Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1884)
- Article
- Rußland : Konotop [Nachricht]
- Date
- 1884-01-24
- Page
- 62 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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die Polizei Protokolle anszunehmcn und dieselben bcm ' Friedensrichter zu überweisen, der die schuldigen Inden zu 5 bt*!7 Rubel Strafe ober 7, tägigem Arrest vernnhciltc. fünfzehn solcher Sachen sind bereit* ver-!)nudelt worden und wegen derselben Ueberlrcnntg l)at! die Polizei noch ca. <!<> Inden zur Vcrantwoitnng ge- I zogen. Die lleinrussischen Köchinnen aber erklären über cinsiinnnend: ״Äiag der (Gouverneur selbst kommen und daun wird auch noch niiiitc fein; mag er und Brod und Obdach geben, dann werden wir nicht dienen." : י In (Charkow brachen am dritten Weihnacht*- tage Unruhen gegen die Inden an*. Die Ebarkower Blatter enthalten die Ansprache, welche der dortige General׳Gouverneur an die deshalb zu ihm beschiedencn! Fabrik*-und Etablissement* Besitzer gerichtet hat. Der j Gouverneur sagte unter Anderem: ..Meine Herren! Vorgestcru (8. Januar) hat ein kleiner Burschen Exzeß; ans der Eidbahn die Handwerker herbeigelockt, welche! sich ein Vergnügen daran* machten, schaarenweisc mit j dem Rufe: .,Hant die Inden!" durch einige Straßen * der Stadt zu ziehen und in l«; Häusern die Fenster : eiuzuschlageu. daun aber bei dem Anblick der rasch erschienenen Kvsaken.Panvnilleauseiuanderslvben. Meine : Herren! Ich habe Sic zit mir eingeladcn. damit Sie! mir Helsen, etwa entstehende Unruhen zu unterdrücken,! und bin ich überzeugt, daß Sie mir darin bchülflich! sein werden, sowohl au* bürgerlichem Pflichtgefühl!nie; auch an* eigenem Borlhcil, damit Ihre kommerziellen! Unternehmungen in Folge der von Ihren Arbeiterit augesiislctcn Unruhen keine Erfchültei nagen erleiden.! Bieinerscit* werde ich alle Pflichten erfüllen und lein Bedenken tragen, mit den schärfste» Maßregeln jeden Versuch von Unruhen im .freinte zu ersiickcu. Die bewafsnete Macht wird aus den ersten Nus der Behörde , zur -Verstellung der Ruhe sich auf dem Platze elnsindcn I ״ud die Polizei die Exzedemcn verhaften. Aber auch Sie, meine Herren, niüssen Ihre Arbeiter zusammenrnsin. denselben die ihnen bei etwaigen Unruhen drohende Gefahr an'* Herz legen und sie eine* Besseren belehren. Sollten Unruhen an*brechen, so rvird die Polizei in jeder Fabrik Verzeichnisse der abwesenden Arbeiter fordern, und wenn irgend ein Fabrikant solche Verzeichnisse verweigert, so werde ich denselben al* Miturheber der Exzesse betrachten." III Warschau, im Januar.- Ich beeile mich, Ihnen mitzutheiten. daß hiesige Blätter solgeudc Nachrichl bringen: ״Der Regicrnug*fcnal kassine durch Entscheidung vom 2. Januar den im Jahre!882 ge׳ faßten Beschluß, wonach den Juden in Rußland umcv־ sagt wurde, außerhalb der Städte und Städtchen, in denen sie ihren ständigen Wohnsitz haben, sich aufzuhalten, sowie liegende Güter zu erwerben. Die Enlschciduug de* Senat* erfolgte in Berücksichtigung zahlreicher, von russischen Herrschaft*besitzern überreichten Petitionen, in denen nachgewicsen wurde, daß der Werth de* (Grundbesitze* tuiה der Hnpothekar-Kredit in Folge jener Maßregel bedeutend gesunken sei. Amerika. -׳ New T)ork, ll» Januar. An der zu Ehren de* Gedächtnisse* Vaster* veranstalteten Feier nahmen die höchsten Vertreter der Stadt mtd de* Staate* lhc!!: der Bürgermeister Rainen* der gesammten Bürgerschaft. Mit dem Dampfer Neckar tvird die Veichc nach Deutschland gesandt werden. (Dieselbe wird im Vanse dreier Woche in Bremerhaven erwartet.) David Kaller. Van Aaftali Simon. '.'llk;Kalitc t'ofl'e.mUcii. Fonsctzung.. Joseph Haller konnte den Verlust der zärtlich geliebten Frau nicht übcrtvindcn. Trotz der Mahnungen seiner Freunde, eine zweite Ehe zu schließen, blieb er Winwer und lebte ganz der Erziehung seine* Kindes, de* Ebmbildc* seiner Gattin. Mirjam wuchs heran und ward eine* der umworbenslen Mädchen der ganzen Gegend. Diese Werbungen waren aber vornehmlich dem hohen Ansehen eine* gelehrten, frommen, wohlthütigen und reichen Manne*, in welchem der Vater stand, zu danken: — Mirjam selbst war von Wenigen gekannt. Oesfentliche Vergnügungen, welche jungen Mädchen Gelegenheit gewähren, au* dem engen Raume de*! Hanse* hinanszutretcn, gab e* nicht. In Hochfelsburg herrschte dantal* noch die alte Weise, daß die Töchter nur int engsten Fantilienkreise und mit den gleichalterigen (Genossinnen verkehrten. Mit jungen Männern kamen sie nur wenig in Berührung. Je besser der Ruf der Familie tvar, desto begehrenswcrthcr galt eine Verbiudnng- Die Eltern zumeist traten al* Werber für ihre Söhne ans, und war in der Regel der Tochter die Entschließung de* Vater* und der Mutter für die Knudgebung ihre* Willen* entscheidend. Die Kinder hatten zu unbedingte* Vertrauen in die bessere Einsicht und gercistere Erfahrung der Eltern, um nicht bei dem wichtigsten Schritte ihre* Vebcn* deren Rath zu befolgen Joseph Haller glaubte dem Anträge de* hochangesehenen vermögenden Bankier* Feder, welcher um Mirjam'* Hand für seinen Sohn Simon anhielt, den Vorzug vor alle׳.! anderen geben zu sollen, und die Tochter folgte gern dem stattlichen jungen Manne in die Provinzialhanprsiadl Thalborn. Da* cinsatne Veden in dein weiten Hause ward