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Jeschurun · 1884-01-31 · Heft 5 (31.1.1884) · p. 76

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 5 (31.1.1884)
Article
Österreich-Ungarn : Preßburg [Nachricht]
Date
1884-01-31
Page
76 (sequence 2)
Language
German
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76 Wabrhcit zur Ehre Gottes und zmn Heile der ungarischeu jüdischen Verhältnisse, weiche der ״Jcschnrnn" seit Jahresfrist in einer langen Reihe von Korrespondenzen und Artikeln, ich zähle deren in! vergangenen Jahrgange nicht weniger als sicbennnddrcißig, seine Spalten eröffnet, ist nicht nngchört verhallt, ja, sic hat die Gemülher wachgcrnfcn und zur ernsten Erwägung angcreg!, eine Besserung derjenigen Institutionen, welche in Ihren ״Kollcttiv-Äcrichtcn ans Ungarn", ״die Preßbnrger Talmudschule", ״Ungarisches Jeschiba- und Rabbiuerwesen" n. s. w. wahrheitsgetreu geschildert sind, anznstreben. Möge diese Bewegung nicht erkalten! — | Saum cuicjuu — dem ״Ieschnrun" imb seinen!vackeren | hicrländischen Mitarbeitern gebührt der Ruhm und der Dank für die Initiative in dieser Hinsicht. Der Verfasser der drei ״Briese aus Ungarn" in dem Mainzer ״Israelit" befindet sich deshalb in einem Jrrthumc, wenn er meint, daß vor ihm Niemand den Muth gehabt, über unsere krankhaften Zustände offen zu sprechen. Es kann hier nur die Rede sein von der augenblicklichen Bewegung; und da nimmt cs uns sehr Wunder, daß der geehrte Herr den ״Jeschnrun" so ganz ignorirt.*) ^V.Amtt.ni. Ans Siebenbürgen, im Januar. Wenn ich, als treuer Korrespondent Ihres geschätzten Blattes, eine ziemlich geraume Zeit die geehrten Leser ohne den geringsten Bericht gelassen, so geschah dies lcineswsgs in Folge einer trägen Nachlässigkeit', ich hatte trotz des besten Willens keine interessante Mit-!Heilung, kein lebendiges, das jüdische Herz erfreuendes Bild dem Leser zu bieten — und klagen, immer klagen — wen! wäre damit gedient? Heute aber trete!6) gern wieder vor die Oessenrlichkcit, um Kunde von den Anzeichen einer zu Tage getretenen erfreulichen Rührigteil zu geben. — Wenn der geehrte Leser in den früheren Nummern des ״Jcschurun" des vorigen Jahres meine Mittheilungen und Schilderungen aus Siebenbürgen nach blättert, wird er daselbst stereotyp verzeichnet finden, daß in ganz Siebenbürgen unter einer jüdischen Bevölkernng von 30 000 Seelen keine einzige öffentliche Normalschnle außer der .Karlsbnrger 4klassigen Volksschule cxrstirt. Die jüdische Bevölkerung sieht sich thciis ans Privatunterricht,!Heils ans die Simultanschulen angewiesen, wenn überhaupt von einem gedeihlichen Unterrichte die Rede ist. — Die einzige etwa 50 jüdische * 1 Wir illnerdrüäm bcu fcvucmi Tbcil dieser Korresponbrn;, welcher wir übcrh.urpt nur ungern eine Ln׳!le in unserer Jcnnng anwklsen. Wir verzichten nwerrrscitS gern ans jede Anerkennung. Mögen sich Andere rühmen, dasjenige allein zu vertreten, wofür auch wir unsere geringe Kraft cinsctzen. Die Nüclsichr ans unsere geehrten Mitarbeiter gebietet unS aber, einer von achtbarer Leite uns;nkommendcn Nichligsiellring die Ans. nähme nicht ganz zu venagcn. Wir bcrnerlen zugleich au-- brnälich, dasi dieselbe nicht van nnscretn regctinäsngcn Karre, spondentcn ausgcht. Amrr. d. Red. Familien zählende Gemeinde zu Sznßrcgen bildete aber schon bislang eine erfreuliche Ausnahme. Unter der Leitung und Wirksamkeit der lvackercn Herren Abraham Fnkscl und Wilhelm Kraus, Schwiegersöhne des rühmlichst bekannten Rabbiner Pollak zn Neutra, leistet die dortige Schule schon seit einem Dezennium sehr Ersprießliches. Doch hatte dieselbe nur den Karaktcr einer Privatschule, da die an derselben wirkenden Lehrer nicht zn den ״geprüften" zählten. Vor Kurzem aber hat sich Herr Kraus, in richtiger Erkennlniß der zwingenden Nolhwcndigkeit, entschlossen, die öffentliche Lehrerprüfung abzulegcn, und ein selten rühmliches Zeugniß als Hauptschullehrer erhalten. In Folge dessen hat die Sznßregciicr jüdische Schule den Karaktcr einer öffentlichen angenommen, die, vermöge ihrer tüchtigen Lehrkräfte, zuden besten ungarischen jüdischen Musterschulen gerechnet zu werden verdient. Siebenbürgen aber ist mit einer Schule bereichert worden, die zu den schönste!! Hoffnungen berechtigt. A F. Sgnftregeu (Siebenbürgen), 25. Januar. Zn meiner Freude kann ich Ihnen berichten, daß die Gemeinde zu Karlsbnrg ihren verdienten, seit sechs Jahren segensreich in ihrer Mitte wirkenden, auch außerhalb Siebenbürgens ehrenvoll genannten Oberrabbiner, Herrn Kolomaii Weiß, durch einstimmigen Beschluß der Generalversammlung auf Lebenszeit nunmehr angestellt Hai. Die Gemeinde Karlsbnrg hat sich durch diesen Beschluß selbst geehrt, und ihr gebührt auch der Dank der übrigen Gemeinden Sieben-! bürgend dafür, daß sic durch diesen Beschluß dem Lande! eine so bewährte Kraft dauernd gesichert hat. (Anm. j d. Red.: Wir drücken auch unsererseits unsere Be-! friedignng über diesen Beschluß der Karlsbnrger Ge-! meinde aus, können aber nicht umhin, zugleich unser! Bedauern über eine Gepflogenheit anszusprcchcn, daß! angesehene Synagogcngcmcinden bewährte Rabbiner! jahrelang ans eine definitive Anstellung warten lassen j mögen. Wir glauben, daß es der כבוד ההורה wenig! entspricht, der Stellung der Rabbiner und Lehrer die ' sichere Basis des Definitiven vorzuenthalten In hiesiger; Provinz ist ein solches Verhältniß undenkbar.) Rußland. -sk- Warschau, 22. Januar. Wer vermag in! das Geheimnis; der Politik einzndringcn und zumal; in die geheime Werkstatt unserer Staatenlcnkcr? Kaum j glaubt man ans gewissen Maßnahmen auf das Watten l eines vornrtheilsfreien Geistes schließen und hoffnungS-! voll ausathmen zn dürfen, so trifft eine neue Hiobs-! post ein und erfüllt uns mit Bangen und Zagen.! Der Antrag des Senats wegen thcilwciser Aushebung der; bekannten provisorischen jndenfeindlichen Bestimmungen i er öffnete die Aussicht auf eine günstigere Lösung der

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