Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1884)
- Article
- Aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts
- Date
- 1884-01-24
- Page
- 56 (sequence 2)
- Language
- German
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sonst Ilir — wo hingegen Unsereiner — hier ist die Hacken und dorten ist der Dreschflegel und drüben ist die Sensen und wao no all's mehr — und die verfluchten ftcvle־ um einen ,mm — 0 3c! 0 3c! wenn do seiner ni ist, der einen aushalt — ״Nun, bisher ist doch noch Alles gut gegangen." ״Gur —?" Seidler zuckte die Achseln, ״müßte lügen, wenn ich ja sagen wollt' — heißt das, dcrschlagcn 2׳ no keiner ni anf'in Seidlcrhos — Gott?ob und Dank! — Aber wcnn's a mol zu so 'was kam' — hochwürdiger Herr, 's vorige Mat ha den's gar viel in mir 'nciugered't, daß 's a Sünd war', wenn einer ohne Roth was auf sich nehmen UM, weil, wenn's hernach ni halten könnt hätt', nicr aus Muthwill die Seligkeit verschachert. — Das is ganz wahr — i sch's ein — aber, hochwürdigcr Herr — freili. Sie können 's halt ni begreifen, wic's thut, wenn mcr Eine so gern hat, wie i die Marie Hab' — aber das sag' i 3hnc, und wcnnS no a mol so schwer war, 's Israelitsein, all's that' i halten, nix war' zu schwer — heißt das, mit der Marie — aber ohne die Marie — da ist all's aus — da geh' i;'Grund —. Und wenn's nu all's wissen, g'nan wie's is — seh'n Sic's da ni ein, daß i Israelit wer'n muß?" ,.Lieber, guter Freund, es thut mir aufrichtig leib, aber ich kann Ihnen nicht willfahren. — Ich weiß, aus welchem Grunde Sie übertreten möchten —" ״Versteh' schon, versieh' schon," sie! Seidler hastig ein, ״Sie könnten ni dazn helfen, weil Sic's halt' wissen, 's mär wegen der Marie — aber 'n anderer Rabbi, der's ni weiß, der könnt' — versteh', versteh' — i wer halt jagen, i will Israelit wer'n, weil's Israelitenthum mir g'sallt — daS möcht's thun, gelt'?" ״Und Sie glauben, durch eine Lüge Ihr Glück zn begründen?" fragte der Rabbi ernst, ״junger Mann, junger Mann, bedenken Sie! Unrecht hat noch niemals Heil gebracht. — Unrecht erzeugt Unrecht — wenn nicht Unglück." Seidler blickte betrossen aus. ״Meiner Seel', Hochwürden, mir scheint, so wird's sein. — Hundert Mal hob i 's gedenkt — mci gcruz's Elend kommt von dem verdammten Rittmeister, hält' der '0 arme Iudeumaderl ni g'kannt, war' i ni ans der Welt und all's war' gut. — Der verfluchte Hnndoker! der —״ ״Bon wem reden Sie'?" unterbrach ihn der Rabbi mit dein Ausdruck höchster Spannung. Das Angesicht des Erregten überzog sich mit dunkler Glnth. ״'s ist a Schund, hochwürdiger Herr — i weiß's, a Schand — ״Gleich viel, sagen Sic mir von wem Sie gesprochen haben," drängte der Rabbiner, ״was für eine Bewandtniß hat cs mit bem Nittmcister und dem Judcnniädchen'?" ״Hochwürdigcr Herr —" ״Reden Sie, reden Sie — sagen Sie mir alles möglichst genau. — Sie haben keine Ahnung von der Wichtigkeit Ihrer Mittheilnng." Davon hatte der junge Bauer in der That keine Ahnung, doch kopfschüttelnd gehorchte er. ״Alsdann,!venu Sic's justament wollen wissen, Hochwürdcn — wegen meiner. — Au die siebenzig Jahr muß 's schon fein, da war der Rittmeister von Hnltmdors und 'n armes israelitisches Mädel — und als er fort ist iu's Feld, ist's der Armen gar miserabel gegangen, 'n Kind hat's gehabt, aber nix zn beißen sür's Kind — und al's gar ui g'wnßt hat, wo 'naus, da is sic gangen zum Bater vom Rittmeister, hat's Kind vor ihm ans'n Tisch g'lcgt und sic iS an die Erden g'sallcn und glci war's lobt. -- Aber der Vater vom Nitiincistcr war gewesen 'n braver Mann, er hat's Kind gehalten und derzogen als ob's war' sein Kind, und 's Kind war gewesen meine Mutter. — Und von wegen dem —" ״Ihre Mitt Heilungen sind von höchster Wichtigkcit," siel der Rabbi ein, ״wenn sich Ihre Angaben bestätigen, so bin ich mit Freuden bereit, Ihnen in jeder Beziehung zn Ihrem Uebertritt zum Inden thum behüt stich zn sein." ״Wa — wa — was?" stotterte Seidler. Der Rabbi wiederholte ihm seine Bereitwilligkeit und der überglückliche junge Mann brach in einen maßlosen Jubel ans. ״Juchhe!" schrie er und warf den Hut hoch in die Lust und lachte hell ans, während ein Strom von Thräuen seinen Augen entstürzte, und dann rannte er wie trunken im Zimmer umher und umarnlte den Rabbi, der sich des vor Wonne nahezu Sinnlosen kaum erwehren konnte. ״Gott's Lohn, hochwürdiger Herr! Gott's Lohn! I hob es g'wnßt, von Ihne kommt's Glück. — Aber jetzt zur Marie! — Marie! — Marie!" und spornslreichs rannte er zur Thür. Der Rabbi eilte ihm nach und faßte ihn am Arm. ״Hier geblieben!" gebot er, ״gegenwärtig haben Sic bei der Marie noch gar nichts zu schassen, zuvor nmß ich mich von der Richtigkeit Ihrer Angaben überzeugen." ״Aber, Hochwürdcn! — deukcn's, i möcht' Ihne an lügen?" ״Das denke ich durchaus nicht — obgleich Sie mir vorhin angcdentet haben, daß Sic sich wohl zn einer Lüge entschließen könnten." Seidler schlug die Augen nieder. ״Hochwürdigcr vcrr —״ (^onsetzlmg jvlgt. >