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Jeschurun · 1884-01-24 · Heft 4 (24.1.1884) · p. 63

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 4 (24.1.1884)
Article
David Haller
Date
1884-01-24
Page
63 (sequence 2)
Language
German
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bau faum das fünfzigste Jahr iibct־fcf)1־eitc1!bcn Manne ' unerträglich. Sein Weid ruhte im (^vabc, das einzige Kind weilte in der Ferne: ־01ט ihm lag noch eine ganze; Reihe von Jahren trüvseligen Daseins. Er glaubte. ' fid) nicht ferner dein Drängen seiner Umgebung wider׳ ׳ fetzen zu dürfen und führte wiederum eine Gattin an : den häuslichen Feerd. > Und wiederum zog Lieht und Freude in sein Hans! ein.;Hl# ob ihnr der;11(01׳ seiner Tugend, seiner ÄU'nschenlicbe und Frömmigkeit schon im hieniedigen;׳eben zu Theil werden sollte, hatte Gott seine Wahl! auf einen Engel von Sanftmnth und Güte gelenkt: I an Rahel's Seite erschloß sich Foseph -Faller zum j zweiten Male ein Eden. Und in dieses Eden kehrte! der Kindersegen ein. \ Die süßeste Fosfmmg seines Gebens, der theuerste : Wunsch seines Ferzens fand endlich Befriedigung; —! ein holder Knabe lächelte ihm aus Nahel's Armen entgegen. Eine neue Welt erschloß sich dem hochbeglückten . Vater mit der Geburt dieses Lohnes. Er gelobte! sich, seinen Lohn, seinen David, ganz der Gottcslchre ׳ zu weihen, daß in ihm ein Träger der Thora, ein i Weiser seines Bolks, ein Lehrer der Gemeinde Gottes! erstehe.! Sein treffliches Weib stand ihm in diesem Streben; wacker zur Seite, Also von sorgsamer Elternliebe : gehegt und geleitet wuchs David zu einem gesunden,! kräftigen Knaben heran und wurde schon frühzeitig in! die Fallen des jüdischen Wissens eingeführt.! Als er sein fünftes Lebensjahr zurückgelegt hatte,! nahm der Vater einen Lehrer ins Faus, welcher den > Unterricht bis zu dem Zeitpunkte crtheilen sollte, wo David eine ..Fesch!ba", eine talmndischc Fochschule, zu! beziehen befähigt sein würde.; Markus Klein, oder :)utbbi;Nordche, wie er gej wohnlich genannt ivnrdc, war ein anerkannt gelehrter! Mann, dessen Lebensalter sich schon den vierziger Jahren j näherte. Er hatte fast sämmtlichc berühmte Fock):! schulen besucht und hätte in Anbetracht seines umfang׳ j reichen gediegenen Wissens schon längst einen Nabbiuatssitz! innehaben können, wenn - nicht seine eigemhümliche - Karaktcranlage ihn daran gehindert haben würde. Eine! übertriebene peinliche Gewissenhaftigkeit ließ ihn vor j der Verantwortlichkeit zurückschrecken, als Rabbiner die! Pflicht zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen, um j welche die Gemeindeangehörigen in zwcifelhafler! Fällen; der religiösen Praxis ihn angehen würden. Die Furcht eines Jrrthums im ״Paßkenen" beherrschte ihn so sehr, daß er den mannigfachen Versuchungen, welche in Gestakt von ״Nabbonußbriesen", Bestaltungsurkunden, die von Gemeinden an den von ihnen zum Rabbiner Ge- )vählten nach damaliger Sitte gesandt zu werden pflegten, wiederholt au ihn herantrat, widerstand. Er beiheiligte sich auch niemals an den öffentlichen Disputationen, welche bei den gelehrten Vorträgen, ״Derascholh", des ümbbiners in der Shnagoge statt fanden. Er kannte kein höheres Ziel, als zu ,,lernen'*, unaufhörlich zu st!1 di reu, um immer tiefer einzndringeu in das weite, umfassende Gebiet der Lehre; und über dem Studium vergaß er alles Andere. Er war ein aller Fuuggesellc geworden, zu arm, sich die zum Studium erforderlichen Bücher anznschassen. Er war lediglich aus die össemliche Bibliothek in dein Lehrhause, ״Belh-Famidrasch", angewiesen u.'.d verweilte in demselben vom frühen Morgen bis zur Mitternacht. Es war Fern! Faller sehr schwer geivorden, diese!! seltenen Mann zu bewegen, den Sitz der Fochschule zu verlassen und nach Fochfelsbnrg überzusiedeln; und nur die Erwägung, daß ihm durch die Annahme des ihm gemachten Anerbietens ein ungestörtes, sorgenfreies Sludinm bis zum Lebensende garantirl wäre, vcrmochte ihn endlich, den Billen Fallcr's Folge zu!eisten. Dieser räumte ihm ein Zimmer mit einer reichhaltigen Bibliothek in seinem Fanse zur lebeuslänglicheu Benutzung ein und übernahm die Verpflichtung, ihn bis zum Tode zu erhalten und zu verpflegen. David besuchte die Elemeularschnle; die von dieser nicht in Anspruch genommene Zeit brachte er bei seinem Fanslehrer zu. Er Halle noch mit den Schwierigkeiten der Lcsesibel zu kämpfen und vermochte eben geläufig in dem Gebelbnche zu lesen, als Rabbi Mordche mit ihn: den Talmud zn studiren begann. Als er die Elemeiltarschnle abjolvirt hatte, besuchte er keine andere Lehranstalt; der Talmud in! weitesten Sinne war der ein zige Gegenstand seiner geistigen Beschäftigung. Während er also es frühzeitig zu einer für sein Alter erstaunlichen Kennt!! iß in der Gemara brachte, blieben ihnr die heiligen Bücher der Bibel fast ganz verschlossen, und für die Erlangung der allgemeinen Wisseuschasten waren nur einige wenige wöchentliche Stunden bcstinunt. David Halle einen klaren, scharfen Verstand, welcher von einen! glücklichen Gedächtnisse innerstützt war, und besaß einen Wissensdrang, der ihn zu einem nnermüdlichen Fleiße anspornte. Die jugendliche Feiterkeit seines Geiiiüths war durch einen sinnenden Ernst gedämpft; er war bescheiden und gehorsam und erwiderte die übe; strömende Liebe der Eltern, die srenndliche, Herzliche Zuneigung seines Lehrers in voller Innigkeit, :,vorrsetzttttst folg!./

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