Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1884)
- Article
- Rußland : Warschau [Nachricht]
- Date
- 1884-01-31
- Page
- 77 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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77 ״Iudenfrage" — ba benimmt nns die cicijcn bic öfter־ reichischen Juden erlassene Verordnung, welche ihnen die Niederlassung in Rußland fortan verbietet, diese .Hoffnung. Und;war ist diese Verordnung so eigenthümlicher Art, daß, wenn das Amtsblatt solche nicht bestätigte, wir an deren Existenz zweifeln müßten. Ich habt mich an kompetenter Stelle über das Ver'hältniß der österreichischen Israeliten in Rußland zu insormiren gejucht und erfahren, daß ein Vertrag vom 14. 2־וח tentber 1860 besteht, in welchem es ausdrücklich heißt, das; die beiderseitigen israelitischen Uuterthanen (RußlandS und Oesterreichs) in beiden Staaten nach den für die einheimischen Juden bestehenden Gesetzen zu behandeln sind. Wo es also den russischen Inden gestattet ist zu wohnen und Geschäfte zu betreiben, da kann solches auch den österreichischen nicht gewehrt werden, und doch soll jetzt denselben ansgegeben werden, entweder das russische Indigenat zu erwerben oder sich von dem russischen Boden zu entfernen! — Man wagt kaum zu hoffen, daß die österreichische Negierung sich ihrer Angehörigen mit Erfolg wird annehmen können. Uns russischen Juden aber eröffnet sich in diesem Schritte unserer Negierung die traurigste Perspektive und es erfüllt sich an uns buchstäblich der Satz: והיו הייך תלואיים לן מנגד ופחדת לילה ויומם ולא תאמי; בחייך. (Annt d. Red: Zu dieser auch anderweitig gebrachten Nachricht von einer Ausweisung der österreichischen Juden ans Rußland, welche, wie unser geehrter Herr Korrespondent mit Recht hervorhebt, geradezu gegen einen mit einer auswärtigen Macht abgeschlossenen Staatsvertrag verstoßen würde, haben wir zu bemerken, daß uns von anderen russischen Freunden geschrieben wird, diese Verordnung exislire nicht, oder doch nicht in diesem Sinne. Wir hätten die Warschauer Konespondcuz demnach nicht zur Veröfsentlichung gebracht, wenn darin nicht ausdrücklich auf das Amtsblatt Bezug genommen wäre. Auch in Bezug auf die in dieser und der Hs-Korrespondenz der vorigen Nummer enthalteneu Mittheiluug' über den günstigen Senatsbeschloß liegen uns heute andererseits glaubwürdige direkte Berichte vor, nach welchen der Senat noch keineswegs jenen Antrag auf Aufhebung einiger judenfeindlicher Bestimmungen gestellt hat. Unser Warschauer Berichterstatter hat wahrlich recht, wenn er das Leben unserer russischen Brüder mit jenem Aussprüche der תובחה kennzeichnete.) Die ׳Antisemiten. Episches Zeitgedicht von Wilhelm E a p i l l e r i. Wien. In dieser Dichtung giebt sich eine edle humane Gesinnung klilld, welche gerade in der Gegenwart den Menschenfreund doppelt angenehm berührt. Der Verfasser zeigt in anschaulicher Weise, wie ungerecht der Judenhaß sei, und wie es nur der entschiedellen vernünfiigen Belehrung und Mahnung der Alltoritäten bedürfe, um das fanatisirte Volk zu beschwichtigen. Er führt uns in ein russisches Dorf, in die Sabbathstube eines Juden. Die Bauern dringen ans ihn ein und begebcu sich eben daran, das Haus in Brand zu setzen und dessen Insassen niederzumetzeln. Da -eilt der Schulze heran ulld wehrt den Wüthenden. Er erinnert sie au die Tugend, welche der Jude geübt und weiß sie so uillzustinliuen, daß sie beschämt abzichen. Wir danken dem Dichter, daß er in seiner Weise für die Sache der Gerechtigkeit und Menschenliebe cintritt, und wünschen seinem Werke eine ׳ recht weite Verbreitung. Die oolksthinnliche Dichtung ׳'st sehr geeignet, zur Aufkläruug und Belehrung beizutragen und manches einfache, von! Vorurtheil irregeleitete lind wissentlich verführte Genn'ith zu beschwichtigen; und zwar 11m so mehr, als sie einer christlichen Feder entstammt. David Kaller. Von Naslali Simon. AUc Nt'chte Vorbehalte». (Fortsetzung.) Die heute staltsindende Feier seines Bar-Mizwah׳ Tages war ein Ereigniß, an welchem die gailze Ge-- meindc den lebhaftesten Autheil nahm. Reiche Geschenke waren von allen Seiten dem Helden des Tages gespendet worden. Hallers Schwiegersohn war mit seiner Frau von Thalborn gekommen, um bent Feste auznwohnen. Die Eltern suhl teil sich in einer Sphäre der reinsten Glückseligkeit, als ob ihnen der geliebte einzige Sohn erst he׳ute geboren. Wenn sie vor dreizehn Jahren an der Wiege ihres Knaben ans freudig bewegtein Herzen Gott gedankt hatten für die Gewährung dieses Kindes, so löste sich heute ihr ganzes Empfinden in den JubelhyinnnS ihrer Seele auf, welcher die allgütige Vorsehung für die Erfüllung des sehnsüchtigsten Wunsches pries, der damals ihr Inneres bewegte. Der Säugliilg war ein blühender Jüngling geworden, brav und fromm und wohlunterrichtet; heute sollte er in die GottcSgemeinde ciiitrctcii als ein volljähriges, wackeres Mitglied derselben, berufen und befähigt, das Banner der Thora hochzuhalten und unter demselben den Weg durch das Leben zu wandeln. Am Morgen des Festtages hatte Joseph seinen Sohn gesegnet und zu ihm gesprochen: ״Du wirst