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Jeschurun · 1884-01-24 · Heft 4 (24.1.1884) · p. 59

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 4 (24.1.1884)
Article
Österreich-Ungarn : Prag, Januar [Nachricht]
Date
1884-01-24
Page
59 (sequence 2)
Language
German
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59 Leitha Wurzeln gefaßt und zur Entwickelung herrlicher Blüthcn der Hoffnung Raum gegeben haben, radikal wegzuschweinmen begann, und nun daran gearbeitet wurde, das Rad der Geschichte um mehr als ein Säknlnm nach rückwärts zu drängen, da glaubte man, das; diese Hochslnth, diese Zurnckdrängung blas eine ephemere sein werde, deren Tiefe und Tragweite man nicht fühlte, oder richtiger nach den Gesetzen der gesunden Logik: ..gm lnc׳«ck. (Mmsnit.in1 videt-ur*4, nicht suhlen wollte, weil cs sich nur um die Existenz jener stencrtragenden Staatsbürger handelte, die sich zu der verpönten mosaischeu Religion bekennen. — Nun hat aber einmal, wie die Zeit lehrt, der gewiegte Politiker, der hervorragende ungarische Staatsmann, Herr von TiSza, nach dem falschen Kommando des angeblichen Antisemitismus, in Wahrheit aber Antiregicrnng, eine Halblinks-Schwenkung gemacht und das Schwarze der Sache gänzlich außer Acht gelassen. — Zwar haben Sc. Exzellenz die Güte gehabt, die Beichte abzulegcn, daß es ein Fehler war, den -Herren- Antisemiten die Zügel so lose zu lassen; aber zu spät, allznspät war diese Erkenntniß. Schon waren die Arbeiten an der Zersetzung und Zerklüftung der gegenwärtigen Negierung in voller Thätigkeit. — Hätte aber Herr von TiSza gleich Anfangs der antisemitischen Hydra einen kräftigen, widerstandsfähigen Arm entgegengehalten, so brauchte er nicht in seiner Nenjahrsrcdc Drohungen gegen einen ungenannten Dritten anSzusprechen und schließlich nicht nach Wien zu wallfahren, um den! bevorstehenden Krcnzznge nach Budapest zu steuern. Auch müßte er. der sonst ernste Manu, dessen politische, nationale und volkswirthschaftliche Ansichten und Tendenzen fast von allen Parteischaltirnngen Ungarns gebilligt werden, nicht die bittern Pillen, die man ihm und dem gcsammten Baterlande in Kroatien tagtäglich ordinirt, mit saurem Gesichte schlucken. ״Mir einen! Bolle, welches so lief gefallen ist, daß bei ihm die bekannten antisemitischen Skandale möglich waren, mit einer Nation, in deren Schoß sich ein ״TiSza-Eszlarer Prozeß" entwickeln konnte, mit einer solchen :Kation können wir Kroaten uns nicht mehr verbinden." So sprach unlängst im kroatischen Landtage ein Abgeordneter, der bis jetztwbsolnt regierten und unlängst erst mit Kroatien vereinigten Militärgrenze. — Das alles vermögen die ״besten Söhne" Ungarns, die das Gesicht unter den Deckmantel des AntiseinitisinnS stecken, um im Verborgenen gegen den Liberalismus unserer Regierung zu arbeiten. W. Prag, 17. Januar. lEinc ntysteriösc Gcschichte.) Die ״Politik" berichtet: Der hiesige Kaufmann Herr Joses Philips schickte vor einiger Zeit seine vierzehnjährige Tochter Regina zu seinem Schwiegervater Wolf Krebs nach Lemberg. Das Mädchen kam daselbst glücklich an, nach einiger Zeit verschwand cs jedoch plötzlich. Nach längerem Forschen gelang cs den gemeinschaftlichen Bemühungen des Baters und des Großvaters, in Erfahrung zu bringen, daß das Mädchen in Lemberg in einem griechisch katholischen Francnkloster lebe. Beide begaben sich in das Kloster und fragten das Mädchen, ob cs nach Hanse znrücktehrcu wollte, was diese mit sichtlicher Freude bejahte. Sie begaben sich deshalb zu dem dortigen Bischof, um ihre sofortige Entlassung ans dem Kloster zit erwirken. Der Bischof wies ihnen jedoch einen von dem Mädchen eigenhändig geschriebenen Brief vor. in welchem sie erklärte, sie wolle freiwillig in dem Kloster bleibeit. In Anbetracht dessen erklärte der Bischof, ihrem Wunsche nicht willfahren zu können, zumal das Mädchen bereits das vierzchnle Lebensjahr überschritten hat. Der Vater wandte sich nun durch seinen Vertreter, Herrn Dr. Nejedlh, in dieser Angelegenheit telegraphisch au den Ministerpräsidenten Grafen Taasfe nur Vermittlung. * Pest,!6. Januar. Dem ״Neuen Pestcr Journal" entnehmen wir folgende Nachricht: Jener peinliche Auftritt, den der Abgeordnete Geza Onody durch persönliche Insnltirnng des Ober-Staatsanwalts- Substituten Szehsfcrt gelegentlich der Verhandlung des TiSza Eszlarer Prozesses in Rb.iircghhaza veranlaßt hat, ist bekanntlich nach erfolgter Suspendirung der Immnnilätsrcchtc Onody's;nur Gegenstände einer Straf- Untersuchung gemacht worden. Diese Untersuchung wurde vor Kurzem beendigt, und gelangten die Akten gestern an die Ober Staatsanwaltschaft. Seitens der letzteren wird gegen Onody die Anklage lvegeu des Verbrechens der Gewaltthätigkeit gegen eine Behörde erhoben und beim Nyireghhazaer Strafgerichte mit dein Ansuchen cingcbracht, Onody lvegeu dieses Verbrechens in den Anklagestand zu versetzen. *||* Pest, 19. Januar. Wie ganz anders war der Empfang, welcher den Vertretern des orthodoxen Indcnlhums in der gestrigen Audienz bei dem Kultus, minister zu Theil wurde, als derjenige, dessen sich die Neologen zu erfreuen hatten! Meine Befürchtungen haben sich leider nur allzu sehr bestätigt. Die Depntation mußte von Herrn von Trüfort vernehmen, daß die orthodoxen Jndengemeinden in einem wenig geeigneten Zustande sich befänden; sic sollten daraus achten, daß die Matriken ordentlich geführt lvürdcn, der jetzige Zustand sei unhaltbar. Die Rabbiner sollten sich bessere Kenntnisse verschaffen, Talmndisches Wissen allein genüge nicht; die Schulen müßten organisirt werden n. s. w. Das einzige Tröstliche ist, daß der Kultusminister eine Berathnng von Vertranensmänucrn aas beiden Lagern in Aussicht stellte, bevor er mit neuen gesetzgeberischen Maßnahmen Vorgehen wolle. Thnt cs nicht Noth auf der Wacht zu stehen? Aus Herrn von Trvfort sprach der Geist der jüdischen

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