Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1884)
- Article
- Deutschland : Köln [Nachricht]
- Date
- 1884-01-24
- Page
- 57 (sequence 1)
- Language
- German
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M 4, Ieschrirmr. 57 Kortcspoitdcttzcit 11 üb Niichrichtcii. Deutschland. ” .Köln, 17, Januar. Die Eiinveihung des neuen Gebäudes für das israelitische 2cn1i!!at־ mit; Internat und der Synagoge der 2ldaß-Jcsch!1ruu fand! gestern in großartiger Weise statt. Möge mit diesem Tage eine Aera des Heils und Segens für das gesctzcstreue Judeuthum, in dessen Dienst das Seminar wie die Adaß-Ieschurnu sich gestellt, in unsere Stadt und Provinz anhebcn. Der herrliche und zweckmäßige Bau ist ein weithin leuchtendes Wahrzeichen der Begeisterung, Beharrlichkeit und Opscrwilligkeit für die Dache unseres Heiligthums. — Die Feier war überaus erhebend, die Predigt des Rabbiners der Adaß-Jeschuriu! und Direktors des Seminars, Herrn I)1\ Plato, ein Muster von begeisterter Bcredtsamkeit voll tiefer anregender Gedanken, wahrhaft vollendet an Form wie an Inhalt. Ehre und Preis allen Denen, die an diesem Werke mitgcarbeitet; vor Allem dem gelehrten und unermüdlichen Direktor, Rabbiner Df. P lato, dem geistigen Schöpfer der Gemeinde und des Seminars. Sodann aber auch dem Herrn Rabbiner Dr. Feilchcnselb in Posen, ehedem zu Düsseldorf, ivelcher die erste Anregung zur Gründung des Seminars gegeben, und ferner den wackeren Männern, welche für dasselbe gewirkt haben, den Herren M a n n s b a ch, Jakob Simon und vielen Anderen. Auch den inzwischen׳ Verblichenen, Herren S. H. P r a g, I s a a k F r a n k und I. M. Marx, gebührt eine dankende Erinnerung. — Die Bctheilignng an dem Feste war überaus groß. (Wir bringen mit Nächstem einen besonderen Artikel über diesen Ban und bedauern sehr, daß derselbe uns zu spät znkam, um ihm noch in der heutigen Nummer einen Platz anzuweisen.) A. Karlsruhe, 20. Januar. Am vergangenen Mittwoch langte unser Rabbiner Herr Dr. Schiffer ' von Hannover an. Derselbe wurde von dem gesaiumten Vorstände und dem Anjsichtsrathc der Israelitischen Neligionsgesellschast aut Bahnhofe empfangen und in seine festlich geschmückte Wohnung geleitet, in ivelcher sich später zahlreiche GcnieindemitglLeder zur Begrüßung cinfanden. Am selben Abend hatte der Präses der Gemeinde, Herr I. H. E t t l i n g e r, sämmtliche Vorstandö- und Anfsichtsrath-Mitglieder, sowie den Herrn Rabbiner Weill, zu einem Bankett zu Ehren unseres Rabbiners geladen, bet welchem viele herrliche und herzliche Tischreden gewechselt wurden. Gestern hielt Herr Dr. Schisser seine Antrittsrede in der bis zum letzten Platze angcfüllten Synagoge. Auch viele Mitglieder der anderen Gemeinde hatten sich eingefundcn. In wahrhaft glänzender Sprache cutwickcltc der Herr Rabbiner die Aufgabe, welche in der Gegenwart das Judcinhnm an uns stellt. Mächtig angeregt non den begeisterten Worten des Redners, verließ die Gemeinde die Synagoge in der frohen Zuversicht, daß sie in Herrn Dr. Schiffer den rechten Veiler und Führer sich erkoren. Wie sie ihm in Verehrung und Bebe entgegenkommt, so wird amh er sich gewiß recht bald bei uns heimisch fühlen und in einer langen segensreichen Thätigleit die Vichtsaat echter jüdischer Gefetzestrene ansslrcneu und zur Blüthe sich entfalten sehen. ||! JyncblH’rft, U. Januar. Der hiesigen israelitischen Gemeinde steht — so wird dein ״Franks. Journal" gemeldet — eine Trennung resp. Spaltung bevor, weil der Vorstand den Plan gefaßt, nächstes Frühjahr mit dem Ban eines rituellen Frauenbades zu beginnen, wogegen die liberale Partei sich sträubt, und zwar einmal des Kostenpunktes wegen, zweitens weil dieselbe von der Nothwcndigkeit der Errichtung eines solchen Baues nicht überzeugt ist, da schon hinreichend in dieser Beziehung gesorgt sei durch die hier schon seit Jahren bestehende Warmwasserbadeanstalt, (rituell?) die zu jeder Zeit srcgncntirt werden kann, und durch das kaum eine halbe Stunde entfernte Soolbad Ner.heim (ist dasselbe rituell?) Außerdem war die Errichtung eines solchen Instituts ans Rücksicht ans die Andersgläubigen ('.??) nicht für atigentessen gehalten. 0. Essen,- 11. Jan. Die ״Dortmunder Zeitung" uteldet, daß auch in Essen es in Bezug auf den Antisemitlsrnns nicht ganz geheuer ist. Als nämlich kürzlich ein jüdischer Bankier mit seinem Sohn die Wirthschaft zur Neichshalle betrat und sich an den Stammtisch setzte, standen die anderen auwesendcu Gäste ans und erklärten dem Wirthe, daß entweder sie oder die Inden das Vokal verlassen müßten. So mußte denn der Wirth den Bankier und dessen Sohn zum Verlassen des Lokales anfsordern. I -e- Posen, 18. Jan. Der hier erscheinende \ ״Goniee" hatte die bekannte von der ״Kreuz:,citting" zuerst; iu Deutschland verbreitete Fälschung eines angeblich von \ Ciieut i.nr her rührende!! Rundschreibens aus den! ״L'Autii scntitigue" verössentlicht, wogegen der ״Jeschurun" unter! allen Zeitungen die erste war, welche die Richtigstellung! dee apokryphen Aktenstückes und dessen Berichtigung auch durch die ״Kreiizzciinng" Rwirlte, nachträglich noch gebracht. Herr Rabbiner Dr. Feilcheuseld sandte eine Berichtigung der Redaktion dieses polnischen Blattes, Herrn Dr. Rzepecki, zu, welcher aber ehrenhast genug dachte, dieses Schreiben tul ad;1 zu legen. Das ״Posener Tageblatt" brachte in Folge dessen die betreffenden Schreiben. Das Verhalten des ״Goniee" einer Kritik zu unterziehen, erscheint völlig überflüssig;