Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1884)
- Article
- Österreich-Ungarn : Aus Ungarn [Nachricht]
- Date
- 1884-01-31
- Page
- 75 (sequence 2)
- Language
- German
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wird aus einem von lichtscheuer Seite gewobenen dichten Flor bestehen, welcher sich bald über die liberalen Institutionen unseres Landes ausbreiteu wird. — Fern sei es von uns, die achtungswerthe Haltung nnb die in würdevoller Weise ausgesprochenen Bedenken der hohen Kircheufürsten zu bemängeln; wir schließen uns unsererseits aus vollster Ueberzenguug der Erklärung an, daß auch wir nie und nimmer der Mischehe das Won reden ivürden, weil uns die Erhaltung unserer Religion über Alles geht. Gewissenhafteste Religiosität ist sehr wohl mit achtem Freisinn vereinbar. Wir betrachten es deshalb als einen Mißgriff des liberalen Ministeriums, daß es seinem Liberalismus durch eine solche Vorlage Ausdruck verleihen wollte, welche von keiner ernst religiösen Seite mit Freuden begrüßt werden kann. Wir leugnen entschieden, daß durch die Mischehe eine Versöhnung der beiden Konfessionen erreicht wird; im Gegelltheil, sie bewirkt die Unterdrückung der einen oder der anderen oder beider. Die Erlassung eines Gesetzes über die Mischehen wird nur eine theorctische Bedeutung haben können; praktisch wird sie von keiner Seite angestrebt werden. Wir bedauern, daß sie zum Schiboleth für den ungarischen Liberalismus und Antisemitismus gemacht werden sollte. Besser wäre es gewesen, man hätte die antisemitische Hetze nicht gewähren lassen, inan hätte den Friedensstörern schon früher die Strenge des Gesetzes gezeigt, bevor jüdisches Blut vergossen, jüdisches Eigenthum geplündert worden. Wie wurde nicht die TiszcrEszlarer Affairc ausgcbeutet in tausenden und aber tausenden Schauervariationen zur Aufstachelung der Massen gegen Juden und Judenthnm! Ein kräftiges Wort zur rechten Zeit, ein strafses Anziehen der Zügel der Negierung in dem richtigen Momente, das hätte uns und dem Ansehell des Vaterlands l׳!!ehr genützt, als jetzt diese Vorlage, deren Fall als ein Sieg des Antisemitismus ausgcgeben wird. — Nun, der Jude ist in der Schule der Vcibcn bewandert, mau hat ihn gewöhnt, zu dulden und sein Geschick mit Resignation zu ertragen, er murrt!licht, er klagt nicht an; er wird auch die kommende Aera Ungarns durchdauern, mld nicht nur über sein eigenes trübes Schicksal, sondern auch über des Vaterlandes Mißgeschick trauern, wenn Borurtheil, Haß und Verwilderung die Oberhand zeitweilig erringen sollten. *||* Pest, 27. Januar. Ein neuer Kämpe ist den! Antisemitismus erstanden in bem jüngsten Abgeordneten An d or Bo. du ah. Derselbe glaubte, seine richmvolle Mission nicht würdiger inangnriren zu fönnen, als durch eine heftige MMippiea gegen Karl Eötvös, der sich bekanntlich des schweren Verbrechens schuldig gemacht hat, vor dem Nyireghhazaer Gerichtshöfe an der Ber-Heidlguug der Tisza-Eszlarer Angeklagten einen hervorragenden Anlheil genommen zu haben. Eötvös erwiderte auf die Angriffe des chrcnwerthen Reichsboten, den die Lorbeeren Onodh's, Jstoczh's und Bcrhovai'S nicht schlafen Ließen, in der gestrigen Sitzung in einer meisterhaften Rede unter den Beifall des Hauses. Er sagte u. A., daß er jene Vertheidignng übernommen habe, als er gesehen, wie die maßloseste Leidenschaft und der ruchloseste Haß sich gegen eine ganze ReligionSgeuossenschast verbunden, und inan derselben die schrecklichstc Anklage des religiösen Blnldnrstes für die Ewigfeit als Schandmal an haften zu wollen sich erfrechte, als er wahrgenommen, daß bereits 72 Menschen cingckerkert nffb ein unerfahrener, nminterrichteter junger Mensch die Untersuchung leitete, und der Jnslizminister ruhig drcillscharite bei einer wahnsinnigen Anklage, die gegen die zahlreiche ungarische Judcnschaft und gegen alle Juden der Welt geschlendert wurde. Es sei eine Lüge, daß man über ein Honorar gefeilscht oder daß ihm ein solches in unangemessener Höhe zu Theil geworden sei. Er werde-dafür sorgen, daß die amtlichen Urkunden und Thatsachcn des Prozesses zur Kcnntniß der großen Welt gelangen, und wenn die Luft nicht mehr von dem schändlichen Antiscinitisnlils geschwängert sei, lvcrde man sich überzeugen, daß der Herr Justizminister auf dem Gebiete der Justizverwaltung gerade im Interesse der unglücklichen Angeklagten sehr Vieles nicht gethan hat, was zu thun ihm das Gesetz vorgeschrieben; es sei heute noch nicht an der Zeit, jene Justizpolitik, welche in dieser Angelegenheit befolgt wurde, zu erörtern. Die gegen ihn geschleuderten Verdüchtignngen weise er entrüstet zlirück. Er habe viel gelitten und werde noch ferner leiden; er sei mit Wunden bedeckt und werde auch noch ferner solche von seinen Feinden empfangen; die Wunden schmerzen, aber er sei stolz ans sie. W. Prag, 22. Januar. Die mysteriöse Geschichte betreffend, über welche ich Ihnen in voriger Nummer (4) Ihres geschätzten Blattes Mirtheilnng mad)tc, entnehme ich der ״Li. Fr. Pr.", daß der Kaufmann Philipp eine abschlägige Antwort über die Auslieferung seiner Tochter Regina ans dem Kloster von den Behörden erhielt. In der Hanskapelle deS Ordens der Basiliancrinnen in Leniberg fand gestern die Taufe des JiidenmädchenS Ehanc Riste Philipp statt. Den Taufakt vollzog der griechisch-katholische Metropolitan-Verweser, Bischof Sembratowicz, Person-!ich. Der Vater des Mädchens, ferner der Prediger der Lemberger Indengemeüldc und der Prager Ober- Rabbiner hatten telegraphisch beim Minister-Präsidenten um die Verfügung des vorläufigen Aufschubes der Taufe angesncht. Als Taufpathen fungirten der Landtags- Abgeordnete Geheilnrath Graf Russocki und Frau v. Zaleska. die Gemahlin des Statthalters von Galizien. אמת. Prcßburg, ר׳ח שכס. Die Sprache offener