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Jeschurun · 1884-01-24 · Heft 4 (24.1.1884) · p. 61

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 4 (24.1.1884)
Article
Frankreich : Paris [Nachricht]
Date
1884-01-24
Page
61 (sequence 2)
Language
German
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61 linbcr aller Konfessionen hinterlassen. eine Dame jüdischer Abkunft HnnderNansende für Ateliers der Blinden gestiftet, wenn fortwährend von jüdischer Leite Süstnngcn gemacht werden, so weis; das antijndische Blau daraus mir den Schluß zu ziehen, das; die Juden «Frankreichs Rcichthünrer an sich dringen verstehen. — In Wirt lichkeil wird hier kein patriotisches Unternehmen degönnen, keine wohlthätige Schöpfung vorgenommen, ohne das; die Israeliten den regsten Antheil daran nehmen. Wenn die hiesigen Israeliten ihre besonderen Pflichten gegen ihre Glanbensbrnder nicht vernachlässigen, wie die vielen jüdischen Vereine bekunden, unter Anderen der jüdische Wohllhätigkeitsverein, der an anßerordent lichen Geschenken nach dein lebten M on a t S answeis allein R.V.330 Fr. verzeichnet, Vereine, wie die .. <1n tnivaiP, die tüchtige Handwerker unter den Israeliten Heren,bilden :c., so finden wir dieselben Namen, die hier unter den Vorstandsmitgliedern hervorragen, unter den Leitern der allgemeinen städtischen Verwaltungen wieder. Einer unserer Glaubensgenossen gehört zu den hervorragendsten Leitern der neu gegründeten Alliance Franc-aise, deren Zweck es ist, die französische Sprache in der Welt zu verbreiten und den Franzosen, denen man vorwirst, das; sie sich zu schwer von der Heimat h trennen, die Niederlassungen in den fernen Gegenden und namentlich in den unter französischem Protektorat stehenden Ländern, zu erleichtern. Ein hiesiges Blatt, der ״Univers Israelite", fragt bei dieser Gelegenheit, wann werden ,vir einen ähnlichen Verein für unsere arme hebräische Sprache haben? Der Vergleich dieser beiden Sprachen ist bereits bei der ersten Reformrabbinerversainmlnng gemacht worden. Der Marbnrger Rabbiner protestirte gegen die Einführung deutscher Gebete in der Synagoge mit den Worten: ..Wie die französische Sprache das Medium der Unterhaltung bei allen Dösen ist, so ist die hebräische die Hosjvrache des Himmels." Die hebräische Sprache, die älteste aller Sprachen und die Sprache der Zukunft, verdient weniger als irgend eine andere die Bezeichnung einer tobten Sprache. Wir merken cS hier in Paris, wo sich alle Rationalitäten Rendezvous geben, das; sich die Juden aller Länder durch sie verständigen. Die Briefkorrespondenz in hebräischer Sprache ist eine sehr ausgedehnte. In Rußland und Polen ist selbst die Buchführung in dieser Sprache durchaus nicht selten. Vielleicht ist Ihnen bekannt, das; die Gclehrtenweli und die Aristokratie in England sich in neuerer Zeit mit großem Fleiße dem Stadium der hebräischen Sprache hingiebt. Auch hier im College de France und der Sorbonne, ist dem Hebräischen ein hervorragender Platz cingcräumt. Daß in dem hiesigen Rabbinerseminar die Pflege der hebräischen Sprache, hinsichtlich der Grammatik und Uebnng in schriftlicher Konversation,! T nichts versäumt wird, braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden. (Gelegentlich der Erwähnung dieses Instituts benierken ,vir, daß das Faktum, das; die Depnlirteiikainmer kürzlich die Stipendienstunmen für die Seminaristen im Budget gestrichen hatte und erst der Senat dieselben wieder herstellte, keine judenfeindliche Bedeutung hat. Man bahnt die Trennung von Kirche nnd Staat hier mehr und mehr an, und die Inden mußten daher in ihrem KnltnSbndgct treichnngen von größeren Posten voranSschen, da man ihnen natürlich keine Bevorzugung vor den Katholilen einräumen wird Möge die Privatinitialive für jüdisches Stndinn, hier um so kräftiger eintretcu und wir uns, sonne Joseph in der ErtcnnnngSszencder letztwöcheiitlichen Sidrah mit seinen Brüdern, sich in der hebräischen Sprache vereinigt und eins fühlte, auch nnjerseitS bei der patriotischsten Ergebenheit für den Staat, dessen Bürger wir sind, doch gleichzeitig in den Stand setzen, in jüdischer Sprache und durch jüdisches Studium mit den Inden des ganzen Weltalls uns wieder zu vereinen. Rußland. ן Cbcffa, int Januar. Wenn man einem Gerächte Glauben bcimcssen darf, welches dahin geht, daß der Senat die sofortige Aufhebung der lästigen Beslimmnngen vorn Jahre 1882, welche den Handel und Verkehr der Inden in unvernünftiger Weise beengte, beantragen will, ohne die Entschlüsse der Indenkommission abznwarten, so würde dieses als ein günstiges Omen für die Lösung der Indensrage zu betrachten sein. Wir möchten cS gern glauben, aber wir sind so an Enttänschnngen gewöhnt, daß wir nicht den Mnth einer solchen Hoffnung haben. — Auch das auswärtige Amt scheint an den Arbeiten der Indenkommission rcgcS Interesse zu. haben; der Minister des Aenßern wird in derselben, den! Vernehmen nach, durch den Professor Martens sich vertreten lassen. * 51vttvtvp (Gouvernement Tschernigolv). Der ..Odesskii. Listok" meldet von hier, daß der Landpolizci- Meister auf Grund einer Vorschrift des Gouvernementschefs den hiesigen Inden befohlen hat, ihre christlichen Dienstboten zu entlassen. Dieser Befehl hat sowohl unter den Inden, als auch unter den christlichen Dienstboten große Aufregung hcrvorgcriifcn. Die meisten Inden unterwarfen sich natürlich diesem Befehl nnd entließen ihre christlichen Dienstboten; aber gerade letztere waren damit am wenigsten zufrieden. Die Möglichkeit des Erwerbes ist für Dienstleute eine bcschränkte, da die Zahl derer, die Dicnstleule halten können, überhaupt nicht groß ist. So geschah cS denn, daß viele Dienstboten ihre jüdischen Herrschaften baten, sie doch wieder in Dienst zu nehmen. Nicht wenige jüdische Familien gingen daraus ein und nun begann

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