Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1884)
- Article
- Salomonische Spruchweisheit
- Date
- 1884-01-24
- Page
- 51 (sequence 2)
- Language
- German
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51 DerPflichtgerechte fcum selbst die Seele feine* ThiereS, j Teb (.^efcOlofcn Erbarmen ift grausam. (12,10.) Ser seinen Nächsten gering achter, versündigt ftd), j Ser Bescheidenen gewährendfrenndlich ist, der! schreitet;um -Veite. (14,2).)! Gott leiht, was Einer einem Armen.gewährt,! Und seine Vergeltung zahlt Er ihm (10,17.)! Segen wartet Dessen, der sich des Segens des! Nächsten freut, dessen Auge freundlich darauf blickt,; wenn es dem Nächsten wohl ergeht. Einem Solchen schmeckt sichnckich sein Brod md)t, wenn neben ihnr ein Armer hungert, er ißt sein Brod nicht, wenn er nicht zuvor davon dem Armen gegeben, ja, er nennt eS erst sein,, wenn er davon dem Armen mitgetheilt. Zn solchem pflichtthätigen Mitgefühl für jeden Leidenden erzieht uns die Pslichtlchre des göttlichen Ge׳ sctzeS, und ein solcher an der Hand des Gesetzes erzogener und geleiteter Pflichtgerechter hat auch für das aus ihn j angewiesene Thier einen offenen Sinn, seiner Kräfte j zu schonen und seinen Bedürfnissen sürznsorgen, wenn . ihn das göttliche Gesetz verpflichtet. Wessen Erbarmen! aber nicht ans dem Gesetze, sondern nur aus einer j weichen Stimmung seines -Herzens stammt, der ist ebenso! leicht grausam, wie er barmherzig sein kann, je! nachdem eine Laune, eine augenblickliche Stimmung j oder eine selbstgeschafsene, vermeintliehe Klngheitsseutenz! ans ihn Einfluß übt. Armuth und Elend machen oft die Unglücklichen zu einer wenig anziehenden Erscheinung. Wehe Dem, der sich durch das Abstoßende einer solchen durch Elcnd verkommenen Gestalt zu deren Geringschätzung liestimmen läßt. -Heil Den!, der durch die oft abstoßende j Hülle eines nnglücklichen Armen hindurch, ans die ge-! drückte in bescheidener Selbsterniedrigung verharrende, nach Mitgefühl lechzende Seele zu schallen gewöhnt ist, und sie durch erquickende Pslichlthat aufrichtet. Einen von Gott gezogenen Wechsel präsent in uns j jeder Arme, der an unsere Pflichlleislnng appellirt. Wohl Dein, der diesen Wechsel gebührend honorirt! Als sein Schuldner begreisl sich Gott und bleibt mit der Vergeltung nicht aus.! Geheime Wohlrhatsspeildc kann Zorn bezwirigen,! Und wie eine Bestechung im Verborgenen starten Unwillen. (21,14.); Durch Lie best hat und Treue kann Sünde gesühnt! werden,! Und durch Gottesfurcht, die sich im Lassen von Bösem! bewährt, l 10, 6.) ’ Verfänglich ist der Wahn eines Menschen, sich; an einem Heirigthnm vergreifen zu : wollen, > Um es nachher mit Geloblingelt auf^nfudion. (2u, 25.) Eine sühneilde Kraft wird der Wohlthatssvende zlierkailllt, lvellll sie nur im Stillen geübt wird, vor Allem, wenn selbst der Eülpfällgcr nicht weiß, wer sein Wohlthäler ist. Ein solches von aller Selbstsucht freies Wohlthnn kann selbst bereits verdienten und hervortreteildeil göttlichen Unwillen .;urückhaltcn lind gleich sam wie bei einem menschlichen :leichter. in! Stillen gegebene Bestechung wirten. Allein, so gewiß eine sündhafte Vergangenheit durch in Wahrheit wohtthuende Liebesthai gesühnt lverden kann, so hat sie diese sühnende Wirkung jedoch nur, wenn sich damit ansrichtige Gottesfurcht verbindet, die sich in künftigem Fernbleiben von allem Bösen bewährt. Ein ganz verfänglicher und verderblicher Wahn ist es aber, wenn Jemand von vorn herein sich an einem GoNeSheiligthnm mit den! Vorsatz vergreist, um es nachher mit Gelobnngen aufzusnchen, wenn Jemand etwas Sündhaftes begeht nrid sich dabei mit dem Vorsatz getröstet, nachher dlirch Wohlthatsgelobnngen Sühne zu gewinnen. Ein solcher Wahn ist die gefährlichste Täuschung. Sie lnacht das Wohlthnn nicht zu einem Snhneakt, sondern zu einem -Helfershelfer der Sünde. ־# Sage nicht zu deinem Nächsten: gehe und komme wieder, morgen will ich's geben. Und es ist jetzt bei dir. (3, 28.) Pünktlichkeit in Lösung obliegender Nechtspslicht- Leistungen ift's, was dieser Spruch von uns fordert. Wir sollen die von uns geforderte Erfüllung eingegangener Verbindlichkeiten nicht ans morgen verschieben, wenn wir heute dazu im Stande sind. l Fori sc Nun g folgt.) *irr 4nf!fc!11ith11i₪ kr ״lneüneitiis!!;" 1 In der ״Kirchlichen Rundschau," welche die ,.Nene Preußische (Kren; )Zeitung" hält, widmet sie auch dem ,,Antisemitismus" und der ״Jndcnsrage" eine längere Betrachtung. Sic meint (in der Beilage zu ihrer Ansgäbe vom 1 7. d. M.), daß der crftcre sich seine Lebens adern dadurch unterbunden habe, weil seine Basis eine einseitig falsche, weil die religiöse nicht beachtend, gcwesen. Trotzdem aber wäre cs ein Jrrthum, zu glauben, daß die Jndensrage nunmehr bald zu den Todtcn geioorsen und das Volk nach wie vor das jüdische Joch geduldig tragen werde. Ein noch nicht ganz entartetes und entnervtes christliches Volt könne es ans die Dauer nicht bulbcu, daß eine kleine andersgläubige Minorität seine heiligsten Gefühle in einer