ans das ״Auswendig--! lernen" beschränkt, das Pensum vielmehr rnit Vicbe j und Wärme dnrchgenommen wird, die Zchüler mit; den Lehren und Pflichten unserer הירח הקדרגדז ver- I traut gemacht werden, so hat der Lehrer vollkommen! seine Aufgabe gelöst und kann dann mit dein Resultat! zufrieden sein. Wir kommen übrigens, wenn Bis es! uns gestatten, nochmals ans dieses Thema zurück. (Anmerkung der Redaktion: Wir können den! geehrten Herrn Korrespondenten nicht in allen Punkten beipflichten. Der Lehrer inag seine Pflicht gethan haben, wenn er während der zwei wöchel'.tlichen Ztuudcn geleistet, was ihm möglich war; nicht aber die Eltern und die Gemeinden. Wir halten auch die Einfügung des jüdischen Religionsunterrichts als obligatorischen Lehrgegenstand in den allge!neinen Lektiousplan der Realschulen anS verschiedenen Gründen für nicht ersprießlich. Wir widmen diesem Gegenstände wohl nächstens einen besonderen Artikel, sehen aber gern der sachnrännischen Erörterung unseres Herrn Korrespondeuten entgegen.) . er erftcu Hälfte ititfcrcs Iahrhuiiderts. (Rach einer wahren Begebenheit) Ancdrich AotL. ^xortsep'.rng. t^uc n,■ •1) In demselben Moment öffnete der Hausherr die Thür und ließ den Zeidler Toni voran in's Zimmer treten. Mit einem Zatze war dieser bei der Ohumächtigen. ״Herr Gott! was isl's?" stantmelre er angstvoll. ״Freude ist's," erwiderte Nahet mit überströmendeu Angen, ״sic hat Ihre Ztiuune erkannt, und da habe ich ihr alles gesagt. — Und nun fürchten Zie nichts, sie wird sofort erwachen." Zie nahm das frische Wasser, das ihr sorgsamer Gatte rasch zur Stelle hatte, und sprengte es der Ohumächtigen in das bleiche Angesicht Rur wenige Zckunden und Mirjam schlug die Angen ans, ihr erster Blick siet ans das über ihr geneigte Antlitz des Geliebten — laut jauchzend hob Zeidler die Erwachende in seinen kräftigen Arincn hoch empor. Und was nun folgte? — Als der erste Freudentaumel vorüber und Mirjam's liebliches Antlitz wieder von einem rosigen Zch immer überhaucht schien, da hatten Nahet und ihr würdiger Gatte unbemerkt das Zimmer verlassen und die jungen Leute befanden sich allein. — Und Zeidler erzählte der aufmerksam seinen Worten Lauschenden von seinen Hoffnungen und seinen Plänen für die Zukunft. Gleich am folgenden Tage sollte der Verkauf des Freihofes kontraktlich abgeschlossen werden; dann wollte Zeidler nochmals zu der Geliebten znrückkchrcn und von hier aus, versehen mit einem Schreiben des Rabbi, worin derselbe bestätigen würde, daß seinem Ucbcrtritt zum Indenthum fein Hindern iß entgegen stehe, in's Ausland reisen, um dort übcrzutreien. Daun erst wollte er sich nach einem Bauernhöfe nmsehen, um denselben käuflich oder als Pachtgnt an sich zu bringen ״Aber nur in der Nähe einer jüdischen Gemeinde," fiel Mirjam eifrig ein. ״Freilich, freilich," ftimmtc Zeidler bei, indem er ihr liebevoll znnickrc, ״daraus Hab' i selber schon gedacht und weißt, 's G'scheidkeste wird sein, i schließ' ni ab, als bevor i Dir g'schrieben Hab, wo's ist und wie's ist und alles — und hernach schreibst mir, ob's Dir recht ist, und hernach bring' i all's in Ordnung, und hernach komm' i um Dir und der hochwürdige Herr giebt uns z'sammen — er hat's zngesagt — aber im Geheimen, Keiner darf's ni wissen — und alsdann bist mein liebes Wciberl und mußt mit, wohin i geh'." Und so plauderte er fort, lachend und scherzend, und mit laut pochenden! Herzen über und über erglühend lauschte Mirjam seinen Worten. Endlich trat Nahet wieder in das Zimmer und begann den Tisch zu ordnen; Mirjam sprang aus und wollte ihr Helsen, denn das war sonst ihre Arbeit. Nahe! aber wehrte ihr. ״Ihr Beide seid heute in! siebenten Hiuttncl, wo man nicht an's Essen denkt, da braucht Dich auch das Tischdecken nicht zu kümmern!" Zeidler aber gestand in seiner schlichten, treuherzigen Weise, daß er trotz seiner (Glückseligkeit doch stark an's Essen denke, da er seit dem srühesten Morgen noch nicht das Geringste genossen und Rahcl'S Gastfreuudschaft stark in Anspruch zu nehmen beabsichtige. ״Das ist gescheidt," ries Kohn, der eben hinzutrat; ״wer sich schämt zu essen und zn oren, der ist hier und dort verloren. Aber mir scheint, Zie, lieber Freund, werden hier und dort gut aufgehoben sein."

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